„Jahrhundertreform“ des ärztlichen Notdienstes

Der ärztliche Notdienst wird ab dem 1. Februar neu organisiert.

LÜDENSCHEID ▪ Die Neuorganisation des ärztlichen Notdienstes ist abgeschlossen und wird ab dem 1. Februar umgesetzt. „Diese Reform war dringend erforderlich“, meint Frank Killing, Vorsitzender des Ärztenetzes MK Süd, in dem sich Ärzte aus Lüdenscheid, Altena, Plettenberg, Kierspe, Meinerzhagen und Schalksmühle zu einem Verein zusammengeschlossen haben.

„Gerade in kleineren Städten und Gemeinden war die zeitliche Belastung für die Kolleginnen und Kollegen sehr hoch und der Dienst auf dieser Basis kaum noch durchführbar. Ich denke, die jetzige Regelung ist ein guter Kompromiss, sowohl im Sinne der Patienten als auch der Ärzte.“ Killing weiß als Arzt in Altena aus eigener Erfahrung, wie angespannt die Situation ist, wenn sich wenige Ärzte den Notdienst aufteilen müssen. „Da können Sie nicht einfach ins Kino gehen, wenn‘s Ihnen gefällt und das Handy ausschalten. In kleineren Städten haben die Ärzte im Schnitt jede zweite Woche Notdienst.“

Dr. Martin Junker, Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe (KVWL), kann das nur unterstreichen: „An der Peripherie war der Notdienst nach der alten Struktur in manchen Bereichen nicht mehr zumutbar, zumal es dort sowieso schwierig ist, Ärzte für diese Regionen zu gewinnen. Wir steuern da in einen Mangel hinein. Allein 14 Praxen im Märkischen Kreis stehen vor der Übergabe, finden aber keine Nachfolger.“ Deshalb sei es unabdingbar gewesen, den Bezirk, der außer dem Märkischen Kreis auch Siegen und Olpe umfasst, in größeren Einheiten zusammenzufassen.

Ärztekammer und Kassenärztliche Vereinigung haben die Neuorganisation erarbeitet, in deren Mittelpunkt eine gerechtere Aufteilung der Notdienste steht, zu denen die Ärzte gesetzlich verpflichtet sind. 500 Ärzte sind es nach Angaben Dr. Junkers allein im Märkischen Kreis.

Kernpunkt ist eine professionalisierte Struktur des Notdienstes. Landesweit gibt es ab dem 1. Februar eine zentrale Notdienstnummer – 0180/50 44 100. Dort laufen alle Anrufe ein. Ein zentral koordinierter Fahrdienst der Johanniter unterstützt die Ärzte bei den notwendigen Hausbesuchen und fährt sie zum Einsatzort. Feste Notfall-Ambulanzen sind im Elisabeth-Krankenhaus in Iserlohn und im Lüdenscheider Klinikum etabliert.

„Die Neustrukturierung ist eine Jahrhundertreform. Anfangs könnte es durch die veränderte Logistik noch ein wenig knirschen im Getriebe, aber das wird sich einspielen“, ist Dr. Martin Junker überzeugt. Vor einigen Jahren sei diese Art der Organisation des Notdienstes in Schleswig-Holstein eingeführt worden. „Nach anfänglicher Skepsis liegt die Zustimmung bei über 90 Prozent.“

Ausgeglichenere Dienstbedingungen für alle Ärzte, eine vereinheitlichte Struktur für die Patienten und die festen Notfall-Ambulanzen in Iserlohn und Lüdenscheid – das sind die drei Bausteine, die zusammen eine bestmögliche Notfall-Versorgung gewährleisten sollen.

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