40 Jahre Dahlmann-Wirtin: Interview mit Christiana "Nanni" Lange

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Kein richtiger Kneipenabend ohne Nannis Frikadellen: Die Wirtin setzt auf Küchenklassiker – weil’s die Gäste so wollen. Am 8. Januar feierte sie Berufsjubiläum: 40 Jahre Dahlmann.

Lüdenscheid – „Dahlmann feiert 40 Jahre Nanni“ – eine Kneipe feiert ihre Wirtin. Auf den Tag genau seit vier Jahrzehnten steht Christiana „Nanni“ Lange am 8. Januar hinterm Tresen und in der Küche der Traditionskneipe an der Grabenstraße. In diesem Jahr wird sie 68 Jahre alt – der Rückzug ist angekündigt. Zeit für ein kurzes Gespräch mit LN-Redakteurin Susanne Kornau zwischen Frikadellen braten und Fetenstimmung:

Wer nichts wird, wird Wirt – was halten Sie von dem Spruch?

Man muss schon viel können als Wirt. Psychologisch ein bisschen drauf sein. Früher sprachen sich die Leute aus. Man muss die Gäste verstehen können. Ich denke, zuhören ist wichtiger als selber zu reden. Und man sollte handwerklich nicht ganz unbegabt sein.

Wie war das denn am Anfang, aus der Industrie zu kommen und plötzlich Profi-Gastgeberin zu sein?

Ich wusste überhaupt nicht, was auf mich zukommt. Anfangs war eine Mini-Küche dort, wo heute das Herrenklo ist. Dann hatten wir eine Feier mit 300 Griechen, die wollten Zigeunerschnitzel mit Fritten und Salat. Das war ganz schlimm, das wollte ich nie wieder haben. Zum Glück waren meine Mutter und meine Noch-nicht-Schwiegermutter da. Die standen mitten im Leben. Die haben mir geholfen.

Was essen Sie denn gerne?

(Überlegt länger): Wenn wir ausgehen, esse ich gerne mal ein Filetsteak oder ein Pfeffersteak. Und Ihre Gäste? Normale Gäste sind nicht so offen für anderes. Die wollen Traditionelles wie Frikadellen, Königsberger Klopse, Rouladen. Aber für Partys muss ich schon mal vegetarisch kochen. Das ist eine schöne Abwechslung für mich.

Wenn man jedes Wochenende feiern muss, macht das selber Feiern dann noch Spaß?

Es ist wichtig, das Vierzigste zu feiern. Am Wochenende haben wir zwei Veranstaltungen. Mir ist das wichtig, auch wenn ich am liebsten sagen würde: Tür zu und drei Tage weg. Aber die Gäste haben mich jahrelang begleitet. Denen möchte ich einen Dank aussprechen.

Wie hält man’s denn mit dem Alkohol als Wirtin?

Ich habe 25 Jahre lang gar keinen Alkohol getrunken, danach ein bisschen. Aber ich vertrage es nicht mehr, also lassen wir es. Für heute habe ich extra weißen Traubensaft für mich gekauft. Den trinke ich so gerne.

Also sind nur die Haare blau?

Ja. Ozeanblau. Das habe ich bei einer Gästin gesehen (lacht). Die gefiel mir so gut, die Farbe. Da hab’ ich’s probiert.

Mussten Sie im Laufe der Jahre viele Autoschlüssel von Gästen einkassieren?

Ja, schon. Manche haben die Schlüssel freiwillig abgegeben, wenn sie wussten, sie bleiben hängen. Viele Gäste vergessen auch etwas. Vor 14 Tagen sind nach einer Feier acht Jacken hängen geblieben. Merken die das eigentlich nicht? Schlüssel, Brillen, Zähne – alles war schon dabei.

Zähne?

Ja. Die drückten dann irgendwie, wurden rausgenommen und in die Blumen gelegt.

1 Meter 59 groß und Autoritätsperson – funktioniert das?

Ich glaube, so groß bin ich schon nicht mehr. Ich komme gar nicht mehr an alles oben im Regal ‘ran. Also, wenn mir etwas zu komisch vorkommt, hole ich Hilfe. Bei größeren Veranstaltungen hat man heute Security. Ich konnte mir aber immer ganz gut selber helfen, oft mit dem Spruch: „Für heute ist’s genug. Komm morgen wieder.“

Was mögen Sie an Ihrem Beruf?

Die Gäste. Was wirklich schön war: Als die Kneipe 1989/90 drei Monate lang umgebaut wurde und trotz der langen Pause alle wiedergekommen sind.

Was mögen Sie nicht an Ihrem Beruf?

Ich mache es gerne, aber ich würd’s heute nicht noch mal machen. Man muss wirklich verzichten können. Und Halswirbel, Schultern – das hat gelitten. Vom Schleppen. Was ist unverzichtbar für eine Wirtin? Bequeme Schuhe. In den ersten Jahren habe ich noch gedacht, ich müsste Absätze tragen. Das habe ich aber ganz schnell abgelegt.

Fußballübertragungen gehören für Dahlmann dazu. Darf die Wirtin Fan sein?

Ja.

Und? Welcher Verein?

Im Moment bin ich für Dortmund, weil’s mir die Kneipe füllt. Ich war aber auch schon mal Schalke, Köln, Bochum. Und Paderborn, weil von meiner Freundin der Sohn dort Trainer war.

Apropos Kinder!?

Eigene habe ich nicht. Aber ich hatte früher viele junge Gäste. Das waren meine Kinder. Bestimmt 140. Heute kommen die mit ihren eigenen. Hier waren immer Kinder um mich herum. Mich stört nicht, wenn eins quakt.

Wie überwindet man den toten Punkt, wenn’s wieder einmal lange dauert? 

Jetzt ist es wochentags ja nicht mehr so spät wie früher. Früher guckte keiner auf die Uhr. Aber am Wochenende habe ich schon mal 18-, 20- Stunden-Tage. Da muss ich zwischendurch kurz mal eben ‘raus an die frische Luft oder fünf Minuten in Ruhe abschalten. Ein bisschen meditieren.

Danke für das Gespräch und auf die nächsten 40...!?

. . . 40 Jahre leben – auf jeden Fall!

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