Ingo Diller: „Schröder soll in den Ruhestand gehen!“

CDU-Fraktionsvorsitzender Oliver Fröhling.

LÜDENSCHEID ▪ Erst die Gesundheitsprüfung, dann der Antrag: „Man soll den Tag nicht vor dem Abend, sprich Arzt, loben“, kommentierte Sozialdezernent Dr. Wolfgang Schröder gestern die Berichte über seine Pläne, über seine Pensionierungsgrenze hinaus im Amt zu bleiben. „Erst wenn es aus ärztlicher Sicht grünes Licht für das verlängerte Arbeitsleben gebe, wolle er den Antrag stellen. Erst dann sei der Zeitpunkt für eine offizielle Stellungnahme.

„Ich fühle mich fit und leistungsfähig genug“, sagte Schröder und verwies auf eine Fragestellung, die Franz Müntefering jüngst bei seinem Besuch in Lüdenscheid aufgeworfen hatte: „Was machen die, die leistungsfähig und kraftvoll genug sind, um länger zu arbeiten?“ Beschäftigte hätten heutzutage die Chance, den Ausstieg aus der Arbeitswelt individueller zu gestalten. „Man wird nicht mit 65 verordnet dement.“

Gleichzeitig sehe er in seinen Plänen aber kein Muster für andere: „Ich habe volles Verständnis dafür, wenn diejenigen Rentner und Pensionäre, die ihren persönlichen Interessen nachgehen wollen, das tun.“

Dr. Wolfgang Schröder hatte Bürgermeister Dieter Dzewas und die Vorsitzenden der Ratsfraktionen am Mittwoch erstmalig von seinem Wunsch unterrichtet, bis zu drei Jahre über die Pensionsgrenze von 65 Jahren hinaus als Dezernent tätig zu bleiben. Das Beamtenrecht ermöglicht eine solche Verlängerung. Mit den Stimmen aller Ratsfraktionen war Schröder im September 2008 als Wahlbeamter für weitere acht Jahre bestätigt worden. Im Jahr 2012 wird der Dezernent für Schulen und Sportstätten, Soziales und Jugend 65 Jahre.

Klare Worte fand SPD-Fraktionschef Ingo Diller in einer persönlichen Stellungnahme zu den Verlängerungswünschen von Sozialdezernent Dr. Wolfgang Schröder (CDU): „Er soll in den wohlverdienten Ruhestand gehen!“ Diller verwies darauf, dass sich bei Schröders Wiederwahl 2008 fünf der anwesenden 16 SPD-Ratsmitglieder der Stimme enthalten hätten. Damals habe es „lange und breite Diskussionen“ und eine „gewisse Skepsis in der Fraktion“ gegeben, die auch weiterhin herrschen werde.

Diller kritisierte auch den Zeitpunkt von Schröders Ansinnen: „Gerade im Zusammenhang mit der Verwaltungsreform hätte er doch schon eher was sagen können.“ Denn die SPD-Fraktion habe bereits angefangen, über eine mögliche Nachfolge „aus dem Rathaus“ nachzudenken. Diller bestätigte noch einmal die Pläne der Ampelkoalition, an die Spitze von Schröders Dezernat für Schulen und Sportstätten, Soziales und Jugend zukünftig keinen Dezernenten mehr zu stellen, sondern einen Fachbereichsleiter. Die SPD-Fraktion will sich in ihrer turnusmäßigen Sitzung am Montag mit Schröders Wunsch nach einer dreijährigen Extraschicht beschäftigen.

CDU-Fraktionsvorsitzender Oliver Fröhling begrüßte Schröders Absicht, seine Lebensarbeitszeit zu verlängern: „Ich finde das sehr positiv, weil er einen sehr guten Job macht. Seine Parteizugehörigkeit steht bei ihm eher im Hintergrund.“ Ein solcher Schritt passe in die allgemeine Landschaft der Altersversorgung. Auch andere Arbeitnehmer hätten inzwischen die Aussicht, bis zu ihrem 67. Lebensjahr arbeiten zu müssen. Dazu komme eine Ersparnis für die Stadtkasse, die nicht zuletzt den Kämmerer freuen müsse. In den Plänen der Ampelkoalition zur Besetzung der Dezernatsspitze mit einem Fachbereichsleiter sah Fröhling keinen Hinderungsgrund für Schröders Verbleib im Amt: „Das würde doch lediglich eine Verschiebung bedeuten, die nur diese Verlängerungszeit beträfe.“

Das weitgehend einstimmige Wahlergebnis bei der Wiederwahl Schröders vor zweieinhalb Jahren habe doch gezeigt, dass alle weitgehend einverstanden seien mit der Arbeit des Dezernenten.

Auch die CDU-Ratsfraktion werde sich in ihrer turnusmäßigen Sitzung am Montag über Schröders Wunsch unterhalten, kündigte Fröhling an. ▪ thk

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