Härtha Lüdenscheid: Insolvenz als Rettungsanker

Der vorläufige Insolvenzverwalter, Geschäftsführung und Betriebsrat von Härtha setzen auf ein Fortführungskonzept.

LÜDENSCHEID ▪ Die Härtha Lüdenscheid GmbH mit rund 100 Beschäftigten hat beim Amtsgericht Hagen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens wegen Zahlungsunfähigkeit gestellt. Der Geschäftsbetrieb bei dem Metallveredler läuft an beiden Standorten – Hoher Hagen und Elbinger Straße – unterdessen in vollem Umfang weiter, wie der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Dirk Andres mitteilte.

Die Kunden würden weiterhin in vollem Umfang und bewährter Qualität und Pünktlichkeit beliefert. Zudem, so Andreas weiter, habe er die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes für die betroffenen Mitarbeiter beantragt. Auf diesem Wege sollen die Löhne und Gehälter der Beschäftigten bis Ende Dezember gesichert werden. Die Beschäftigten wurden auf einer Betriebsversammlung über den aktuellen Stand und das weitere Vorgehen informiert.

Andres ist auch gegenwärtig vor Ort und analysiert die wirtschaftliche Gesamtsituation des Unternehmens aus Lüdenscheid: „Wir verschaffen uns derzeit einen Überblick und führen mit allen wesentlichen Beteiligten Gespräche“, sagte der Hagener Rechtsanwalt. Positiv stimme ihn, dass wesentliche Kunden bereits signalisiert hätten, weiterhin mit Härtha zusammenarbeiten zu wollen.

Andres prüft nun, wie das Unternehmen wieder aus dem Insolvenzverfahren geführt werden kann. Das neue Insolvenzrecht, das seit März 2012 in Kraft ist, biete ihm hier neue Möglichkeiten. „Wir sind zuversichtlich, Härtha zu erhalten und möglichst alle Arbeitsplätze in Lüdenscheid zu sichern“, zeigte sich der vorläufige Insolvenzverwalter optimistisch. Aktuell sei es allerdings zu früh, um konkretere Aussagen machen zu können.

„Die Auslastung mit Aufträgen ist sehr gut, das Unternehmen ist wirtschaftlich solide aufgestellt“, erklärte Thomas Hertwig, Geschäftsführer und Gesellschafter von Härtha. Nach Angaben der Geschäftsführung hatte sich die Versorgung des Unternehmens mit liquiden Mitteln durch die Konzernmutter im abgelaufenen und laufenden Geschäftsjahr allerdings fortlaufend verschlechtert. Durch diese Entwicklung sei schließlich der Insolvenzantrag erforderlich geworden.

Nach LN-Informationen hat der vorläufige Insolvenzverwalter dies gegenüber Kunden bestätigt: Härtha sei ein profitables Unternehmen, dem wegen eines Gewinnabführungsvertrages mit der Haarmann-Gruppe nicht mehr ausreichend Liquidität zur Verfügung gestanden habe. Durch den Insolvenzantrag soll diese Problematik nun offenbar gelöst werden. Den Kunden wurde jedenfalls die ordnungsgemäße Durchführung aller Aufträge zugesagt.

Der Betriebsrats-Vorsitzende Bernd Windisch erläuterte den Beschäftigten unterdessen, dass sie allesamt Anspruch auf Insolvenzgeld haben. Es ersetze die Ansprüche auf Löhne und Gehälter in vollem Umfang für die nächsten drei Monate, danach werde voraussichtlich wieder die Härtha GmbH zahlen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare