Nach zweieinhalb Stunden noch frisch und munter

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Die Trommelshow Kokubu begeisterte im Kulturhaus die Gäste

Lüdenscheid – Vibrierende Stuhlreihen und eine Geräuschkulisse, die ohne Zweifel auch außerhalb der Mauern des Kulturhauses zu hören war: „Kokubu – The Drums of Japan“ war am Mittwochabend zu Gast im Kulturhaus, ein 18-köpfiges Ensemble aus Osaka/Japan, 1998 von Chiaki Toyama gegründet.

Mit auf der Bühne: Mindestens ebenso viele Trommeln in vielen erdenklichen Variationen. Gut zweieinhalb Stunden lang begeisterte die Gruppe rund 300 Gäste im großen Kulturhaussaal, die sich anschließend gleich mehrfach aus den Sitzen erhoben, um stehend Beifall zu klatschen.

Rhythmik und ein spiritueller Hintergrund sind der Anspruch der Gruppe, die seit knapp zehn Jahren durch die Welt tourt. In diesem Jahr will die Show in 40 deutschen Städten gastieren, bevor's wieder zurück nach Japan geht, um dort den Sommer über weiter zu trommeln. „Man muss sich Kokubu wie eine Art Verein vorstellen. Die haben in Japan ein eigenes musikalisches Ausbildungszentrum. Da kommen dann Kinder mit drei, vier, fünf Jahren hin wie bei einer musikalischen Früherziehung. Erst einmal steht der Spaß im Vordergrund. Und später wird dann selektiert. Die Besten der Besten dürfen mit auf eine Auslandstournee“, erklärt Michael Schweiger vom Veranstalter „Miro Live“ im Gespräch.

Mit der Komposition „Mitsuya“ (Drei Pfeile) stiegen die Trommler fulminant ein, begleitet von einem Off-Sprecher, der die Symbolik des Stückes erläuterte. Zahllose Übungsstunden hätten die Trommler absolviert, um den entsprechenden Einklang zu erzeugen. Kraftsport steht neben dem eigentlichen Trommeln ganz oben auf dem Tagesprogramm der Musiker. Nicht anders ist zu erklären, dass die 18 muskulösen Trommlerinnen und Trommler einen ganzen Abend lang ihre Instrumente mit unbändiger Freude bearbeiten, um anschließend noch im Foyer geduldig Autogramme zu geben.

„Und gesundes Essen. Viel Wasser und viel Reis. Natürlich gibt's auf der Tour auch mal einen Ausflug nach McDonalds oder so, aber das zählt da zu den absoluten Höhepunkten und wird so richtig gefeiert“, erzählt Schweiger, „die Japaner bringen sogar ihren eigenen Reis mit und kochen den hier vor Ort.“ Die vielen hundert Kilo Reis werden während der Touren nicht im Supermarkt eingekauft. Tatsächlich bewirtschaften die Mitglieder von Kokubu daheim selbst ein eigenes Reisfeld. Das Ernten von Hand schafft für die Musiker eine spirituelle Verbindung mit der Natur.

Rund eineinhalb Meter lang ist die Shamisen, auf der Ehrengast Kokubus, Masamitsu Takasaki, japanische Volkslieder spielte.

Rund eineinhalb Meter lang ist die Shamisen, eine Art dreisaitige Laute, auf der Ehrengast Kokubus, Masamitsu Takasaki, im Kulturhaus japanische Volkslieder spielte. Den dynamischen Klang produzierte der Musiker dabei mit einem großen Plektrum. Mit Kouryu (Weg des Gedeihens) spielte die Truppe eines der ersten Stücke, die die Formation gemeinsam einstudiert hat. Die Pause war schließlich dringend notwendig, um das eigene Gehör wieder auf den üblichen Level zu bringen.

Trommelshow KOKUBU im Kulturhaus

Takeda No Komoriuta (Das Wiegenlied von Takeda) zeigte schließlich deutlich, dass eine bezaubernde Schlaflied-Melodie nicht zwingend mit einem positiv stimmenden Text einhergehen muss. Denn Takeda ist ein verarmtes verzweifeltes Mädchen in Lumpen, das sich zum Broterwerb um ein Kleinkind aus reichem Elternhaus kümmert und Heimweh hat.

Drei riesige O-Daiko-Trommeln bildeten das Herzstück der Show.

Drei riesige O-Daiko-Trommeln bildeten das Herzstück der Show, imposant aufgebaut und farbenprächtig beleuchtet. „Das sind Einzelanfertigungen nach den Wünschen von Kokubu. Da kostet so eine Trommel gut und gerne zwischen acht- und neuntausend Euro“, weiß Michael Schweiger. Die Trommeln sind durchweg mit Kuhhaut bespannt und halten locker eine Tour durch. Das Donnergrollen der O-Daiko-Trommeln hallte denn dann auch noch lange nach.

Mit dem Flug des Pegasus und einer Verneigung vor dem Wanderfalken (Hayabusa) trommelten die Musiker dem Ende der Show entgegen. Man sei im vergangenen Jahr zum ersten Mal auf eine wochenlange Tour durch Deutschland gegangen und mit offenen Armen empfangen worden, hieß es.

Dass auch die Kulturhausgäste restlos begeistert waren, zeigte der Schluss-Beifall. Nicht enden wollend und stehend. Für die Musiker Grund genug, eine nahezu halbstündige Zugabe aufzulegen. Fröhlich, lächelnd, energiegeladen – gerade so, als hätten sie eben erst angefangen.

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