Corona

Infiziert trotz Impfung: Gesundheitsamt nennt erstmals Zahlen zu Impfdurchbrüchen

Nach der Zuweisung von immer mehr Impfstoff bleiben Termine frei - auch im Märksichen Kreis.
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Nach der Zuweisung von immer mehr Impfstoff bleiben Termine frei.

Mindestens 210.000 Menschen im Märkischen Kreis sind inzwischen durch die Coronaschutzimpfung vollständig geschützt, weitere rund 50.000 haben zumindest ihre Erstimpfung erhalten. Demgegenüber ist die Zahl der Geimpften, die sich mit dem Virus infizierten, verschwindend gering.

Märkischer Kreis – Auf Anfrage gab das Gesundheitsamt an, seit März 40 sogenannte „Impfdurchbrüche“ registriert zu haben. Das entspricht einer Quote von 0,016 Prozent.

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
Einwohnerzahl71.911 (Stand: 31.12.2020)

Die Botschaft des Kreises ist klar: Die Impfung wirkt, auch wenn ein minimales Restrisiko einer Infektion bleibt. Allerdings haben sich die Studienergebnisse bestätigt, dass Betroffene weniger schwer erkranken. „Die 40 Re-Infizierten hatten ausschließlich milde Krankheitsverläufe. Einen Krankenhausaufenthalt gab es bei den Betroffenen nicht“, sagte Kreissprecher Alexander Bange auf Anfrage. Wie viele der Geimpften nach der Erst- beziehungsweise Zweitimpfung positiv getestet wurden, blieb zunächst unklar.

Infiziert trotz Impfung: Bislang vier Todesfälle

Seit Beginn der Impfungen sind nach Angaben des Kreises bislang vier Personen, die mit dem Vakzin von Biontech vollständig geimpft waren, gestorben. Bei ihnen gab es eine zeitliche Nähe zwischen Impfung und Tod, jedoch keinen medizinischen Zusammenhang, wie Kreissprecher Bange deutlich machte. Die Verstorbenen hätten zum Teil schwere Vorerkrankungen gehabt und waren 83, 85, 85 und 101 Jahre alt.

Wie berichtet, stockt der Impffortschritt im Märkischen Kreis seit ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht. Die verbleibenden rund 30 Prozent der zumeist jungen Ungeimpften sind für die Behörden nur schwer zu erreichen. Ein Weg sind nach den Sommerferien Sonderimpfaktionen in den Berufsschulen. „Das Leitungsteam des Impfzentrums ist bereits dabei, ein Konzept zu erarbeiten. Derzeit laufen Gespräche mit den Verantwortlichen“, sagt Bange und bestätigt entsprechende Pläne unter anderem in Lüdenscheid und Iserlohn. Vorteil: Der Kreis ist selbst Schulträger mehrerer großer Berufskollegs.

Eine genaue Aufschlüsselung, welche Impfstoffe in welcher Größenordnung im Kreis verimpft wurden, ist für alle Impfärzte und Impfstationen nicht möglich. Für Impfungen in den Impfzentren in Lüdenscheid und Iserlohn jedoch weiß es der Kreis ganz genau. Bis Mittwoch wurden dort 158.088 Impfdosen von Biontech, 32.316 von Moderna, 35.983 von Astrazeneca und 2.426 der Einmalimpfdosen von Johnson und Johnson verabreicht.

Infiziert trotz Impfung: Corona-Lage bleibt entspannt

Auch wenn der Märkische Kreis die Inzidenzstufe 1 erreicht hat und damit ab Donnerstag neue, etwas schärfere Corona-Regeln in Kraft treten (wir berichteten), bleibt die Corona-Lage entspannt. Erstmals seit zwei Wochen ging die Sieben-Tage-Inzidenz wieder leicht zurück – von 24,1 auf 22,7 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner. Die 15 Neu-Infizierten verteilen sich auf Iserlohn (4), Kierspe (1), Lüdenscheid (4), Menden (3), Plettenberg (1) und Werdohl (2). Fünf Infizierte liegen im Krankenhaus, zwei von ihnen werden intensivmedizinisch betreut.

Der letzte Anstieg der Corona-Zahlen seit Anfang Juli geht im Märkischen Kreis vor allem auf infizierte Reiserückkehrer zurück, wie eine Auswertung des Gesundheitsamts für unsere Zeitung ergab. 48 von derzeit 139 Corona-Infizierten sowie 90 Kontaktpersonen sind Märker, die sich zuvor im Ausland aufgehalten haben. Vorwiegend wurden die Covid-Erkrankungen aus der Türkei, Spanien und den Niederlanden mitgebracht.

Infiziert trotz Impfung: 20.600 MK-Personen gelten als genesen

Nach einem Aufenthalt in einem Hochinzidenzgebiet müssen Rückkehrer ein negatives Testergebnis melden und sich mindestens fünf Tage in Quarantäne begeben. Die Daten erhält auch das heimische Gesundheitsamt. „Von den negativen Testnachweisen erfährt das Gesundheitsamt überwiegend durch das Portal der Einreiseanmeldung, wenn die Nachweise hochgeladen werden“, sagt Kreissprecher Alexander Bange. Wenn sich Rückkehrer dagegen nicht an die Vorgaben halten, gibt es nur in Einzelfällen eine Meldung, dann nämlich, „wenn eine Grenzkontrolle erfolgt ist und dies an das Gesundheitsamt gemeldet wird – bei Einreisen mit dem Auto“, heißt es aus dem Kreishaus.

Kreisweit gelten 20.600 Personen als genesen. Neben Geimpften sind auch Genesene von Einschränkungen befreit. Wenn sie sich nicht impfen lassen, verlieren sie nach sechs Monaten ihre Privilegien. Viele Betroffene blicken da nicht mehr durch. „Offiziell gilt der Genesenen-Status sechs Monate nach Diagnose durch einen PCR-Abstrich. Hier ergaben sich in der Vergangenheit immer wieder Fragen, ob eine oder zwei Impfungen gegen Covid-19 notwendig sind“, berichtet Kreissprecher Bange. Genesene, die gesund sind, sollten nur eine Impfstoffdosis erhalten, heißt es dazu aus dem Kreishaus.

Das Bundesgesundheitsministerium stellte zudem klar: „Von Covid-19 genesene Patienten können ein digitales Impfzertifikat nach einmaliger Impfung auch dann erhalten, wenn die Erkrankung mehr als sechs Monate her ist und deswegen kein Genesenen-Zertifikat mehr ausgestellt werden kann.“ Um ohne zwischenzeitlichen Privilegienverlust direkt vom Genesenen-Status in den Geimpft-Status zu springen, gibt es nun die Möglichkeit, sich bereits ab vier Wochen nach der durchgemachten Infektion impfen zu lassen.

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