Online-Apotheken und Medikamentenmangel

Online-Geschäft und Medikamentenmangel: Inhaber sehen Gefahr für Standort-Apotheken im MK 

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Ifigenia Ropkas, Inhaberin der Post-Apotheke, sieht die Existenz inhabergeführter Standort-Apotheken in Gefahr.

Online-Apotheken und Medikamentenmangel bereiten den heimischen Apothekern in Lüdenscheid Sorgen. 

Lüdenscheid - Es sind keine einfachen Zeiten für die heimischen Apotheken. Ein schon seit geraumer Zeit anhaltender Engpass an gewissen Präparaten erschwert die tägliche Arbeit. Zudem sieht Ifigenia Ropkas, Inhaberin der Post-Apotheke, die Existenz inhabergeführter Standort-Apotheken in Gefahr. Eine ähnliche Meinung vertritt auch Wolfgang Scholz von der Hirsch-Apotheke. 

„Die Online-Apotheken werden von der Industrie besser beliefert als die Standort-Apotheken. So werden die Leute in die Online-Apotheken gedrängt“, sagt Ropkas, die ein Beispiel anführt: „Beim Schilddrüsen-Präparat Euthyrox ist es beispielsweise so, dass wir Apotheken uns für die Belieferung anmelden müssen und anschließend ein gewisses Kontingent zugewiesen bekommen. Ich habe den Eindruck, dass dieses Kontingent geringer ausfällt als für die Online-Apotheken.“ 

Existenz-Sorgen bei Apotheken im MK: Produktion im Ausland stockt

Claus Lueb von der Ratsapotheke sieht einen weiteren Grund, warum sich die Medikamenten-Versorgung derzeit so schwierig gestaltet: „Ein Großteil der Präparate kommt aus dem indischen Raum. Dort kommt man mit der Produktion momentan nicht hinterher.“

Claus Lueb von der Ratsapotheke.

 

Wolfgang Scholz von der Hirsch-Apotheke hat hingegen eine Erklärung für die bessere Belieferung der Versand-Apotheken: „Die Online-Apotheken treten als Großeinkäufer auf und nehmen eine größere Menge ab. Die pharmazeutische Industrie hingegen sieht natürlich zu, die Positionen zu veräußern.“ 

Die Versand-Apotheken, das betont er, seien ihm ein Dorn im Auge. Und er ergänzt, dass er sie als Gefahr für inhabergeführte Standort-Apotheken sieht: „Wir würden uns sicher fühlen, wenn der Wettbewerb mit gleichen Maßen geführt würde.“ 

Existenz-Sorgen bei Apotheken im MK: Versand-Apotheken mit Preis-Vorteil

Da die Online-Apotheken ihren Sitz meist im Ausland haben, sagt Scholz, müssten sich diese nicht an in Deutschland geltende Vorschriften halten. Während in Deutschland eine Preisbindung für verschreibungspflichtige Medikamente gilt, gebe es in vielen anderen Ländern keine entsprechende Regelung. 

Deshalb könnten die Versand-Apotheken mit Sitz im Ausland auch verschreibungspflichtige Präparate zu günstigeren Konditionen anbieten und verschafften sich so einen Vorteil. Hier fehlt es dem Apotheker an Unterstützung: „Dass das von der Bundesregierung geduldet wird, ist eigentlich ein Skandal.“

Wolfgang Scholz von der Hirsch-Apotheke.

 

Etwas mehr Unterstützung seitens der Regierung gibt es in der Corona-Krise allerdings doch. Ist ein Präparat nicht auf Lager, war es zuvor nötig, dass der Kunde mit seinem Rezept zurück zum Arzt geht, um dieses auf ein anderes Präparat umschreiben zu lassen. Dieser umständliche Weg sei nun nicht mehr nötig, sagt Claus Lueb: „Wenn auch nur befristet, können wir Apotheker jetzt von uns aus das Rezept vor Ort ändern und ein anderes Präparat ausgeben. Dies geschieht aber nur nach telefonischer Rücksprache mit dem Arzt.“ 

Eine Besserung der Situation im Hinblick auf den Mangel an gewissen Medikamenten sieht Lueb hingegen nicht: „Ich gehe davon aus, dass die Infektionsgefahr, auch mit dem Coronavirus, im Herbst wieder steigen wird. Dadurch wird die Lieferfähigkeit sicherlich nicht besser.

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