Repräsentatives Haus im Rahmedetal

Nach Insolvenz: Edel-Lokal kommt unter den Hammer - für kleines Geld

+
Das Gebäude an der Altenaer Straße 168: Ein Fritz-Kola-Schild erinnert an die Vergangenheit als Restaurant. Am 10. August wird das Gebäude zwangsversteigert.

Lüdenscheid – Vor dem Haus wuchert das Unkraut, an der Treppe zum Eingang erinnert ein Fritz-Kola-Schild daran, dass man hier einmal Essen und Trinken konnte. Das ist nun schon fünf Jahre her. 

  • Ein beliebtes Restaurant in Lüdenscheid rutschte in die Insolvenz
  • Jetzt folgt die Zwangsversteigerung des historischen Gebäudes
  • Der Preis für 284 Quadratmeter Nutzfläche und fast 20.000 Quadratmeter Grundstück ist gering

Dort, wo in Lüdenscheid einmal große Gastronomie-Träume in die Realität umgesetzt werden sollten, herrscht nun die pure Trostlosigkeit. Das Gebäude an der Altenaer Straße 168, in dem 2012 unter dem Namen „Lünsch“ eine Gastronomie gehobenen Anspruchs seine Gäste in schickem Ambiente verwöhnte, es steht nun zum Kauf. Genauer: Das Gebäude wird zwangsversteigert. Am 10. August wird um 9 Uhr im Amtsgericht Lüdenscheid am Dukatenweg der neue Besitzer ermittelt. 

Zwangsversteigerung nach Insolvenz: Historisches Gebäude kommt unter den Hammer

Rückblende: Das Gebäude in nördlicher Stadtrandlage, das seit 1987 einen Eintrag in die Denkmalliste der Stadt Lüdenscheid erhalten hat, ist 160 Jahre alt. Es war in den 1860er-Jahren gebaut worden als Wohnheim. 

Das Gebäude an der Altenaer Straße 168.

Die Firma Caspar Noell zu Vogelberg (später Westfälische Kupfer- und Messingwerke AG) hatte es für Ledige, die in der Firma arbeiteten, initiiert. Bis in die 1980er-Jahre wohnten dort Menschen, später ganz normal zur Miete. In den Jahren 1987/88 wurde das Gebäude kernsaniert und einer neuen Nutzung zugeführt: als Bürogebäude. 

Lünsch: Restaurant mit stilvollem Ambiente und Boot im Garten

2012 dann folgte die nächste Nutzungsänderung: Das Lünsch-Team hatte das denkmalgeschützte Terrain für sich entdeckt. Etwas Besonderes sollte das „Lünsch“ werden. Und es entstand ein Restaurant mit stilvollem Ambiente – ein Ort zum Wohlfühlen –, das aber aus trotz allen Lobes von vielen Gästen aus verschiedenen Gründen nicht reüssierte. Familien werden sich vielleicht noch an das Boot im Garten erinnern, das als Spielgerät genutzt werden konnte. 

Neuer Gastronom eröffnete das „Schmackofatz im Lünsch“

Ein Grund mag die Lage gewesen sein – weit abseits vom Geschehen in der Stadt und zudem ein wenig versteckt liegend von der viel befahrenen Altenaer Straße. Das Lünsch-Team gab auf, dafür übernahm ein neuer Gastronom, versuchte es mit dem Projekt „Schmackofatz im Lünsch“ – Anfang 2015 entstand eine Gastronomie mit Kochschule. Das Projekt begann vielversprechend, doch nach neun Monaten war schon wieder alles vorbei. Insolvenz. 

Nach Insolvenz steht das Gebäude leer

Seitdem steht das Gebäude leer. 194 Quadratmeter Nutzfläche bietet das zweigeschossige Gebäude im Erdgeschoss, 190 Quadratmeter im Obergeschoss, dazu kommt eine kleine Empore. Unterkellert ist es nicht. Zum Gebäude gehören Waldgrundstücke, die nicht erschlossen sind. Das Gesamtgrundstück ist 19.469 Quadratmeter groß

Verkehrswert von 327.000 Euro angesetzt - Bieter-Wettbewerb vorm Armtsgericht Lüdenscheid?

Das Iserlohner Architekten-Büro MTT (Trimpop, Trompetter, Schulte) legte im Februar 2018 in einem Exposé, das heute als Grundlage für die Zwangsversteigerung gilt, einen Verkehrswert von 327.000 Euro für das Gebäude fest. 

Und nicht nur das: Im Exposé werden das Haus selbst und die denkmalgeschützte Baumallee, die früher im Volksmund Lindenallee genannt wurde, als „historisch und repräsentativ“ dargestellt, der Bauzustand zudem als zufriedenstellend bezeichnet.

Architekten raten zu Wohnnutzung und raten von Gastronomie-Nutzung ab 

Von einer Nutzung als Restaurantbetrieb aber wird aus wirtschaftlichen Gründen explizit abgeraten. Eher schon raten die Architekten dazu, das Gebäude wieder als Bürogebäude zu nutzen – auch wenn inzwischen nach dem Umbau für Gastronomie-Zwecke die Sanitäranlagen komplett überdimensioniert für ein Bürogebäude daherkommen. Sei’s drum: Am 10. August kommt das Objekt unter den Hammer. Interessenten wird „unter Umständen“ ein 30-prozentiger Nachlass in Aussicht gestellt. Kaufnebenkosten entfallen. 

Die Zwangsversteigerung ist die Durchsetzung eines Anspruchs mit staatlichen Machtmitteln. Der Gläubiger hat die Möglichkeit, wegen einer Geldforderung in das unbewegliche Vermögen zu vollstrecken, seinen Anspruch so zu befriedigen. Unbewegliches Vermögen sind Grundstücke und deren Aufbauten, Wohnungseigentum, Teileigentum sowie grundstücksgleiche Rechte wie das Erbbaurecht. Das Verfahren wird beim Amtsgericht als Vollstreckungsgericht durchgeführt.

Die Rettung der Rastatt in Nachrodt-Wiblingwerde misslang. Zwangsvollstreckt wurde auch in einem Imbiss im Märkischen Kreis. Nicht nur Gastronomie-Betriebe rutschten in die Insolvenz - auch Handwerker waren betroffen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare