Indizien sprechen gegen den Helfer der Schmuggler

LÜDENSCHEID ▪ Die Zollfahnderin aus Hannover im Zeugenstand ist sicher: Auf der Anklagebank sitzt genau der Richtige. Zwar nur ein kleiner Helfer. Aber der hat mit an einem ganz großen Rad gedreht. Als Geldkurier für eine international tätige Bande von Zigarettenschmugglern. Doch der arbeitslose Familienvater (41) – „eigentlich bin ich ja selbstständig“ – will von nichts gewusst haben. „Es ging nur um Autohandel.“

Die Arbeitsteilung in der Bande war klar geregelt. In Athen sitzt der Auftraggeber. Von Griechenland aus lässt er die Ware per Lastwagen unverzollt und unversteuert über Belgien nach Deutschland bringen. In Scheunen und Lagerhallen in ganz Deutschland werden zig Millionen von „Kippen“ zwischengelagert und an illegale Händler weiterverkauft. Die bezahlen stets bar. Das Geld holen Kuriere an telefonisch vereinbarten Treffpunkten – gerne an Autobahnraststätten – in Umschlägen ab und leiten es an ihre Auftraggeber weiter. Die kaufen neue Lastwagen dafür und lassen sie nach Griechenland chauffieren. So ist der nächste Transport gesichert und vor allem: das Schmuggelgeld gewaschen.

So weit die Erkenntnisse der Zollfahnder. Sie haben Transportwege, Übergabeorte, Summen, Namen und Termine ermittelt und zumindest den deutschen Teil der Bande am Haken. Ein Komplize des Lüdenscheiders wird in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Das Landgericht Oldenburg hat ihn wegen Geldwäsche und Steuerhehlerei zu drei Jahren und acht Monaten verurteilt. Er hat mehr als eine halbe Million Euro gewaschen.

Er ist der Trauzeuge und gute Freund des Angeklagten – und versucht, ihn zu entlasten. Doch Amtsrichter Thomas Kabus und seine Schöffen glauben kein Wort. Sein Kumpel, lässt der gefesselte Zeuge sich dolmetschen, habe sich für ihn nach Autos erkundigt, die man kaufen und ins Ausland verschieben kann, mehr nicht. Dass der Lüdenscheider dabei unter falschem Namen agiert hat und für die angebliche Übergabe von Listen mit Fahrzeugdaten quer durch die Republik gekurvt ist, macht die Staatsanwältin „sehr sehr sehr stutzig“, wie sie sagt.

Strafverteidiger Jörg Placidus aus Meinerzhagen pocht auf Rechtsprinzipien und plädiert auf Freispruch. „Der Angeklagte muss seine Unschuld nicht beweisen, die Staatsanwaltschaft muss seine Schuld beweisen.“ Für die Anklägerin und das Gericht aber reichen die Indizien aus. Zehn Monate mit Bewährung wegen Geldwäsche für einen Mann, „der uns hier mit einem recht netten Gesicht den ganzen Vormittag anlügt“, wie Richter Kabus sagt.

Olaf Moos

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