Abstrakte Erinnerungswolken

Iserlohner Künstlerin Karin Kroll zeigt ihre Werke in der Erlöserkirche

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Karin Krolls Vater steht im Mittelpunkt vieler Bilder.

Lüdenscheid - „Flucht Gedanken“ betitelt die Iserlohner Künstlerin Karin Kroll ihre außergewöhnliche Bilderausstellung, die bis zum 1. April im Gemeindezentrum der Erlöserkirchengemeinde zu sehen ist. Im Rahmen der Ausstellungseröffnung am Sonntag stellte Karin Kroll ihre Bilder im Anschluss an die Laudatio der Kulturbeauftragten der Erlöserkirchengemeinde, Rosemarie Moos, ausführlich persönlich vor.

Die Ausstellung unterteilt sich in zwei Teile, die thematisch lose miteinander verknüpft sind. Insgesamt 15 Gemälde fasst die Künstlerin unter dem Titel „Schleierhaftes“ zusammen. Die Gemälde stellen ausschließlich ihren Vater dar, mal in Form von Portraits, dann wieder nur einzelne Körperteile wie Hände oder Füße. 

Thema der Bilder ist die Flucht des Vaters aus Pommern, die zum Teil mit schrecklichen Erlebnissen behaftet war und die ihn über die Ostsee zur Insel Sylt führte. Fast ein ganzes Leben lang versteckte der Vater die Erlebnisse vor seiner Tochter - erst eine Fotoausstellung der bekannten Kriegsfotografin Anja Niedringhaus, die später in Afghanistan erschossen wurde, durchbrach im Jahr 2012 den Schleier. Im Alter von 82 Jahren offenbarte er seiner Tochter bislang völlig unbekannte Gefühlsregungen und Geheimnisse.

Indem Karin Kroll das Gesicht ihres Vaters, mal gelassen, mal schockiert von den erlebten und gesehenen Grausamkeiten darstellt, führt sie den Betrachter auf subtile Weise an das Thema Krieg und Vertreibung heran. Der Vater, fotorealistisch und ganz klassisch mit Ölfarben in vielen übereinanderliegenden Schichten dargestellt, inmitten von abstrakten Erinnerungswolken, hinter denen das Schreckliche flüchtig in einigen grellen Farbblitzen erahnbar ist. Einen Ruhepol zu diesen Darstellungen stellt der zweite Teil der Ausstellung dar, der zehn Exponate mit Impressionen der Insel Sylt enthält.

Für die musikalische Untermalung der Vernissage zeichnete der Kantor der Erlöserkirchengemeinde, Dmitri Grigoriev, am Klavier verantwortlich. Die Ausstellung kann bis einschließlich 1. April immer sonntags nach dem Gottesdienst zum Kirchenkaffee von 11.30 bis 13 Uhr sowie mittwochs bis freitags von 9 bis 11 Uhr besichtigt werden.

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