Jeder bringt seine Möbel mit: Das ist die WG in alter Villa Basse

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Die Villa Basse ist Baujahr 1914. 

Lüdenscheid – Einmal in einer Villa leben: Für die Bewohner einer besonderen WG ist das Realität geworden. Sie durften sogar ihre Möbel mitbringen. 

In fröhlicher Runde, bei frischen Waffeln und Gegrilltem, hat die Seniorengemeinschaft Villa Basse an der Breslauer Straße in dieser Woche ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert. Gemeinsam mit Mitarbeitern, Betreuern und dem Pflegedienst „stießen“ die Bewohner bei ihrem Grillfest auf den runden Geburtstag der Einrichtung an. 

Mit derzeit acht Mitarbeitern kümmert sich Petra Niederer (rechts) um das Wohl der Bewohner. Im Bild ist sie mit einem Teil ihrer Mannschaft zu sehen.

Seitens des Märkischen Kreises gratulierte Sonja Hagedorn vom Sozialpsychologischen Dienst zum zehnjährigen Bestehen der privaten Wohngemeinschaft, die von Diplom-Pflegewirtin Petra Niederer geleitet wird.

Die Idee, eine derartige Wohngemeinschaft (WG) zu gründen, sei ihr während des Studiums bei einem Auslandssemester in den Niederlanden gekommen, kam Petra Niederer auf Nachfrage auf die Anfänge der Wohngemeinschaft zu sprechen. „Ich habe dort in einer Hausgemeinschaft gearbeitet und fand das Modell schön.“ 

Nach dem Studium habe sie zunächst ein großes Haus geleitet, die Idee, eine private Wohngemeinschaft für Senioren zu gründen, jedoch nie aus den Augen verloren. „Eine WG in dieser Form gibt es hier nicht.“ 

Auf der Suche nach einem geeigneten Gebäude sei sie auf die Villa Basse, eine 1914 im Jugendstil erbaute Villa, die im Originalzustand erhalten ist, gestoßen. Es sei gleichsam Liebe auf den ersten Blick gewesen. Nach der Renovierung sei das Haus am 3. September 2009 eröffnet worden.

Im Wohnzimmer des Hauses kommen die Bewohner, von denen einige bereits seit Jahren in der Villa wohnen, zu gemeinsamen Aktivitäten zusammen.

„Wir nehmen Menschen auf, die an der Psyche und an Demenz erkrankt sind.“ In Einzel- und Doppelzimmern sind die Bewohner der Wohngemeinschaft im Haus untergebracht. „Wir haben zwei Bewohner, die nicht allein sein möchten“, erläutert Petra Niederer. Diese seien im Doppelzimmer untergebracht. Jeder bringt seine eigenen Möbel mit. 

„Das gibt ein Gefühl von Zuhause. Wir leben hier wie in einer Großfamilie.“ Mit derzeit drei Frauen und sieben Männern ist die Wohngemeinschaft komplett ausgebucht. Mehr als zehn Bewohner nimmt Petra Niederer nicht auf. 

Mit acht Mitarbeitern kümmert sich die Diplom-Pflegewirtin um das Wohl der Bewohner rund um die Uhr. Die Pflege liegt in Händen eines mobilen Pflegedienstes. Um die Betreuung und die Hauswirtschaft kümmern sich Petra Niederer und ihr Team. 

Die Selbständigkeit der Bewohner zu erhalten, ist dem Team ein großes Anliegen. Beim Kochen und Backen in der großen Gemeinschaftsküche helfen alle mit. Sogar Brot wird selbst gebacken. Was gekocht wird, bestimmt die Gemeinschaft.

Im Laufe der Jahre ist ein großer Fundus an Lieblingsgerichten entstanden – auch sächsische, thüringische und französische Gerichte zum Teil aus uralten Kochbüchern sind darunter. Wer nach dem gleitenden Frühstück, gemeinsamen Mittagessen, Kaffeetrinken und Abendessen noch Hunger hat, kann sich im Nachtcafé einen Imbiss – Soleier, eingelegte Jagdwurst mit Zwiebeln und andere Kleinigkeiten – holen.

Feste werden in der Wohngemeinschaft gefeiert wie sie fallen. Kinder und Haustiere der Mitarbeiter werden im Haus gern gesehen. Die Nachmittage sind mit Einzel- und Gruppenangeboten, mal Gesellschaftsspielen, mal einem besonderen Film, ausgefüllt. Liebste Freizeitbeschäftigung im Sommer: gemeinsames Grillen.

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