125 Jahre Strodel & Jäger: Modehaus im Wandel der Zeit

+
Das Team von Strodel & Jäger im Jahr des Stadtjubiläums 2018.

Lüdenscheid - Vor 125 Jahren begann eine Händlertradition in Lüdenscheid, die Inhaber Björn Jäger mit kreativen Ideen und Engagement fürs Geschäft und den Standort jung hält: Das Modehaus Strodel & Jäger feiert im September Jubiläum.  

Unbeschwerte Geburtstagsstimmung mag nicht aufkommen angesichts dessen, was die Innenstadt in den nächsten Jahren zu stemmen hat: Die Großbaustelle Wilhelmstraße und Altstadt, Lasten wie die P & C-Ruine, das Geister-Forum und nicht zuletzt der Tunnel, der immer mehr auswärtige Kunden offenbar davon abhält, zum Shoppen in die Innenstadt zu fahren, dazu der zunehmende Internethandel – es ist eine Herausforderung für alteingesessene Händler, sich zu behaupten.

 „Als ich gestartet bin, musste ich einen Zehn-Jahres-Plan abgeben; heute bin ich froh, wenn ich ein Jahr vorplanen kann“, sagt Björn Jäger (43). Angesichts von 125 Jahren Handelshistorie erfordert das Flexibilität, ein Gespür für schnell wechselnde Trends und die Veränderungen am Standort. Mehr noch: Kreativität und Optimismus.

 „Man muss mal die Baustelle ausblenden und sehen: ‘Wo soll die Innenstadt hin?’ “ Mehr Parkraum wünscht er sich und ein Hotel mit reizvoller Gastronomie. Und natürlich so etwas wie eine Zip-line, eine „bekloppte Idee“, sicherlich, aber trotzdem, wie er glaubt, ein Gedanke in die richtige Richtung.

Im September nun feiert Strodel & Jäger 125 Jahre: Die Jubiläums-Zeitrechnung kennt unterschiedliche Daten. Aber wenn es darum geht, runde Geburtstage zu feiern, darf ruhig das älteste gelten. Was 1894 als J.B. Strodel. Woll-, Weiß- und Kurzwarengeschäft begann und 1897 an der Wilhelmstraße ansiedelte, hat bis heute überdauert. 

1936 kam, mit dem Einstieg von Heinrich Jäger, der Doppelname. Damals wurde aus dem Kurzwarenladen ein Fachgeschäft, das den Lüdenscheider Herrn für alle Gelegenheiten ausstattete, „von Trachten bis zum Sonntagsanzug der Wirtschaftwundergeneration“, wie’s im Firmenporträt nicht ohne Stolz hieß. 

1972, nach dem Tod des Großvaters, stiegen dessen Söhne Rolf und Heinrich Jäger jun. ein; Rolf schied 1996 aus. Mit der Mode und mit der Zeit zu gehen, war immer Antrieb. Schon für Heinrich Jäger ließ sich das Engagement fürs Geschäft nie vom Umfeld trennen.

 So stand er jahrelang an der Spitze der Wirtschaftsförderung Kreisstadt Lüdenscheid (WKL), machte sich für die Modernisierung und Pflege der Fußgängerzone stark, war Sprachrohr des Einzelhandels in schwieriger werdenden Zeiten.

 Der Sohn kam, nach einschlägiger Ausbildung in internationalen Textilunternehmen, 2010 ins Unternehmen. Als der Senior kurz darauf unerwartet mit 64 Jahren starb, war es an Björn Jäger und seiner Mutter Christine, nach vorne zu schauen. Damenmode kam dazu. Man öffnete sich jüngeren Marken, experimentiert mit frischen Designern, ist stets auf der Suche nach dem, was es eben nicht an jeder Ecke gibt. So will man Gründe schaffen, damit auch Auswärtige öfter mal nach Lüdenscheid kommen.

 Zugleich sei die virtuelle Sichtbarkeit wichtig, betont er. Auch wenn man der Allgegenwart des Netzes kaum etwas entgegensetzen kann. Und auch nicht will. Modemut und Klassiker schließen sich nicht aus. Für Björn Jäger ist die Verjüngung des Kundenkreises wichtig, der wieder mehr auf Berufstätige ausgerichtet ist.

 Auch für ihn lässt sich der Einsatz für das Geschäft nicht vom Einsatz für den Standort trennen. Heute beschäftigt er 15 Mitarbeiter an zwei Standorten (auch in Verl).

 Er ist Visionär, feilt an der Zipline-Idee, verknüpft die WKL mit dem Altstadtumbau. Und weil sein Herz fürs Sauerland schlägt, zeigt er durch lokale Werbekampagnen, wie man sich nicht nur modisch aus dem Einheitsbrei heraushebt: indem er Lüdenscheider Charakterköpfe das Sauerland-Lied modisch interpretieren und sie zwischen Heuhaufen und Kühen modeln ließ. Einfach nur Händler zu sein, war gestern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare