„Runder Tisch zur Außengastronomie“

Innenstadt-Händler beklagen „Überlebenskampf“

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Die Hussel-Damen lassen sich nicht beirren: Die von einer städtischen Mitarbeiterin kritisierten Ballons kamen gestern, wie gehabt, wieder über den Eingang. Man wolle nun erst einmal abwarten, hieß es. Den Kunden jedenfalls gefalle die fröhliche Traube in Bonbon-Farben.

Lüdenscheid - Einen „Runden Tisch Außengastronomie“ veranstaltet die Stadt am 28. April. Hintergrund ist der zunehmende Unmut der Geschäftsleute über allzu detaillierte Regelungen der Gestaltungssatzung. Deren Verbote stoßen vermehrt auch bei Kunden auf Unverständnis.

 Der Niedergang kommt, aber er kommt elegant daher. Zumindest dort, wo noch Leben in den Läden ist. Der Rest macht einfach dicht, vergammelt. Gestaltungssatzung hin, detaillierte Designvorgaben her.

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„Früher war das mal 1a-Lage“, sagt Nihad Kumalic, Chef vom Eiscafé Cortina an der Wilhelmstraße. „Heute sind wir nur der Hinterhof vom Stern-Center. Die Straße ist schäbig geworden.“

Dabei versucht die Stadt seit 2010 konsequent, ihre Vorstellung von Schönheit per Gestaltungssatzung durchzusetzen. Gerade im Visier: die Luftballon-Traube über dem Hussel-Eingang. Die verschandele das Stadtbild, haben die Verkäuferinnen von einer städtischen Mitarbeiterin zu hören bekommen. Freundlich, aber bestimmt. Die Traube müsse weg. Die Traube bleibt.

Am Montag kam sie, um ein paar pralle Ballons verstärkt, wieder dran. „Wir haben gedacht, dass die Witze macht“, sagt Sarah Bamberg-Henke von Hussel. Hat sie nicht. Sie ging mit der Bemerkung, das müsse nochmal diskutiert werden. Werdohlerin Sarah Bamberg-Henke weiß: „Früher sind viele Werdohler nach Lüdenscheid gekommen. Die fahren jetzt woanders hin, weil es hier nicht mehr schön ist.“ Stammkunden verstünden die Welt nicht mehr: „Alle haben gesagt: ‘So’n Quatsch’!“

Der knallige Eiskugel-Blickfang vor vorgeschrieben dezenter Fassaden-/Markisenkombination missfällt der städtischen „Design-Patrouille“: Die Waffel sei der Stadt ein Dorn im Auge, hieß es jüngst.

Ein paar Geschäfte weiter ärgert sich Nihad Kumalic über die städtische Anspruchshaltung. Eine bunte Markise über seiner Eisdiele? Verboten. Blumenkübel zur Abgrenzung? Verboten. Die Eistüte vorm Laden? Der Stadt „ein Dorn im Auge“. Tische und Stühle nachts vorm Laden zusammengeräumt abstellen? Verboten. „Es herrscht ein absoluter Überlebenskampf in dieser Straße“, sagt er. Großstadt-Mietniveau in Sichtweite von Leffers-Ruine, Billigläden, Leerständen. Wenn das Schuhgeschäft Schlatholt ausziehe, werde alles noch schlimmer.

Teurer Flickenschirm vorm Eiscafé Smeraldo: Sonnenschirme mit Werbeaufdruck sind verboten laut §11, Absatz 4. - Fotos: Kornau

„Da ist null Verständnis für uns und unsere Lage“, sagt er mit Blick aufs Rathaus. Und: „Kollegen in anderen Städten kennen diese Probleme nicht.“ Trotzdem hat er sich arrangiert, hat ein, wie er sagt „professionelles Verhältnis“ zu den Gesprächspartnern im Rathaus. „Ich kann nicht alles anfechten, ich muss Geld verdienen. Wenn ich zumachen müsste, würden zehn Leute arbeitslos.“ Er ahnt, dass seine Kritik Folgen haben wird, wartet nur auf die Kontrolleure, die prompt messen, „ob ich draußen einen Zentimeter drüber bin“. Aber: „Es kann nicht sein, dass wir ständig in Angst leben müssen.“

Im Rathaus-Eiscafé „Smeraldo“ zieren derweil große Flickenschirme den Außenbereich. Für 1000 Euro hat der Chef die Werbung der Schirme übernähen lassen müssen, sonst drohte Strafe. „Der Kaffeeanbieter stellt mir jedes Jahr fünf neue Schirme“, sagt er. Aber nicht ohne Werbung. Solche Schirme muss er jetzt auf eigene Rechnung kaufen: „Fünf neue, je 2000 Euro. Ich bin Jungunternehmer, da hat man das Geld nicht so locker.“

Die Stadt war für eine Stellungnahme am Montag nicht zu erreichen.

Für Dienstag, 28. April, 11 Uhr, lädt die Stadt zum „Runden Tisch Gastronomie“ ein, denn „Außengastronomie ist ein zentraler Punkt für die Attraktivität im Stadtraum“. Gesprächsbedarf ist da.  -  sum

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