50 Jahre Lebenshilfe: Festakt im Kulturhaus

Inklusion – alle mit einbeziehen: Dieser Grundgedanke der Lebenshilfe fand im Trommel-Event für alle seinen Ausdruck.

LÜDENSCHEID ▪ Die Herzen schlagen in einem Rhythmus, für eine Sache – und das seit 50 Jahren, seit dem 12. Oktober 1961. Damals gründete Elvira Crummenerl die Lebenshilfe, eine Selbsthilfegruppe für Angehörige geistig Behinderter in Lüdenscheid. Beim Festakt im Kulturhaus verneigte sich der aktuelle Vorsitzende Friedrich Linden im Namen des Vereins vor der alten Dame – „vor der Lebensleistung dieser großartigen, mutigen Frau“.

Den Herzschlag des Vereins trommelten die Musiker des renommierten „Drum Café Deutschland“ im Laufe der Festveranstaltung mit Hilfe unzähliger gelehriger Gast-Trommler im Publikum – die plötzlich Inklusion einmal andersherum erlebten – durch den großen Kulturhaussaal, durchs Haus und in die Stadt. Die habe sich der Lebenshilfe von Anfang an verbunden gefühlt, betonte Bürgermeister Dieter Dzewas als einer der Festredner unter vielen Ehrengästen, darunter Petra Crone (SPD-MdB). Auch er würdigte die „Tabubrecherin“ Elvira Crummenerl, deren Initiative vieles auf den Weg gebracht habe, „was Familien ermutigt, mit Menschen mit Behinderung zu leben“.

Landrat Thomas Gemke hob „50 Jahre Partnerschaft von Mensch zu Mensch“ und den unermüdlichen Einsatz von 180 Mitgliedern der Lebenshilfe hervor: „Sie leisten unglaublich viel.“ Auch Wolfgang Schäfer, Landesvorsitzender der Lebenshilfe, lobte die „ungeheure Integrationsleistung“ des Vereins. Zugleich nutzte er aber die Gelegenheit, vor Illusionen bezüglich der zu recht geforderten Inklusion zu warnen: In 25 Jahren, so wünschte er sich, sollten die, die das könnten, mitten in der Stadt wohnen, leben, arbeiten. „Aber die, die das nicht können, um die müssen wir uns weiter kümmern.“

Für den klassischen Auftakt des Abends, der nach Festakt und Büfett mit einer gemeinsamen Tanzveranstaltung endete, sorgte das Musiktrio der Musikschule Lüdenscheid. Den historischen Rückblick verfolgten die Zuschauer – geladene Gäste, Mitarbeiter, Familien und ihre Angehörigen mit und ohne Behinderung, Freunde und Förderer – im Bild auf großer Leinwand, moderiert von Lebenshilfe-„Botschafter“ Mirko Heinze und musikalisch immer wieder untermalt von der Band „Höhenflug“. Sie erlebten mit, wie der Verein vor 50 Jahren im Haus Wiedenhof gegründet und die 48. Orts- beziehungsweise Kreisvereinigung in Deutschland wurde. Gründungsvorsitzende Elvira Crummenerl (bis 1963), hatte selbst einen behinderten Sohn und leistete in einem „fast feindseligen Umfeld“, wie es im Zeitzeugenbericht der Festschrift heißt, Grundlagenarbeit: „Wir holten die Kinder aus der Versenkung.“ Weitere Vorsitzende waren Elli Halbe (bis 1965), Manfred Silz (bis 1991), Magdalene Othlinghaus (bis 1999), Ansgar Röhrbein (bis 2002) sowie, seitdem, Friedrich W. Linden. Einige Stationen erfolgreicher Arbeit sind die Eröffnung der Tagesstätte Lessingstraße (1962), Erwerb, Umbau und Bezug des Gutshofes Wigginghausen (1979 bis 1984), Erwerb des Altenheims Hotopstraße (erste Wohngruppe 1988), Eröffnung der Frühförderstelle Kierspe (1991, Plettenberg folgte 1997), die Einrichtung verschiedener Wohneinheiten (2000 / 2001) sowie die Eröffnung des erweiterten und umgebauten Lebenshilfe Centers an der Wehberger Straße im Jubiläumsjahr.

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