17 Jahre lang schnitt sie Patienten die Haare, doch nun ist Schluss - ohne Nachfolge

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17 Jahre lang war sie Inhaberin des Friseursalons im Foyer des Klinikums Lüdenscheid. Ohne ihre Stammkunden hätte sie das Geschäft nicht halten können.

Lüdenscheid – Einige kamen in den Salon, um sich eine Glatze für die Chemo-Therapie rasieren zu lassen, manche Kunden hatten einen Tropf am Arm, als sie zum Haareschneiden bei ihr waren: 17 Jahre lang führte Brigitte Trübenbach den Friseursalon im Foyer des Klinikums Lüdenscheid.

Vieles dort ging ihr unter die Haut, sagt sie, „man wird mit Krankheiten konfrontiert, das muss man aushalten können“. Das hat sie – doch kurz vor Weihnachten war Schluss: Die 67-jährige Lüdenscheiderin verabschiedete sich in den Ruhestand. Eine Nachfolge wird es für den Friseursalon nicht geben. Denn das Geschäft lässt sich im Klinikum heutzutage kaum aufrechterhalten. 

„Ohne meine Stammkunden wäre das auch für mich über die Jahre nicht möglich gewesen“, sagt Trübenbach. Denn genug Patienten oder gar Krankenhauspersonal kämen schon lange nicht mehr als Kunden in den Laden: „Früher kamen mehr Patienten zu mir, doch wegen der kurzen Liegezeiten heutzutage in den Krankenhäusern ist das kaum noch der Fall“, sagt die Friseur-Meisterin. 

Erster und einziger Friseursalon

Bereits 1989 war sie in dem Salon im Klinikum als Angestellte tätig. Zuvor hatte sie ihre Ausbildung in Menden absolviert. 1996 wechselte Brigitte Trübenbach ihre Arbeitsstelle, war sechs Jahre lang weg und machte ihre Meisterprüfung. „Mir wurde der Salon immer wieder angeboten“, vor 17 Jahren sagte sie schließlich zu. 

Es war ihr erster und einziger eigener Friseursalon. „Das ist ein schöner Beruf, vor allem die Kommunikation mit den Menschen.“ Dass sie aufhören musste, habe sie traurig gemacht – aber aus gesundheitlichen Gründen habe sie die Rente nicht weiter aufschieben können. 

"Konnte mich nicht mehr verabschieden"

Der Abschied war daher etwas abrupt, sagt Trübenbach: „Von vielen meiner Stammkunden konnte ich mich nicht mehr verabschieden. Für ihre langjährige Treue möchte ich mich bedanken.“ Einige von ihnen besuchten sie 40 Jahre lang. „Sie sind mir seit meiner Anfangszeit als Friseurin gefolgt.“ 

Die meisten Stammkunden gewann Trübenbach, als sie Patienten im Klinikum waren. „Sie fühlten sich bei mir gut aufgehoben und nahmen auch nach der Entlassung zum Teil weite Wege in Kauf, um zu mir zu kommen – aus Olpe, Meinerzhagen oder Herscheid.“ Doch neue Kunden kämen kaum hinzu. 

"Ein Krankenhaus, das lockt kaum Kunden an"

Die Patienten bräuchten während des kurzen Aufenthalts selten einen Friseur. Und „einfach so“ komme in der Regel keiner vorbei. „Ein Krankenhaus, das mögen nicht viele, das lockt kaum Kunden an.“ 

Um über die Runden zu kommen, seien etwa sieben Kunden am Tag nötig. Ohne ihren Stammkundenstamm wäre das am Standort im Krankenhaus kaum möglich, ist Trübenbach sicher. „Ein Nachfolger hätte es wohl schwer.“

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