Von der Limonadenfabrik zum Weinkontor

125 Jahre Getränketradition der Familie Eichelhardt

Thomas und Jutta Beger laden für Samstag, 11 bis 19 Uhr, zur Jubiläums-Weinmesse in „Das Haus des guten Geschmacks“ an der Südstraße ein. Am Freitag vor 125 Jahren gründete Carl Eichelhardt den Familienbetrieb, der inzwischen in vierter Generation besteht.

Lüdenscheid - Wein und Alter – das ist eine Paarung, die passt. Doch ein Jahrgangswein von 1891 muss dann doch nicht her, um 125 Jahre Eichelhardt heute angemessen zu feiern. Dafür gibt’s genug junge, frische Weine, die Genuss und Geschmackserlebnis versprechen, wissen die Inhaber Jutta und Thomas Beger (beide 59). Die Kunden des renommierten Weinhandels an der Südstraße können sich davon am Samstag, am Tag nach dem eigentlichen Geburtstag, ein genaueres Bild machen. Denn bei einer Jubiläums-Weinmesse stellen Winzer vor Ort mehr als 300 Weine zum kostenlosen Probeschluck bereit.

„Wir wollen mit unseren Kunden feiern“, sagen die beiden Weinkontor-Betreiber, die seit 1984 die Geschicke des Familienbetriebes lenken und ihm ihren eigenen Stempel aufgedrückt haben. Denn die Kunden hätten es schließlich erst möglich gemacht, dass man als Fachgeschäft dieses stolze Jubiläum feiern könne. „Das ist in der heutigen Zeit schon schön“, betont Jutta Beger.

Begonnen hat alles am 18. März 1891, als Carl Eichelhardt an der Kölner Straße 26 eine Selterwasser- und Limonadenfabrik gründete. Drei Generationen und grundlegende Veränderungen später ist daraus das „Haus des guten Geschmacks“ an der Südstraße 70 geworden. Hier warten neben Weinen noch feine Destillate, zunehmend auch Whiskys sowie ausgesuchte Delikatessen auf Kunden, die neben der Auswahl auch die Beratung schätzten, so Thomas Beger.

Das sei mit ein Grund, warum in den vergangenen fünf Jahren der Entschluss gereift sei, auf einen eigenen Internetshop zu verzichten. Eine Internetpräsenz ja, die sei wichtig, aber für den Verkauf sei die Beratung wichtiger. „Das Persönliche zählt“, weiß er, „wie bei den Winzern auch. Das ist bei unseren Kunden unheimlich gut angekommen.“ Gemeinsam mit den sechs Mitarbeitern sieht man sich als Mittler zwischen Kunden und Erzeugern, eine Aufgabe, die mit Spaß und Kompetenz erfüllt werde – „und das merkt der Kunde auch“.

In den frühen Jahren des Firmenbestehens hat der Kunde bei Eichelhardt vor allem das erste natürliche Mineralwasser aus Gerolstein erstanden. Angeliefert wurde es noch in Stroh ummantelten Tonflaschen, weiß die Firmenchronik. Um die Jahrhundertwende folgten die ersten Trinkhallen, die – letztlich sieben an der Zahl – die Basis für den Verkauf von Likören, Spirituosen und Weinen wurden. 1923 übernahm Tochter Elfriede Becker geb. Eichelhardt den Betrieb und traf eine folgenschwere Geschäftsentscheidung: Sie nahm als erster Konzessionär im hiesigen Raum ein recht unbekanntes Getränk namens „Coca Cola“ ins Sortiment auf und belieferte damit Lebensmittelgeschäfte und Gaststätten.

Die nächsten Trends erkannte ihr Sohn Carl-Heinz, der nach der Währungsreform in die Firma eintrat und zunehmend auf Pils statt Exportbier setzte. Als Großhändler etablierte er, so berichtet die Firmenchronik, die Marke „Iserlohner Pilsener“ in der örtlichen Gastronomie. Auch Lüdenscheids erster Getränke-Abholmarkt entstand 1968 unter seiner Regie am heutigen Standort, gegenüber dem Nattenberg-Bad. Mit dem ererbten Gespür für Trends, einem modernen Neubau und neuer Ausrichtung machten Tochter und Schwiegersohn das alteingesessene Unternehmen zukunftsfit. Ob die fünfte Generation „Wein“ geleckt hat und einsteigt, wird sich zeigen: „Die ist in ihrer Entscheidung frei.“ Noch macht’s den Eltern schließlich auch richtig Spaß.

Am Freitag nutzt man die Mittagsstunde, um mit der Familie in Manfred Salzmanns „Vif“ nebenan etwas zu feiern – mit einem alkoholfreien Secco und vielleicht einem schönen Winzersekt. „Aber eigentlich haben wir gar keine Zeit“, seufzt Jutta Beger. Wir müssen noch alles umräumen für Samstag.“ Dass Seniorchef Carl-Heinz Becker mit über 90 das besondere Jubiläum noch vor Ort mitfeiert, freut die Familie besonders: „Die Firma ist sein Leben.“ Das dürfte einen eigenen Trinkspruch wert sein.

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