Initiative möchte Bestand der Stadttauben dezimieren

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Der Bestand der Stadttauben in der Lüdenscheider Innenstadt nimmt seit Jahren zu.

LÜDENSCHEID – Für die einen sind sie nach wie vor ein Symbol für Frieden und Sanftmut, für die anderen eher nur noch ein großes Ärgernis: Tauben. Nach vorsichtigen Schätzungen leben mittlerweile rund 200 entflogene Haus- oder Rassetauben in der Lüdenscheider Innenstadt – Tendenz steigend. Engagierte Tierschützer wollen den Bestand der Stadttauben über eine Art „Geburtenkontrolle“ dezimieren.

An der Spitze der neuen Initiative stehen Dr. Gabriele Schuchardt, Karin Nölle und Heidrun Gogolla. Gemeinsam mit möglichst vielen weiteren Mitstreitern möchten die Tierfreunde auf einem Dach oder vielleicht auch in einem etwas versteckten Innenhof ein Taubenhaus installieren, das den Tieren künftig gezielte Nistplätze bietet. Befruchtete Eier könnten die Tierfreunde dann gegen Ei-Attrappen austauschen und den Nachwuchs so deutlich reduzieren.

Karin Nölle und Dr. Gabriele Schuchardt (r.)

 „Wir sind froh und dankbar, dass die Stadt unser Vorhaben unterstützen will“, sagte Dr. Gabriele Schuchardt. Rechtsdezernent Wolff-Dieter Theissen habe zwar deutlich gemacht, dass die Stadt sich an dem Projekt nicht finanziell beteiligen könne, so Dr. Schuchardt. Immerhin aber habe er zugesagt, der Initiative unter anderem bei der Standort-Suche behilflich zu sein. „Wir halten die Geburtenkontrolle in der Tat für einen guten Ansatzpunkt“, sagte Theissen im LN-Gespräch. Klar sei aber auch, dass das Projekt mit einem relativ hohen personellen Aufwand verbunden sei.

Möglichst viele Helfer gesucht

Das sehen Dr. Schuchardt und Karin Nölle ähnlich. „Natürlich sind wir darauf angewiesen, dass wir möglichst viele Helfer finden“, sagte Karin Nölle, schließlich müssten die Tauben am Schlag regelmäßig gefüttert, das Taubenhaus selbst und das Umfeld immer gereinigt werden. Mittelfristig sei daran gedacht, einen eigenen Verein für das Projekt zu gründen.

"Tauben sind eigentlich ganz normale Haustiere"

Dass das Konzept funktioniert, beweisen übrigens vergleichbare Aktionen in zahlreichen anderen Städten des Landes. Mittlerweile existiert sogar eine Bundesarbeitsgruppe Stadttauben, die sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzt und Kommunen, die Handlungsbedarf sehen, Unterstützung anbietet. „Uns geht es auch darum, den Bürgern klar zu machen, dass es sich bei den Tauben eigentlich um ganz normale Haustiere handelt, dass sie aber häufig ein sehr elendes Dasein fristen, weil sich eben niemand um sie kümmert“, meinte Karin Nölle.

Wer die Arbeit der Initiative „Stadttauben“ unterstützen möchte, kann sich diekt an Dr. Gabriele Schuchardt wenden unter Telefon 02351/ 4330157 (Anrufbeantworter) oder unter gabriele-schuchardt@t-online.de. - wil

Kommentar

Die zahlreichen Stadttauben in der Lüdenscheider Innenstadt sind ohne Zweifel nicht das größte Problem, mit dem sich Politik und Verwaltung in diesen Zeiten herumschlagen müssen. Und vor dem Hintergrund eines Rekord-Defizits in Höhe von rund 60 Millionen Euro, der zwingend notwendigen Weiterentwicklung des Bahnhofsgeländes in Richtung Denkfabrik oder auch des bevorstehenden Bürgerentscheids zum Mehrgenerationenspielplatz ist es in der Tat mehr als nachvollziehbar, dass die Verantwortlichen im Rathaus den Bestand der Stadttauben derzeit eher gelassen zur Kenntnis nehmen. Wohl auch deshalb wollen jetzt einige engagierte Tierschützer die Sache selbst in die Hand nehmen. Mit der Einrichtung eines Taubenschlages wollen sie den Vögeln gezielt Nistplätze anbieten, um dann die befruchteten Eier gegen Attrappen auszutauschen. Dass die systematische „Geburtenkontrolle“ grundsätzlich funktioniert, beweisen vergleichbare Konzepte in zahlreichen anderen Städten des Landes. Ob der Erfolg damit aber auch in Lüdenscheid garantiert ist, muss sich erst noch zeigen. In den kommenden Wochen wird es zunächst entscheidend darauf ankommen, sowohl einen geeigneten Standort für den Taubenschlag als auch genügend Mitstreiter für das Projekt zu finden. Die Aktivisten mit Dr. Gabriele Schuchardt, Karin Nölle und Heidrun Gogolla an der Spitze werden großes Durchhaltevermögen beweisen müssen, denn das Konzept ist mit sehr viel Arbeit verbunden. Eine Idee auf den Weg zu bringen, ist das eine. Sie auch wirklich in die Tat umzusetzen, das andere. Einen Versuch ist’s in jedem Fall wert.
Hans Willms

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