Von Integration zur Inklusion: 25 Jahre Altstadtcafé "Der kleine Prinz"

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Martin Ahrens: Viele Jahre als Leiter des Altstadtcafés „Der kleine Prinz“ m Einsatz, engagiert er sich jetzt noch ehrenamtlich für die Inklusion.

Lüdenscheid - Vor 25 Jahren wurde „Der kleine Prinz“ in der Altstadt eröffnet – zunächst gedacht als Begegnungsstätte für Menschen mit und ohne Behinderung. Für Samstag, 22. August, lädt der Verein der Freunde des Johannes-Busch-Hauses als Träger des Cafés zur Jubiläumsfeier ein – und blickt für die LN-Leser in der folgenden Reportage auf ein Vierteljahrhundert zurück.

„Pling“. Und noch einmal: „Pling“. Das ist das Signal für Andreas Arens: Er eilt in die Küche, greift zwei angerichtete Teller und trägt sie in den Gastraum. Ein leckerer Duft von Tomaten-Käse-Füllung bleibt in der Luft hängen. In der Mittagszeit ist Hochbetrieb im Café „Der kleine Prinz“, das vor 25 Jahren als Integrationsprojekt gegründet wurde.

„Cannelloni mit Käse überbacken“ ist heute das Mittagsgericht. Köchin Sabine Schlag hat, unterstützt von Kathrin Schlabach, am Vormittag die Zutaten vorbereitet. Denn im Kleinen Prinzen wird frisch gekocht. „Wir bieten kein Vier-Gang-Menü, aber schmackhafte, preisgünstige Gerichte“, erläutert Martin Ahrens. „Und das sechs Tage die Woche.“

Ahrens, seit Gründung Leiter der kleinen Gastronomie, engagiert sich jetzt im Ruhestand weiterhin ehrenamtlich im Vorstand des Café-Trägers „Verein der Freunde des Johannes-Busch-Hauses“.

Ein großer Kreis von Stammgästen

25 Jahre – das ist eine beachtliche Zeitspanne für ein öffentliches Café, das als Begegnungsstätte für Menschen mit und ohne Behinderung geplant war. Es wurde mehr daraus: Der kleine Prinz bietet sechs Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung.

Maria Pilli kann in der Spülküche des Cafés die großen Profi-Maschinen nutzen.

Mittlerweile hat sich auch ein großer Kreis von Stammgästen gebildet: Die einen kommen regelmäßig zu ihrer Frühstücksrunde, andere verbringen häufig ihre Mittagspause an der Luisenstraße. 40 bis 50 Mittags-Portionen verlassen an manchen Tagen die Küche. Und beinahe nahtlos geht es dann über in die Kaffeezeit – selbstverständlich mit selbstgemachtem Kuchen. Die fröhliche Damenrunde am großen Tisch ist jeden Mittwoch zur Stelle: erst ein Mittagimbiss, dann wird eine Tischdecke ausgebreitet. Das Klackern der Würfel soll die anderen Gäste nicht stören. Und nach der Spielrunde gönnen sie sich noch eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen.

Seit wann sie kommen? „Seit fünf Jahren“, sagt Gerda Debinski. Und was ist die Verbindung untereinander? Teilweise waren die munteren älteren Damen einmal Kolleginnen, dann brachte eine mal ihre Schwester oder die Freundin mit – „wie das so geht“, meint Eva Kolawska und konzentriert sich wieder aufs Würfeln.

60 Plätze auf zwei Ebenen

Derweil kommen Gäste an, die zielsicher die Treppe im Hintergrund ansteuern. Es ist eine Gruppe aus der Tagesbetreuung des Johannes-Busch-Wohnverbundes Lüdenscheid, unter ihnen auch ehemalige – jetzt berentete – Beschäftigte aus dem Café.

Im Kellergeschoss gibt’s noch mehr Platz, dort können sie alle zusammen sitzen. Die Tische füllen sich, Andreas Arens hat gut zu tun: Bestellung aufnehmen, Getränke servieren, das Essen bringen. Wenn nötig, kann Kollegin Maria Pilli, die vormittags bereits in Küche und Spülküche tätig war, ihn unterstützen.

Eine Tätigkeit im Service sei nicht jedermanns Sache, räumt Martin Ahrens ein. Man muss Spaß daran haben, sich immer wieder auf neue Gäste einzustellen. Einige Hindernisse im Arbeitsablauf lassen sich aber mit einfachen Mitteln lösen. Beschäftigte, die nicht so gut schreiben können, reichen den Gästen einfach einen Bestellzettel, auf dem das Gewünschte angekreuzt wird.

Rechnung erwünscht? Am Kassencomputer sind die verschiedenen Angebote auf dem Bildschirm als Symbole dargestellt. Kurz antippen, Betrag wird berechnet. Ist die Servicekraft unsicher, kassieren Caféleiterin Diana Geim oder ihre Stellvertreterin Sandra Kuhlmann. Und bestens bewährt hat sich das Gutscheinsystem: Vor allem Stammgäste erwerben Gutschein-Päckchen und zahlen damit – schnell und einfach. „Heute ist das Café in Lüdenscheid eine Institution“, erzählt Martin Ahrens. „Bis hierhin war es eine langsame, stetige Entwicklung, in die die Menschen mit Behinderung von Anfang an einbezogen waren. Fördern und fordern, ohne zu überfordern, war und ist ein Grundsatz der Verantwortlichen. Sie trauen den Team-Mitgliedern etwas zu und werden bestätigt und damit auch belohnt: mit Zuverlässigkeit und hoher Motivation. Aus dem Begriff ‚Integrations-Projekt‘ ist das Café herausgewachsen – hier passiert Inklusion, sechs Tage pro Woche. Für die Lüdenscheider geschieht das ganz selbstverständlich und nebenbei. Ihre Kriterien sind auch für jedes andere Café gültig: gute Atmosphäre, leckere Gerichte, Preis-Leistungs-Verhältnis und Service stimmen.“

Die Historie des beliebten Cafés

Bereits in den 1980er Jahren hatten pädagogische Mitarbeiter im Johannes-Busch-Haus den Wunsch, ein Begegnungsangebot außerhalb der Behinderteneinrichtung einzurichten. Ein leer stehendes Ladenlokal an der Luisenstraße 15, in der sich bereits eine Außenwohngruppe befand, schien geeignet.

Mittags ist Hochbetrieb, dann hat es Andreas Arens eilig, den Gästen zügig das Bestellte zu servieren.

Die Realisierung des Projektes durch das Ev. Johanneswerk, das Träger des Johannes-Busch-Hauses ist, klappte nicht. Es gab verschiedene Bedenken, unter anderem finanzieller Art. Da Klaus Neumann, damals Leiter des Johannes-Busch-Hauses und Initiator der Idee, bereits viele Kontakte geknüpft hatte, beschloss ein Kreis engagierter Sozialpädagogen und Bürger: Wir gründen einen Verein und eröffnen selbst eine Begegnungsstätte.

Mit der Aussicht auf Fördermittel und unterstützt durch Bürgermeister und Vertreter von Institutionen und Fachleuten vom Bau nahm die Idee bald Gestalt an. Im ehemaligen Ladenlokal im Erdgeschoss entstanden Gastraum, Küche, Sanitäranlagen. Das Kellergeschoss – mit dem einzigen erhaltenen Kreuzgewölbe Lüdenscheids – wurde als zusätzlicher Gastraum umgebaut.

Katharina Schlabach unterstützt Köchin Sabine Schlag bei den Vorbereitungen für die Essen-Ausgabe.

Ein Name war auch bald gefunden: „Der kleine Prinz“ als Symbol für die Verschiedenheit der Menschen. Der Verein der Freunde des Johannes-Busch-Hauses und das Johanneswerk sind Kooperationspartner. Die im Café beschäftigten Menschen mit Behinderung sind organisatorisch als Arbeitsgruppe den Märkischen Werkstätten zugeordnet, Café-Leitung, Köchinnen und Aushilfen dem Johanneswerk. Nach wie vor hat der Verein breiten Rückhalt in der Stadt Lüdenscheid – vor allem durch seine Mitglieder. Vorsitzender ist derzeit Klaus Neumann, der Initiator des Integrations-Projektes; sein Stellvertreter ist Martin Ahrens, der langjährige Leiter des Cafés.

Der Verein ist Eigentümer der Immobilie Luisenstraße 15/17 (mit dem Café „Der kleine Prinz“ und einer Außenwohngruppe für Menschen mit Behinderung) und seit 2000 auch der Alten Schule, die dem Johanneswerk-Wohnverbund Lüdenscheid für die integrative Kulturarbeit zur Verfügung gestellt wurde.

Steckbrief

Träger: Verein der Freunde des Johannes-Busch-Hauses Eröffnet: 18. August 1990 Größe: 60 Sitzplätze auf zwei Etagen; im Sommer auch Außengastronomie

Mitarbeiter insgesamt: 10; Inklusive Arbeitsplätze: 5 bis 7 Beschäftigte bilden eine Arbeitsgruppe der Märkischen Werkstätten (Ev. Johanneswerk)

Besonderes: Café im Dunkeln – Gäste erleben ein mehrgängiges Menü bei völliger Dunkelheit; wechselnde Ausstellungen heimischer Künstler

Öffnungszeiten: montags bis freitags 10 bis 23 Uhr, samstags bis 17 Uhr. Private Feiern nach Absprache

Museumscafé: ‚Ableger‘ im städtischen Museum (seit 2011); mittwochs bis samstags ab vormittags geöffnet

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