Musikalische Nachhilfestunde

Christoph Reuter eröffnet die Kleinkunsttage

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Christoph Reuter eröffnete die Kleinkunsttage.

Lüdenscheid - „Über Musik zu reden, ist wie Architektur zu tanzen!“ Mit diesem Statement eröffnete der Pianist und Komponist Christoph Reuter Freitagabend in der Garderobenhalle des Kulturhauses den Wettstreit um die „Lüdenscheider Lüsterklemme“. Und redete anschließend mehr als zwei Stunden über das, was ihm augenscheinlich am meisten Spaß macht: die Musik.

Sympathisch kam er daher, der Pianist. Nichts von alldem, was er da erzählte über Töne und Zusammenhänge, klang auswendig gelernt. Über die drei großen „B“s der Musik klärte er auf – Beethoven, Bach und Bohlen – und dass man die Musik der Vögel auch auf die Tonsprache der Menschen übertragen kann. Und jeder, der zwei Töne unterscheiden kann, ist musikalisch, konstatierte er in Anlehnung an den Titel seines Programms „Alle sind musikalisch! (außer manche)“. 

Das sei wissenschaftlich erwiesen. Immer wieder neue Erkenntnisse zauberte der studierte Musikpädagoge aus den Tasten seines Klaviers, zum Beispiel, dass der Mensch eine angespielte Melodie im Kopf zu Ende klingen lässt, auch wenn der Pianist vorher abbricht. Oder dass Filmmusik zum Film passen muss – „Wie hört sich das denn an?“, und spielte zum Schwarzenegger-Blockbuster und den Yedi-Rittern den „Mana Mana Song“.

Auch der Zusammenhang zwischen Werbung und Musik fand Einlass in die originelle Musiknachhilfestunde, die auch hier und da ins Virtuose abglitt, wenn Reuter Astor Piazolla interpretierte. Und einmal gehörte Musik könne man nicht wieder aus dem Kopf löschen, was mit Blick auf Andrea Berg schade sei.

Am Ende eines sehr musikalischen Abends zollte Reuter dem Publikum im ausverkauften Saal großes Lob: „Lüdenscheid, ich liebe Euch“. Das dürfte wohl über weite Strecken auf Gegenseitigkeit beruht haben. Zweifelsohne werden es die weiteren Bewerber um die „Lüsterklemme“ schwer haben. Einen charmanteren Auftakt der Kleinkunsttage hätte man sich kaum wünschen können.

Sonntagabend gehört die Bühne dem Belgier Olivier Sanrey. Ab 19.30 Uhr thematisiert der Comedian nicht nur seine Herkunft, er beschäftigt sich auch mit sozialen und wissenschaftlichen Themen wie „Warum streiken Glockengießer nie?“ Sanrey hat sich zum Ziel gesetzt, das Publikum auf eine Comedyreise außerhalb des Politikalltags zu nehmen. Alles oberhalb der Gürtellinie und beleidigungsfrei. - Jutta Rudewig

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