100 Jahre Tierschutzverein: Von dunkler Nerzfarm zum geräumigen Tierheim

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Anna-Lena Pieper leitet das Tierheim Dornbusch, das der Tierschutzverein Lüdenscheid und Umgebung betreibt. Nicht nur im Katzenhaus gibt es für das Dornbusch-Team viel zu tun.

LÜDENSCHEID -   1910 entschied eine Gruppe Lüdenscheider, sich für den Tierschutz einzusetzen, und einen Verein zu gründen. Drei Jahre lang arbeiteten sie mit dem Hundesportverein Lüdenscheid zusammen, bis sie schließlich feststellten, dass ihre Ansichten vom Umgang mit Tieren auseinandergingen.

1930 löste sich die Gruppe vom Hundesportverein und gründete den Tierschutzverein Lüdenscheid und Umgebung. Damals standen hauptsächlich Nutztiere im Mittelpunkt der Arbeit, berichtet Manfred Hardy, der seit 1999 Vorsitzender des Vereins ist. Bis vor 55 Jahren habe es nur private Pflegestellen für Fundtiere gegeben. Doch dann habe eine Nerzfarm in Heedfeld die Züchtung eingestellt und dem Tierschutzverein Land und Gebäude zur Pacht überlassen. Das Tierheim Dornbusch sei entstanden. Endlich sei Platz vorhanden gewesen, um mehr Tiere unterzubringen. 1991 sei das Heim schließlich ins Eigentum des Vereins übergegangen. Eine festangestellte Kraft und viele ehrenamtliche Helfer sorgten für die Verpflegung der Tiere.

Mit den Jahren gingen auf dem Gelände viele Veränderungen vor sich. Hatten die Nerze ihr Dasein noch in Dunkelheit fristen müssen, sorgte der Einbau mehrere Fenster für Helligkeit im Gebäude, sodass sich die dort untergebrachten Tiere wohl fühlen konnten. Auch der Hof bedurfte einer dringenden Verbesserung. „Er war nur mit Stiefeln begehbar“, erzählt Hardy. 1999 sei er dann gepflastert worden. Die Kosten in Höhe von 50 000 D-Mark hatte eine krebskranke Frau übernommen, die wusste, dass sie sterben würde.

Im Jahre 2007 pachtete der Tierschutzverein das Land um das Heim herum und so wurden die 3500 Quadratmeter Wiese zu Hundeausläufen. Mit einem Kredit der Sparkasse über 200 000 Euro konnte 2003 ein Katzenhaus gebaut werden. 2012 folgten ein neues Dach und eine Gasheizung für das Hundehaus, das im Gebäude der ehemaligen Nerzfarm seinen Platz gefunden hat.

Die Zahl der Festangestellten sei kontinuierlich angestiegen. Heute besteht das Team unter der Leitung von Anna-Lena Pieper aus vier Angestellten. Darüber hinaus helfen zahlreiche Ehrenamtliche bei der täglichen Arbeit.

Auch die Zahl der Vereinsmitglieder sei angestiegen. Im Jahre 1999 seien es 300 gewesen, heute liege die Zahl bei rund 400 Mitgliedern.

Im Laufe der Jahre wurden die Vereinsmitglieder und Tierheimmitarbeiter immer wieder Zeugen schwerer Tierschicksale. So kam vor zwei Jahren ein 100 Kilogramm schwerer Hund ins Tierheim. „Eigentlich hätte er nur zwischen 30 und 35 Kilogramm wiegen dürfen“, erklärt Manfred Hardy. Der Hund habe bei einer älteren Frau gelebt, die ihn zu sehr verwöhnt hatte. Der Tierarzt habe bei der Einlieferung des Tieres nicht einmal mehr das Herz abhören können, so dick sei die Fettschicht gewesen. Alle Bemühungen der Tierschützer seien jedoch vergebens gewesen, eine Woche nach seiner Ankunft im Tierheim, sei der Vierbeiner verstorben.

Tragisch sei auch ein Vorfall gewesen, bei dem Hühner auf dem Weg zum Schlachter auf einer Autobahnraststätte in Richtung Frankfurt vom Transporter geflohen waren. Als die Tierschützer es zu Gesicht bekam, hatte sich das Federvieh schwere Verbrennungen von der Sonne zugezogen. Weil sie im Tierheim nicht untergebracht werden konnten, wurden die Tiere auf einen Hühnerhof geschafft, auf dem sie sich erholen konnten.

Immer wieder stießen die Vereinsmitglieder auf misshandelte Tiere. So auch 2008, als eine völlig verfilzte Perserkatze mit offenen Wunden aufgefunden wurde. Sie hatte Glück – konnte nach einiger Zeit vermittelt werden.

Ein wachsendes Problem seien auch Tierhorter und Menschen, die in Messiwohnungen (vermüllte Wohnungen) leben. Seit 1999 habe es mindestens zehn Fälle gegeben, in denen die Tierschützer Hunde, Katzen und Nager aus völlig verdreckten Wohnungen holen mussten. Ein besonders schlimmer Fall von Tierhortung ereignete sich vor etwa drei Jahren. Damals befreiten die Tierschützer insgesamt 123 Katzen, Mäuse, Ratten, Hamster und Meerschweinchen aus einer 45 Quadratmeter großen Wohnung.

Um die finanziellen Mittel für die Vereinsarbeit zusammenzubekommen, veranstaltet der Tierschutzverein unter anderem immer wieder Trödelmärkte. Dabei stellen Vereinsmitglieder Verkaufswaren zur Verfügung. Das Geld kommt dann vollständig den Tieren zugute.

In diesem Jahr begeht der Tierschutzverein Lüdenscheid und Umgebung sein 100-jähriges Bestehen. Eine große Feier werde es aber nicht geben. „Wir wollen das Geld nicht dafür, sondern für die Tiere ausgeben“, sagt Vorsitzender Manfred Hardy. Deshalb soll es am 1. September lediglich einen erweiterten Tag der offenen Tür für alle Interessierten im Tierheim Dornbusch geben. - jape

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