Innovative Polizisten vom Innenminister geehrt

LÜDENSCHEID ▪ Innenminister Ralf Jäger hat den Lüdenscheider Polizisten Dieter Bruder und seinen Kollegen Klaus Schlotmann aus Iserlohn für eine der NRW-weit innovativsten Ideen ausgezeichnet.

Noch schneller, korrekter, effektiver arbeiten lassen, und das ohne Aufstockung von teurem Personal, sondern durch Abbau von Bürokratie – wovon Arbeitgeber oftmals nur träumen, ist für das NRW-Innenministerium in greifbare Nähe gerückt.

Die beiden Beamten haben in dem Wettbewerb „Innovative Technik und Verfahren für die Landesverwaltung“, zu dem 335 000 Beschäftigte des Landes aufgerufen waren, eine Software entwickelt, die Polizisten auf der Straße die Arbeit erleichtert und aufwändige Nachbearbeitung von Tatbeständen weitestgehend überflüssig macht. Die Technik heißt „MoMo“ („Most Mobility“) und ist bei der Kreispolizeibehörde in der aktiven Erprobung.

„Bislang mussten Kollegen bei Verkehrsverstößen alle notwendigen Daten zunächst vor Ort in ein Notizbuch schreiben, später auf der Dienststelle in den Polizei-Computer übertragen und mit einer von rund 4500 vorhandenen sechsstelligen Tatbestandsnummern versehen. Nur so konnte die Bußgeldstelle beim Kreis alle Daten verarbeiten“, erklärt Erster Polizeihauptkommissar Dieter Bruder im LN-Gespräch.

Nun sind die Beamten mit Smartphones ausgestattet, nutzen die von Bruder und Schlotmann entwickelte Applikation und geben die Daten gleich vor Ort ein. Auf der Dienststelle reicht es dann, die Daten über eine Schnittstelle in den Rechner zu importieren. Und ohne Papier, Beleg und Nacharbeiten wandern die Angaben direkt zur Bußgeldstelle – es sei denn, ein Sachbearbeiter muss noch eine Entscheidung zu einem bestimmten Tatbestand fällen. Weiterer Vorteil: Bislang konnte nur ein einziger Regelverstoß pro Vorgang eingegeben werden, weitere Erkenntnisse mussten von Hand nachgetragen werden. „Momo“ ermöglicht die detaillierte Auflistung von fünf Tatbeständen.

Eine Koordinationsgruppe, die die Landesregierung berät, fand die Idee, Umsetzung und Anwendung „genial einfach“, wie Bruder sagt. Auch eine 99,9-prozentige Datenqualität habe die Experten überzeugt. „Was zum Beispiel bei der Polizei in Unna acht Leute erledigen, schaffen durch 'MoMo' bei uns zwei.“

Die in NRW noch einzigartige Methode könnte Schule machen. Doch eine landesweite Anwendung dürfte noch auf sich warten lassen. Bruder schätzt: „Fünf bis zehn Jahre.“

Olaf Moos

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