Jahnhalle: marode – aber bei Jugendlichen beliebt

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Die Jahnhalle scheint für die kommenden drei Jahre gesichert.

LÜDENSCHEID ▪ Gedämpfte Musik, alte Rampen, Gates und beschmierte Bänke; ein ranziger Geruch steigt dem Besucher in die Nase. Lediglich die Graffiti verleihen der Jahnhalle noch einen besonderen Charme. Nichts habe sich in den vergangen Jahren verändert, berichten die Jugendlichen enttäuscht.

„Die Angst, dass die Halle geschlossen wird, steht permanent im Raum“, so Hallenwart Andreas Ciesla. „Viele Jugendliche kommen regelmäßig her, manche schon mehrere Jahre, sind hier praktisch großgeworden. Aber auch von außerhalb kommen manchmal Gruppen, um die Halle zu nutzen“, berichtet Ciesla. Die Halle sei nicht nur ein Treffpunkt für Inliner, Skater und Biker, sondern auch für Graffitikünstler, die dort jederzeit die Möglichkeit hätten, legal ihre Kunst auszuüben.

„Es ist einfach was Korrektes für Jugendliche“, sagt der 18-jährige Josef Schipp. Das Vereinsmitglied kommt regelmäßig dort hin, um mit seinem Bike zu fahren, aber auch, um mit den Leuten „einfach mal abzuhängen“.

Die Jugendlichen sind froh, dass es diese Einrichtung gibt, „denn in der Stadt würden wir sowieso nur alle stören“, sagt Odin Rolf (16). Sie fühlen sich dort wohl – ärgern sich aber, dass seit Jahren nichts gemacht werde. „Die Rampen sind runtergekommen, irgendwann auch langweilig und eigentlich zu klein“, erklärt der 17-jährige Paco Alvis und ist mit dieser Meinung nicht allein.

„Wir sind froh, wenn wir dieses Jahr überstanden haben und dabei nur 1000 Euro Verluste schreiben würden“, erklärt Marco Köhler, erster Vorsitzender des Skate Clubs Sauerland resigniert. Das Geld, das der Verein von der Stadt bekomme sei lebenswichtig, decke aber gerade einmal die Hälfte der rund 40 000 Euro, die er im Jahr zu stemmen hat.

„Ohne die Unterstützung der Stadt hätten wir die Halle aber niemals aufrechterhalten können“, so Köhler, daher sei er froh, dass die Politiker eine Lösung für den Jahnplatz anstreben, die den Erhalt der Halle beinhaltet.

„Vor zwei Jahren hätte bereits die große Wende für die Skatehalle sein können“, erinnert sich Köhler zerknirscht. Der Mehrgenerationenspielplatz, der von der Stadt für den Jahnplatz vorgeschlagen wurde und mit Bundesmitteln finanziert werden sollte, wurde durch eine Bürgerinitiative vereitelt. „So eine Chance werden wir wohl nie wieder bekommen.“ Im Zuge dieses Projekts wäre die Halle endlich saniert worden und hätte einen zusätzlichen Outdoorbereich bekommen.

„Der Vertrag für die Hallennutzung wird demnächst um drei weitere Jahre verlängert“, berichtet Köhler erleichtert. Den Entwurf habe er schon zur Durchsicht bekommen; sei aber über einen Paragraphen, der der Stadt ein Sonderkündigungsrecht einräumt, nicht sehr glücklich.

Die Zukunft der Halle ist also immer noch nicht gesichert und das Geld fehlt weiterhin an allen Ecken und Enden: „Wir bräuchten dringend mehr Geld, am besten einen großen Sponsor, der sich für die Jugendlichen und ihre Ideen einsetzt.“ ▪ jl

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