Initiative „Niemand wird vergessen“ in Burg aktiv

Drei Tag lang arbeiteten die Mitglieder der Initiative „Niemand wird vergessen“ auf dem jüdischen Friedhof in Burg und trugen dabei 25 Kubikmeter Grünfabfall zusammen.

Lüdenscheid - Drei Tage Arbeit, mehr als 25 Kubikmeter Grünabfälle und viele nette Gespräche – der jüngste Arbeitseinsatz der Initiative „Niemand wird vergessen“ war ein voller Erfolg. Vom 19. bis zum 22. Juni waren junge Menschen aus ganz Deutschland in der Stadt Burg bei Magdeburg, um den dortigen jüdischen Friedhof instand zu setzen.

Jüdischer Friedhof in Burg

Der jüdische Friedhof wurde nach Information der Initiative im 18. Jahrhundert angelegt, eine erste Benennung des Geländes als „Judenberge“ finde sich 1770. Im Jahr 1911 sei der Friedhof um eine Trauerhalle erweiterte worden. Den Zweiten Weltkrieg habe der Friedhof ohne Zerstörung überstanden, später sei dort ein Gedenkstein für Anne Frank aufgestellt worden. Laut Initiative befinden sich noch etwa 50 erhaltene Grabsteine auf dem Friedhof, von denen aber nur noch wenige lesbar sind. Heute ist die vernagelte Trauerhalle dem Zerfall ausgesetzt, viele Gräber sind durch die Vegetation gar nicht mehr zu erkennen. Die Initiative „Gegen das Vergessen“ setzt sich für den Erhalt jüdischer Friedhöfe ein. 

Jetzt kehrten sie mit vielen neuen Eindrücken zurück in ihre Heimatstädte – unter anderem nach Lüdenscheid.

Wie berichtet, wollte die Gruppe ihr Engagement gegen das Vergessen des einst florierenden jüdischen Lebens nicht auf Lüdenscheid beschränken. Bei der jüdischen Gemeinde in Burg waren die Initiatoren auf offene Ohren gestoßen, es folgten Gespräche sowie eine Friedhofsbesichtigung. „Sowohl an Fronleichnam als auch am Freitag haben wir dann auf dem Friedhof gearbeitet, die Wege freigemacht, Efeu und Äste beseitigt, Grabsteine gereinigt und vieles mehr“, erinnert sich Arne Vollmerhausen im Namen der Gruppe. Da samstags der Sabbat sei, der heilige Wochentag im Judentum, folgte erst am Sonntag der letzte Feinschliff für den Friedhof. Insgesamt acht Personen waren im Einsatz.

„Besonders gefreut hat es uns, dass wir auch neue Mitglieder begrüßen konnten“, so Vollmerhausen. Und: Neben dem Pfarrer i.R. Gremmes war auch Igor Pissetski vom Landesverband Jüdischer Gemeinden Sachsen-Anhalt begeistert vom Ergebnis des Arbeitseinsatzes. „Er besuchte uns jeden Tag und betonte am Ende, dass er den Friedhof noch nie in einem so hervorragenden Zustand gesehen habe“, heißt es von der Initiative, die als kleines Dankeschön israelischen koscheren Wein und Bücher über die jüdischen Gemeinden in Sachsen-Anhalt bekam.

„Igor Pissetski würde sich freuen, wenn wir nächstes Jahr wieder kommen würden, denn es seien noch einige Friedhöfe in einem ähnlich schlechten Zustand“, so Vollmerhausen weiter. Zudem möchte er auch andere Landesverbände über das Engagement der jungen Leute informieren. „Es war ein sehr schöner menschlicher Austausch mit ihm und hat uns ein wenig mit Stolz erfüllt“, heißt es von der Initiative weiter. Der Arbeitseinsatz habe allen großen Spaß gemacht und die Gruppe sei froh gewesen, an den Erfolg in Lüdenscheid angeknüpft zu haben. Denn: Vor zwei Jahren hatte die Gruppe bereits den jüdischen Friedhof am Ramsberg gepflegt. „Uns allen war klar, auch den Neumitgliedern, dass es 2015 ein neues Projekt geben wird.“ - kes

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare