„Irgendwann ist jedes Maß mal voll“

Lüdenscheid - Diesen einen Tag, es war der 8. November, wird der vorbestrafte Arbeitslose (25) nicht so schnell vergessen. Strafrichter Andreas Lyra fasst für den Angeklagten zusammen: „Es war ein denkbar beschissener Tag für Sie. Das trifft es wohl ganz gut.“ Dem Bewährungsversager droht der Knast. Er wäre wohl nicht überrascht. Aber der Richter lässt ihn mit einer Geldstrafe davonkommen. Immerhin: 4000 Euro. Und ein Jahr Führerscheinsperre.

Von Olaf Moos

Auf den „Lappen“ zu verzichten, das wird dem Werdohler allerdings nicht schwer fallen. Er hat nie einen gehabt. Trotzdem fuhr er nachts, zwei Freunde dabei und ein paar Wodka-Energy-Drinks im Blut, mit dem VW eines Kumpels nach Lüdenscheid. „Der hatte gefragt, ob ich mal fahren will.“ Auf der Worthstraße verliert er kurz nach Mitternacht die Kontrolle über den Wagen und baut einen Unfall. Zwei leicht Verletzte, 500 Euro Schaden. Juristisch: Straßenverkehrsgefährdung, fahrlässige Körperverletzung, Fahren ohne Fahrerlaubnis. Trunkenheit im Verkehr – keine Kleinigkeit.

Es kommt noch schlechter: Der angetrunkene Mann – 1,5 Promille werden später ermittelt – steigt aus dem verbeulten Auto, haut zu Fuß ab und verschwindet in einer Wohnung an der Handweiserstraße. „Ich habe mir nur bei einem Freund die Hände gewaschen.“ Die Schuld kann er nicht abwaschen. Juristisch ist damit der Tatbestand der Unfallflucht erfüllt. Ein paar Minuten später greifen ihn Polizisten in der Nähe des Unfallortes.

Der Mann landet auf der Wache, versucht sich herauszureden, muss eine Blutprobe abgeben und eine Strafanzeige einstecken, das volle Programm. Am frühen Morgen darf er nach Hause, besteigt ein Taxi, aber hat keine müde Mark mehr in der Tasche. In Werdohl springt er aus der Droschke und lässt den Fahrer ohne Lohn zurück. Nun also auch noch Betrug. Der Fahrer sagt zum Richter: „Er ist trotzdem ein guter Junge, ich kenne seinen Vater.“

Aber so ein guter Junge ist er dann doch nicht. Denn vier Monate vor diesem „beschissenen Tag“ hat ihn das Schöffengericht in Altena zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt – wegen gewerbsmäßigen Betruges in 17 Fällen und anderer Delikte. Unter anderem hat er seine Ex-Freundin verdroschen und ihr die Nase gebrochen, Hausfriedensbruch begangen und Polizisten beleidigt.

Sein Geständnis aber wiegt schwer. Richter Lyra meint, es sei gut gelaufen für ihn. „Aber Ihnen muss klar sein: Irgendwann ist jedes Maß mal voll.“

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