75 Jahre Möbel Henne: In der Küche zu Hause

Familie Henne und ihre beiden Mitarbeiter stoßen auf ein erfolgreiches Jubiläumsjahr an.

LÜDENSCHEID ▪ Das rote Feuerwehrauto auf dem Werbeplakat lässt heute noch Kinderherzen höher schlagen. Schon vor 40 Jahren haben sich die Jungs die Nasen plattgedrückt am Schaufenster von Möbel Henne an der Lessing-/Ecke Knapper Straße, immer in der Hoffnung, tatsächlich einen Blick auf ein solches Kinderbett zu erhaschen, das auch im Wachzustand Träume von Helden und Abenteuern erlaubte.

„Jeder hat gedacht, ich hätte so eines“, schmunzelt Christian Henne. „Aber ich hatte das auch nicht.“ Seit 1994 ist der 46-Jährige mit Ehefrau Anja (44) verantwortlich für die Ausrichtung des Möbelhauses Henne, das seit Ende der 70er Jahre im Olpendahl 66 zu finden ist. 2010 feiert das Familienunternehmen – inzwischen auf Küchen spezialisiert – 75. Geburtstag.

Heute lebt der Chef tatsächlich in seinen Wunschmöbeln. Daher ist es nicht ungewöhnlich, dass er mit Kunden in der eigenen Küche in der Grebbecke Verkaufsgespräche führt. Dann preist der Einrichtungsfachmann die Vorzüge orangefarbener Glasarbeitsplatten, zeigt die grifflosen Fronten und das Farbzusammenspiel von hochglänzendem, klassischen Weiß mit sepiabraunen, seidenmatten Akzenten. „Fünf oder sechs Mal habe ich die Küche bestimmt schon verkauft“, sagt Christian Henne.

Damit ist klar, wohin der Trend geht: Die Kunden wollen eine Küche in Gebrauch sehen. Sie wollen wissen, wie eine „bewohnte“ Küche wirkt, wie sie sich im Alltag bewährt, wie individuelle Lösungen auf engem Raum aussehen können, und ob die Einbaugeräte halten, was der Hersteller verspricht. Denn Schauküchen in Hochglanzprospekten, die locker den Raum einer Kleinwohnung füllen könnten, passen nicht in die übliche 12 bis 16-Quadratmeter-Wohnküche eines Vier-Personen-Haushalts.

Die Statistik weiß noch mehr über das Wohnen der Deutschen, zum Beispiel, dass sie alle 15 bis 17 Jahre eine neue Küche kaufen. Manchmal aber auch öfter, weiß Anja Henne. Eine Lebensabschnittsfrage, glaubt sie, die im Laufe der Jahre so manche Stammkunden durch Lebensphasen begleitet hat. Zusammenziehen, Ehe, Kinder zum Studium weg, Scheidung. Vom großen, zentralen Tisch zur lässigen Küchentheke, wieder zurück zum kleineren Sitzplatz – die Bedürfnisse wandeln sich. Sie passen sich, mit Hilfe des Fachmanns, auch dem Alter an, vom Kühlschrankvolumen bis zur Arbeitsfläche.

Seit drei Jahren hat sich Familie Henne mit einem Küchenstudio spezialisiert. „Das haben wir auch richtig gemacht“, findet Christian Henne im Rückblick: „Wir wollten den Kunden zeigen, was wir am besten können.“ Mittlerweile ist Tochter Jenny (24) in den Betrieb eingestiegen. Sie hat ihre Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau, Fachrichtung Küche, absolviert, und ist damit in vierter Generation vom Fach.

Urgroßvater und Firmengründer Franz Henne kam 1924 aus Lippstadt auf der Suche nach Arbeit in die Bergstadt und fand sie in der Lüdenscheider Möbelfabrik, Worthstraße. 1935 verwirklichte der Tischlermeister seinen Traum von der Selbstständigkeit und eröffnete an der Gartenstraße sein Möbelfachgeschäft. Bereits ein Jahr später vergrößerte er sich mit einem Ladenlokal an der Lessing-/ Ecke Knapper Straße. Räume für Lager und Werkstatt lagen nahebei, die Wohnräume überm Geschäft. Für Sohn Heribert und Enkel Christian war die solide Tischlerlehre, verbunden mit kaufmännischer Ausbildung, noch Voraussetzung für den Einstieg ins Geschäft. Darüber ist Christian Henne froh. Solche Kenntnisse schärfen den Blick fürs Machbare.

Heribert Henne übernahm den Betrieb 1964. Das Sortiment des kleinen Möbelhauses war umfassend, aber schon damals erzielte man die Hälfte des Umsatzes mit Küchen. In den 70er Jahren kaufte die Familie das Gebäude einer ehemaligen Schraubenfabrik an der Heerwiese. Ein halbes Jahr dauerte der Umbau, an dessen Ende ab Mitte 1978 auf rund 2500 Quadratmeter alles unter einem Dach zusammengefasst werden konnte. „Für damals war das schon ein Riesenhaus“, erinnert sich Henne: „Da war es noch nicht so, dass man einen Kindergarten in ein Möbelhaus bauen musste.“ Mit heutigen Möbelhauspalästen, die auf 100 000 Quadratmetern zum Riesenkaufhaus wuchern, kann er nichts anfangen, ebenso wenig mit Internetangeboten. Da geht’s ihm wie seinen Kunden, denen die 35, 36 Beispielküchen, die in der Ausstellung begangen und befühlt werden können, offensichtlich genügen. „Die Kunden haben auch Sorge, dass eine Internet-Küche vorne und hinten nicht passt.“

Was alles möglich ist, wenn’s passt, soll der Kunde künftig schon vor Ort ausprobieren können, schwebt den Hennes vor. Gruppen könnten dann eine entsprechend ausgestattete Küche im Untergeschoss für eine Küchenparty anmieten, auf Wunsch mit Extras wie gefülltem Kühlschrank, Koch oder Putzkolonne. Auf diese Weise würden Schaustücke mit Leben gefüllt und das Haus im Olpendahl mit Back- und Bratenduft, der genau dorthin lockt, wo es sowieso am schönsten ist: in die Küche.

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