400 Nachbarn kamen zur Hauptschule Stadtpark

Information über Flüchtlingsunterkunft Schöneck

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Rund 400 Anwohner waren der sehr kurzfristigen Einladung gefolgt: Einige sprachen über ihre Sorgen und Ängste, doch die meisten begegnen den neuen Nachbarn zuversichtlich.

Lüdenscheid - Ängste und Sorgen, aber auch Zuversicht äußerten die Anwohner bei der Bürgerinformationsveranstaltung in der Pausenhalle der Hauptschule Stadtpark. Die Stadtverwaltung hatte per Flyer eingeladen, nachdem bekannt wurde, dass registrierte Flüchtlinge – „gemeldete Neubürger mit Aufenthaltsstaus“ – vorübergehend in der ehemaligen Grundschule Schöneck untergebracht werden (wir berichteten). Doch auch wenn die Einladung sehr kurzfristig war, kamen um die 400 Nachbarn.

In das ehemalige Schulgebäude zogen am Donnerstag die ersten 54 von vorgesehenen 200 Flüchtlinge ein, informierte Thomas Ruschin, Beigeordneter Soziale Hilfen, gemeinsam mit Martina von Schaewen (Fachdienstleiterin Öffentliche Sicherheit und Ordnung) sowie Frank Löffler vom Fachdienst Soziale Hilfen.

Die stetig ansteigende Zahl an Flüchtlingen würde anhand des Königsteiner Schlüssels auf Städte und Gemeinden verteilt. Aktuell würden Lüdenscheid 100 Flüchtlinge pro Woche zugeteilt“, sagte Ruschin. Die Zahlen seien dramatisch hochgeschnellt. Die Aufnahmemöglichkeiten am Nattenberg, An der Schnappe und in der Gartenstraße seien bereits ausgeschöpft. Die Schule Schöneck diene als Erstaufnahmeeinrichtung. Heißt: Die hier untergebrachten Menschen werden dauerhaft in Lüdenscheid bleiben. Sie bekommen bereits Leistungen und haben ein Konto – aber es stehe eben nicht für jeden sofort Wohnraum bereit.

In jedem Klassenzimmer würden bis zu 16 Personen untergebracht, für die Betreuung stünden derzeit städtische Sozialpädagogen und Erzieher bereit. Sichtschutzzäune werden errichtet, um die Privatsphäre der Neubürger zu gewährleisten. Videoüberwachung des Geländes gilt als Sicherheitsmaßnahme. In regelmäßigen Abständen seien Bürgerinformationsveranstaltungen geplant, versprach Ruschin.

Während sich die einen Sorgen machen, ob Kinder und Frauen künftig noch alleine auf die Straße gehen können, befürchten andere, dass die Flüchtlingskinder den Anwohner-Kindern die Kindergartenplätze wegnehmen könnten. Wiederum andere forderten eine sinnvolle Beschäftigung für die Flüchtlinge, oder sorgten sich, ob die Neubürger überhaupt eine Integration wünschen. Andere wollten wissen, wie sie gezielt helfen können. Hier wurde auf die Flüchtlingsinitiative Lüdenscheid (www.fluechtlingsinitiative-luedenscheid.de) verwiesen.

Während einige Anwohner ihren neuen Nachbarn skeptisch gegenüberstehen, erboste sich eine Lüdenscheiderin: „Die Flüchtlinge werden wie Tiere gesehen, das beschämt mich.“ Integration ist das große Thema: Durch die Gemeinde könnten Begegnungsräume geschaffen werden, es sollen Freizeitangebote eingerichtet werden, zudem könnten die Flüchtlinge durch ein Eingliederungsprogramm beispielsweise beim STL arbeiten. „Es sind viele leistungsbereite Menschen dabei, viele Hochgebildete suchen hier eine neue Zukunft“, versuchte Ruschin den Lüdenscheidern die Ängste und Sorgen zu nehmen.

Auch Personen, die bereits mit Flüchtlingen gearbeitet haben, berichteten von positiven Erfahrungen. Thomas Ruschin: „Ich verstehe Ihre Ängste, aber wir sind zum Erfolg verdammt. Wir müssen Kapazitäten schaffen, die im vierstelligen Bereich liegen und die Menschen davor schützen, obdachlos zu werden.“

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