Schulausschuss diskutiert: Inklusion zwischen Wunsch und Wirklichkeit

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Lüdenscheid - Die aktuellen Zahlen zum gemeinsamen Lernen von behinderten und nichtbehinderten Schülern an den Lüdenscheider Schulen löste im Schul- und Sportausschuss am Dienstagabend eine längere Diskussion aus. Zwischen Wunsch und Realität klafft bei allem Engagement der Lehrer noch eine große Lücke.

Um diese Lücke zu schließen, soll auf Vorschlag von Norbert Adam (CDU) der Ist-Zustand an sachlichen und personellen Ressourcen für den inklusiven Unterricht an den Schulen ermittelt und dem Soll-Zustand gegenübergestellt werden. „Wie viele Lehrer sind da, wie viele werden gebraucht?“ Auch die Ausstattung mit vorhandenen Räumen soll benötigten Flächen gegenübergestellt werden.

Rüdiger König (CDU), selbst erfahrener Lehrer, zog nach den Schilderungen einiger Schulleiter den Hut vor dem Engagement der Pädagogen, äußerte aber auch Vorbehalte: „Wenn einmal alle Jahrgänge mit Schülern besetzt sind, die Förderbedarf haben, dann wird mir angst und bange.“

Lehrer entwickeln sich nach und nach zu "kleinen Fachleuten" für Inklusion

Zuvor hatte Christiane Langs-Blöink, Leiterin der Theodor-Heuss-Realschule (THR), das gemeinsame Lernen an der THR sehr anschaulich beschrieben: „Eigentlich fehlt es uns an allem – an personeller Ausstattung, an sächlicher Ausstattung und an dem erforderlichen Know how. Aber man muss den Blick nicht nur auf den Mikrokosmos Schule richten, sondern auch auf den Makrokosmos Gesellschaft. Wir tragen mit unseren Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe der Schüler mit Förderbedarf bei.“

In der Schule müsse man da auch schon mal quere Wege gehen. Die Lehrer entwickelten sich nach und nach zu kleinen Fachleuten für Inklusion. Erforderliche Doppelbesetzungen in den Klassen 5 und 7 gingen aber auch wieder auf Kosten anderer. „Letztlich muss man die Dinge wollen“, sagte Langs-Blöink. Nicht alles sei machbar. Lesen, Schreiben und Rechnen für bestimmte Förderbedarfe differenziert zu unterrichten, sei schwierig, aber möglich. Nicht möglich sei dies aber in einer Regelklasse mit vier Schülern mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. „Insgesamt aber profitieren wir von der Form des gemeinsamen Lernen“, zog sie ein versöhnliches Fazit.

Ähnliche Schlussfolgerungen zogen Dieter Utsch, Leiter des Bergstadt-Gymnasiums, und Sebastian Wagemeyer, Chef am Zeppelin-Gymnasium, sowie Frank Bisterfeld von der Adolf-Reichwein-Gesamtschule und Marco Sawatzki von der Hauptschule Stadtpark. Das Engagement in den Kollegien sei hoch, auch wenn die Belastungen stiegen.

Friedensschul-Leiter gießt "Wasser in den Wein"

Wenn die entsprechende Unterstützung durch Sonderschullehrer gewährleistet sei – in manchen Stunden seien zwingend Doppelbetreuungen notwendig – könne Inklusion funktionieren. Peter Paul Marienfeld, Leiter der Friedensschule (Förderschule Lernen) goss „Wasser in den Wein“: Er sehe in naher Zukunft keine Verbesserung der Situation. Dadurch, dass sonderpädagogisch geschulte Kräfte für das gemeinsame Lernen an den Schulen eingesetzt werden, fehlten sie an Förderschulen. „Dann entstehen hier Probleme.“

An den weiterführenden Schulen werden zurzeit nach Angaben der Verwaltung 115 Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf unterrichtet.

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