iPhone 8: Windiges Geschäft im Internet

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Lüdenscheid – Dieses iPhone 8 war ein echtes Schnäppchen für eine  31-jährige Angestellte aus Werdohl  - dachte sie zumindest. Stattdessen gab's nach dem "Schnapp" im Internet richtig viel Ärger.

Übers Internet kaufte sie im März 2018 für 550 Euro ein gebrauchtes Apple-IPhone 8 von einem Lüdenscheider (30). Angeblich hatte das Smartphone noch acht Monate Garantie. Doch das Geschäft brachte dem Verkäufer sein inzwischen viertes Betrugsverfahren ein.

Denn von einer Hersteller-Garantie konnte keine Rede sein. Das Display und die Rückseite des Gerätes waren nämlich vor dem Besitzerwechsel ausgetauscht worden, gegen Ersatzteile, die nicht vom Hersteller kamen. Der Lautsprecher war defekt. Die Käuferin beschwert sich bei dem 30-Jährigen. Zunächst bietet er eine Reparatur an, lässt dann zwei Termine platzen und sagt schließlich zu der Werdohlerin: „Ich kenne Sie nicht, wir haben keinen Vertrag miteinander.“ Da erstattet sie Strafanzeige.

Bis vor sechs Jahren, sagt der Familienvater zu Amtsrichter Thomas Kabus, sei er selbstständig gewesen und habe Handys und Computer verkauft. „Aber ich kann immer schlechter sehen.“ Nun ist er arbeitslos, wartet nach eigenen Worten auf eine Behindertenstelle und lebt von behördlicher Unterstützung. Hartz IV, Kindergeld und andere Zuwendungen spülen monatlich 1800 Euro auf sein Konto, die Arge bezahlt die Miete.

Richter Kabus hält dem Mann vor: „Das war ein sehr windiges Geschäft.“ Damit kennt sich der Angeklagte, verteidigt von Rechtsanwalt Holger Becher, offenbar bestens aus. Vier Urteile hat er schon im Strafregister, zuletzt 2016 wegen Betruges in 27 Fällen. Da hatte er unter fremdem Namen und mit einer falschen Kontonummer Elektroartikel wie Spielkonsolen, Controller oder einen Sky-Reciever bestellt. „Auf der anderen Seite des Geschäfts“, wie der Richter anmerkt. Als Kontonummer hatte er stets die Bankverbindung eines Lüdenscheider Kleingartenvereins angegeben, der dann auch die Rechnungen bekam.

Ein Jahr Gefängnis auf Bewährung hatte er dafür bekommen. Die müsste er nun, zusätzlich zur neuen Strafe, absitzen. Doch Thomas Kabus neigt zu einer milden Entscheidung, „um Ihre Bewährung nicht zu gefährden“, und schlägt der Staatsanwältin die vorläufige Einstellung des Verfahrens vor. Die Anklägerin ist einverstanden. Der Angeklagte muss der Zeugin nun den Kaufpreis erstatten und innerhalb eines halben Jahres 100 Sozialstunden leisten.

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