Jazzclub: Solo auf dem Biggesee

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Die Gäste an Bord ließen es sich gutgehen.

LÜDENSCHEID - Gute Musik in Verbindung mit einer Schiffstour auf dem Biggesee bei Olpe – dieses Erfolgsrezept des Jazzclub Lüdenscheid funktioniert seit vielen Jahrzehnten. Auch die 38. Riverboat-Shuffle, zu der am Samstag 363 Jazz-Freunde vom Bootsanleger Sondern aus „in See“ stachen, werteten die Veranstalter um Henning Schwarz van Berk als vollen Erfolg.

Einmal mehr sorgten drei hochklassige Bands dafür, dass auf der MS Westfalen keine Langeweile aufkam. Für diesen einen Auftritt eigens aus Prag angereist waren die Musiker der „Metropolitan Jazz Band“, die den Abend mit ihrem ersten Set auf dem unteren Deck eröffneten und damit die Gäste beim „Einchecken“ begrüßten. Die Musiker um den Bandleader, Trompeter und Sänger Josef Krajník und Sängerin Eva Eminger präsentierten eine gut gelaunte Mischung aus beschwingtem Bar-Jazz sowie frisch und modern interpretiertem Dixieland, mit dem sie auch am späten Abend noch zahlreiche Gäste begeistern und auf die Tanzfläche locken konnten. Startete die Combo zunächst relaxt mit fast beiläufig und gemütlich dargebotenen Fassungen populärer Klassiker wie „Blue Moon“ oder „Wonderful World“, gaben die Musiker mit schnelleren Nummern wie dem Dixieland-Stück „Get up, stand up“ oder dem Gospel „Down by the riverside“ ordentlich Gas. Dabei bewiesen die Prager – neben den Frontleuten waren noch Stanislav Chmelík (Alt- und Tenor-Sax, Klarinette), Daniel Kozel (Bass), Václav Krejci (Elektrische Gitarre, Banjo), und Ladislav Sindler (Schlagzeug) mit von der Partie – viel Freude an der Improvisation und sorgten für ausgiebige Solo-Einlagen, die vom Publikum mit Applaus honoriert wurden.

Auf dem mittleren Deck gab sich ein alter Hase der Jazz-Szene die Ehre, der im Jahre 2009 schon einmal bei der Riverboat-Shuffle zu Gast war. Gitarrist und Sänger Ali Claudi, der mit den Musikern seiner „Boogie Woogie Company“ aufspielte, steht seit fast 50 Jahren auf der Bühne. Mit ihm waren Marc Galperin (Piano), Norbert Hotz (Kontrabass, Gesang) und Kalle Hoffmeister (Schlagzeug) auf die MS Westfalen gekommen. Immer wieder konnte Ali Claudi mit seinem unverkennbaren Gitarrenspiel begeistern, das bei Stücken wie „Living on the highway“ von Freddy King oder dem schwungvollen „The sheik of araby“ zum Tragen kam.

Die Formation auf dem oberen Deck ließ es etwas ruhiger angehen, obwohl das „Romeo Franz Ensemble“ auch das eine oder andere schnellere Stück auf Lager hatte. Der Gipsy-Swing, den Bandleader Romeo Franz (Violine) gemeinsam mit den Musikern Joe Bawelino (Sologitarre), David Reinhardt (Rhythmus-Gitarre), Thomas Stützel (Kontrabass) und seinem Sohn Sunny Franz (Violine) zum Besten gab, war eher Musik zum Genießen. Mit Präzision und Leichtigkeit interpretierten die Musiker zum Beispiel das bekannte Brecht-Stück „Mecky Messer“ in einer locker-swingenden Variante. Für feuriges Temperament sorgte dagegen ein Czardas, der zum Mitfeiern einlud. Besonderen Applaus erntete Sunny Franz, der Sohn des Bandleaders, der bei einigen Stücken unter Beweis stellte, dass die Qualität seines Violin-Spiels dem seines Vaters kaum nachstand. - Björn Othlinghaus

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