Corona bringt Zeitplan durcheinander

Industrieunternehmen aus MK regelt Nachfolge: Neuer Boss ist 22

Müchler Kämper Unternehmen Lüdenscheid
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Weiter fest in Familienhand: Thomas Müchler (Mitte) und seine Söhne Yanik (links) und Sven haben die Unternehmensnachfolge vorbereitet.

Das Lüdenscheider Traditionsunternehmen Kämper wechselt zu Jahresbeginn die Geschäftsführung. Der neue Geschäftsführer ist erst 22 und hat einen klaren Plan.

Corona gab den letzten Kick: „Dadurch ging alles schneller“, sagt Yanik Müchler. Trotzdem ist die Nachfolge für das Lüdenscheider Familienunternehmen Kämper (Drahtumformtechnik) kein Schnellschuss. Unter dem Motto „Kämper – Next Level“ teilt die Familie, die das 1888 gegründete Unternehmen an der Altenaer Straße 184 führt, den Wechsel in der Geschäftsführung zum 1. Januar mit.

Auf Thomas Müchler folgt Sohn Yanik als kaufmännischer Geschäftsführer. Im Sommer hat er, der am 2. Januar 23 Jahre alt wird, sein Bachelor-Studium der Betriebswirtschaft in Köln abgeschlossen. Das Masterstudium, das er ab September aufnehmen wollte, will er nun nebenbei weitermachen. Den Zeitplan habe die Pandemie durcheinandergebracht: „Ab März/April war ich Vollzeit in der Firma tätig.“ Man habe Glück im Unglück gehabt. Zwar sei der Automobilbereich eingebrochen, der etwa einen 50-prozentigen Anteil habe. „Aber wir haben noch viele ältere Maschinen, die haben uns in der Krise gerettet.“ Denn auf denen ließen sich Teile für Haushaltsgeräte, Weißware und die Baubranche herstellen. Daher habe die Firma mit ihren 75 Mitarbeitern das Jahr ganz gut überstehen können.

Thomas Müchler bleibt der Firma erhalten

Thomas Müchler (60) wird der Firma als Beirat und für den Bereich strategische Entscheidungen verbunden bleiben. „So kann er den Stresslevel herunterfahren und sich auf die schönen Dinge konzentrieren“, freut sich Yanik Müchler für seinen Vater. Der bekräftigt seinen Entschluss in einem gemeinsamen Schreiben an die Geschäftspartner: „Ein Familienunternehmen zu führen, es erfolgreich auszurichten und auf Kurs zu halten, ist eine Lebensaufgabe, die ich mit Leidenschaft und Unternehmergeist 30 Jahre meistern durfte. Neben der Familie sind es die vielen Mitarbeiter, die mit mir diesen Weg erfolgreich gegangen sind.“

Der deutsche Mittelstand lebe von seiner Innovationskraft und dem Einsatz motivierter Unternehmer. Daher freut er sich, dass beide Söhne ins Unternehmen einsteigen. Sven Müchler, zwei Jahre älter als sein Bruder, schließt gerade sein Maschinenbau-Studium ab und wird dann die technische Geschäftsleitung übernehmen. Damit ist die 5. Generation am Start – „ein starkes Team“, findet der Vater.

Kämper gilt als Spezialist für die Drahtumformtechnik, verarbeitet alle Werkstoffe, die sich umformen lassen und realisiert Wunsch- Oberflächen. Produktionstechnisch sieht sich die Firma breit aufgestellt. Zum Produktportfolio gehören Drahtbiegeteile, in allen drei Ebenen gebogen, Laserschweißprodukte nach CQI-15, Flachdrahtringe, Schrauben, Bolzen, Achsen, Rändel, Niete. Traditionelle Verfahren wurden weiterentwickelt, aber das Motto des Firmengründers Wilhelm Kämper bleibt unverändert: „Was anderen zu schwierig, zu umständlich, zu kniffelig ist, woran sie geflissentlich vorbeigehen, genau das machen wir.“

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