100 Jahre Druckerei Seltmann in Lüdenscheid

Arno Seltmann, der im Mai 40 wird, übernimmt die Geschäftsführung der Druckerei von seinem Vater Frank (65).

LÜDENSCHEID ▪ „...zu Hause in aller Welt, fest verwurzelt im Sauerland“ – der Leitspruch gilt nach wie vor, aber klar ist auch: „Eine überregionale Ausweitung war zwingend notwendig fürs Überleben“, sagt Frank Seltmann. Deshalb hat man ein Standbein in Berlin.

Mit einem neuen Firmenauftritt, konzipiert von Professor Thomas Rempen, setzt man zudem auf die internationale Karte. Seltmann – das sind acht Buchstaben. Damit spielt das umfangreiche neue Firmenkonzept. Mit der der englischen Sprache und gezieltem Einsatz von Farbe „entwickeln sich daraus 1000 Sachen“, freut sich die Druckerfamilie über das komplett geänderte Erscheinungsbild.

Seit vier Jahren gehören die Lüdenscheider nach eigenen Angaben zu den fünf ernstzunehmenden Fotoverlagen auf dem Markt. Man geht auf Messen, tritt als Sponsor auf (Werbefotopreis Geschossen & Gedruckt), liefert hochwertige Industriedrucksachen. Wenn vom 3. bis 16. Mai die Drupa Druckfachleute der Welt nach Düsseldorf lockt, dann ist die Einladung dafür am Wefelshohl gedruckt worden.

Erfolge tun gut in schwierigen Zeiten. Das grafische Gewerbe sei auf dem Krisenlevel von 2009, analysiert Frank Seltmann. Und es schrumpft: In sieben Jahren seien fast 40 Prozent der Druckereibetriebe vom Markt verschwunden.

Umso wichtiger ist ein funktionierendes Team. Das ist in den letzten vier Jahren leicht geschrumpft, aber es gab auch Neueinstellungen mit Augenmerk auf Qualität. „Uns allen macht’s Spaß“, kann er mit Fug und Recht behaupten. „Es ist eine Arbeit, die immer mit Menschen zu tun hat, mit speziellen Wünschen und Projekten. Aber auch mit knochenharten Einkäufern.“ Da kann man nur mit Fachkompetenz punkten und mit einem Maschinenpark auf der Höhe der Zeit. Was sich aus Steindruck und beweglichen Lettern in den letzten Jahrzehnten, zum Teil in den letzten Jahren entwickelt hat, das nötigt auch dem Fachmann Respekt ab. Seit etwa fünf Jahren, so Seltmann, gebe es digitale Druckmaschinen, mit denen man Kunst und Fotografie in kleinen Auflagen drucken könne, was im Offset-Druckverfahren zu teuer sei.

Das alles hat sich Großvater Arno nicht träumen lassen, als er einst im erzgebirgischen Aue zur Wanderschaft aufbrach und vor 100 Jahren beschloss, sich in Lüdenscheid selbstständig zu machen. Warum ausgerechnet hier, darüber rätselt die Familie bis heute, denn seine Frau Martha ließ er aus Sachsen nachkommen. Auch Arnos Vater Karl Hermann, 1852 geboren, war bereits Steindruckereibesitzer in Schwarzenberg, im damals rund um Dresden blühenden Zentrum der Druckkunst.

1946 sitzt Seltmann an der Friedrichstraße, die Söhne Gerhard und Werner steigen mit ein, im Jahr darauf auch Hartwig. 1950 zieht der Betrieb zur Altenaer Straße um; der Seniorchef stirbt 1958. 1971 baut die Firma Gebr. Seltmann an der Wefelshohler Straße neu und stellt 1986 mit dem Verkauf an Frank die Weichen für die Zukunft. Wieder zehn Jahre später wird aufgestockt, die Branche boomt. Seit 2003 ist mit Arno Seltmann jun. die nächste Generation am Ruder, ab dem 1. April, am Tag nach dem 65. Geburtstag seines Vaters, als alleiniger Geschäftsführer. Er hat an der Bergischen Universität Wuppertal Drucktechnik studiert, ist die treibende Kraft hinter dem Projekt „eigener Verlag“. Denn man druckt nicht nur Bücher für bekannte Editionen. Eine heimat- und regionalkundliche Reihe, Kunstkataloge und Fotobände sowie wissenschaftliche Publikationen überwiegend für die Skandinavistik tragen das S mit dem Plus für „Seltmann + Söhne“.

http://www.seltmann.de

http://www.kunstdrucker.de

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