Zwischen Kunst- und Stadtgeschichte

Jahresabschlussführung pendelt zwischen Galerie und Geschichtsmuseum

+
Dr. Susanne Conzen (2. von links) verdeutlichte, wie Wieghardts Leben von den Umständen seiner Zeit geprägt wurde. 

Lüdenscheid – Im Rahmen der traditionellen Jahresendführung in den Museen der Stadt am Sauerfeld verknüpften am Sonntag der Leiter des Geschichtsmuseums Dr. Eckhard Trox und die Leiterin der Städtischen Galerie, Dr. Susanne Conzen, die beiden aktuellen Ausstellungen der Einrichtungen und brachten beide in einen gemeinsamen zeitlichen Kontext.

Immer wieder pendelten beide mit den rund 30 Besuchern der Führung zwischen den beiden Ausstellungen – „Friedliches Lüdenscheid? Aspekte regionaler Industrie“ im Geschichtsmuseum und „Paul Wieghardt – Coming and Going“ in der Galerie. Dadurch zeigten sie auf, was jeweils in Lüdenscheid auf dem industriellen Sektor im Rüstungsbereich geschah, während Paul Wieghardt zunächst in seinem Geburtsort Lüdenscheid, dann in Köln, Paris und schließlich in den USA seine künstlerische Karriere durchlebte. 

Die Führung begann im Geschichtsmuseum, wo Trox unter anderem vermittelte, was in Wieghardts Geburtsjahr 1897 passierte. Dies war das Jahr, in welchem der Prototyp des Luftschiffes LZ1 des Grafen Zeppelin konstruiert wurde, von dem bestimmte Teile aus Lüdenscheid stammten. „Ursprünglich wollten die Konstrukteure mit diesem Luftschiff eine Kriegswaffe produzieren“, erklärte dazu der Museumsleiter. „Wichtig für diese Entwicklung war das Leichtmetall Aluminium, das in Lüdenscheid unter anderem von der Firma Carl Berg produziert wurde.“

Susanne Conzen wies im Anschluss darauf hin, dass das Gebäude, in dem die Städtische Galerie heute ihre Räume hat, in Wieghardts Geburtsjahr 1897 erbaut wurde. Sie zeichnete Wieghardts Weg nach, beginnend bei seinem Studium in Köln, wo er sich überwiegend auf die figürliche Malerei konzentrierte. Zudem kehrte er immer wieder in seine Heimatstadt zurück, um vor allem deren industrielle Entwicklung im Bild festzuhalten. Es ging weiter über seine Zeit in Paris, wo er seine Lebensgefährtin Nelli Bar kennenlernte, bis zu seiner Flucht vor den Nazis – seine Frau war Jüdin – über die Sowjetunion, Japan und Panama in die USA, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1969 lebte.

Trox berichtete unter anderem über die Beteiligung Lüdenscheider Firmen am Bau diverser Raketen, darunter die V2, mit der 1944 unter anderem die belgische Metropole Antwerpen kurz vor Kriegsende in Schutt und Asche gelegt worden war. Mehr als 10 000 dieser Raketen sollen auf die Stadt abgefeuert worden sein – ein Foto des verheerenden Ausmaßes der Vernichtung ist in der Ausstellung im Geschichtsmuseum zu sehen. Ferner beleuchtete Trox die Rolle des Managers und Wirtschaftsfunktionärs Hellmuth Röhnert, der Vorstandsvorsitzender der Lüdenscheider Firma Busch-Jäger war, beim Flugzeugbau für die nationalsozialistische Kriegsmaschinerie.

Die letzte Lebensphase des Malers Paul Wieghardt, der als Schüler von Paul Klee in den USA nicht nur als Maler, sondern auch als Dozent und Lehrer ein hohes Ansehen genoss, thematisierte Susanne Conzen in der Galerie.

Trox warf abschließend ein Schlaglicht auf die Mondlandung im Jahr 1969 im Todesjahr von Paul Wieghardt. Der, so die beiden Leiter der Führung, wird die Mondlandung am 21. Juli 1969 wohl noch verfolgt haben, denn er starb erst am 9. Dezember 1969 in Wilmette bei Chicago. Im Anschluss an die Führung verabschiedeten alle Teilnehmer das alte Jahr mit einem Umtrunk, präsentiert von den Kunstfreunden Lüdenscheid.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare