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Der Frost kann kommen: So akribisch bereitet sich der STL auf den Kampf gegen Schnee und Glätte vor

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Von: Leon Malte Cilsik

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Andreas Fritz, Betriebsleiter beim STL (links), und Christoph Schubert, Bereichsleiter Reinigung und Winterdienst vor der Salzhalle in Lüdenscheid
Andreas Fritz, Betriebsleiter beim STL (links), und Christoph Schubert, Bereichsleiter Reinigung und Winterdienst, stehen vor dem randvoll gefüllten Salzlager. 800 Tonnen passen in die Halle. © Malte Cilsik

Plötzliche Wintereinbrüche sind der Horror vieler Berufspendler. In Lüdenscheid soll ein immer wieder optimiertes Konzept für Sicherheit auf den Straßen sorgen. Die Winterdienste geben sich selbstbewusst: „Der Winter kann kommen.“

Lüdenscheid – „Es könnte morgen anfangen zu scheinen, wir werden nicht kalt erwischt“, sagt Christoph Schubert, Bereichsleiter für Winterdienst und Reinigung beim Stadtreinigungs-, Transport- und Baubetrieb Lüdenscheid (STL). Die Mitarbeiter sind frisch geschult, die Fahrzeuge gewartet und die Salzhalle gefüllt. Doch noch haben die Winterdienstpläne nicht begonnen. „Im Prinzip ist nach dem Winter für uns vor dem Winter. Wir werten die Saison aus und analysieren etwaige Fehler oder Optimierungspotenzial“, erklärt Andreas Fritz, technischer Betriebsleiter beim STL. Die intensive Saisonvorbereitung beginnt dann im September. Die Mitarbeiter üben sich nach monatelanger Pause im Umgang mit den Fahrzeugen und Streumitteln. „Auch das richtige Organisieren der Bereitschaft ist wichtig. Die Mitarbeiter müssen immer erreichbar und schnell handlungsfähig sein“, betont Schubert.

Das Wetter immer im Blick

Die Bereitschaft beginne dann typischerweise Mitte November – aber das sei wetterabhängig. „Wir verfolgen die Wetterentwicklung laufend auf einem Internetportal und bekommen zudem auf uns zugeschnittene Vorhersagen für die nächsten Tage“, erzählt Schubert weiter.

Der STL verlässt sich dabei auf die Dienste der Wettermanufaktur. Letztlich entscheidet aber der Einsatzleiter über das Ausrücken der Fahrzeuge. „Die Wetterdienste nutzen wir zur Vorbereitung. Wir hängen bei entsprechenden Vorhersagen zum Beispiel schon die Pflüge an oder befüllen die Streuer. Ob wir dann nachts wirklich ausrücken, entscheidet der Einsatzleiter, der ab etwa halb zwei das Stadtgebiet abfährt“, sagt Fritz. Die bergige Topografie Lüdenscheids mit vielen unterschiedlichen Höhenlagen erfordere dieses Vorgehen.

Wenn die Wetterlage es notwendig macht, arbeitet der STL in zwei Schichten – werktags zwischen vier und 20 Uhr und sonntags zwischen sechs und 20 Uhr. Pro Schicht sind rund 100 Personen im Einsatz, 20 von ihnen vom STL. Die Bezirke sind fest zugewiesen, sodass die Mitarbeiter sich dort auskennen.

„Wir sind ständig dabei, unsere Abläufe zeitlich zu optimieren. Beispielsweise lagern wir einen Teil unserer Salzvorräte separat, damit wir die großen Lkw, Multicars und kleinen Gehwegtrekker zeitgleich befüllen können“, sagt Schubert.

Rund 800 Tonnen Salz lagern in Lüdenscheid. Damit ist die Halle vollständig gefüllt. Insgesamt umfasst der STL-Fuhrpark für den Winterdienst rund 70 Fahrzeuge. Unter anderem Lkw, Varios, Multicars und Gehwegtrekker sollen dabei alle Einsatzzwecke und -orte abdecken. Denn der Zuständigkeitsbereich ist groß und vielfältig: Rund 320 Kilometer an Straßen und 660 Kilometer Gehwege muss der STL bei Bedarf von Schnee und Eis befreien.

Um dabei Ressourcen zu sparen und trotzdem die Sicherheit auf den Straßen zu gewährleisten, setzt die STL neben Salz auch Sole aus einer 2019 extra dafür gebauten Anlage ein. Sole ist ein Gemisch aus Wasser und Streusalz und wird beim STL als etwa 22-prozentige Lösung verwendet. Reine Sole wird über einen Streuer präventiv eingesetzt. Bei Temperaturen um die null Grad und feuchten Straßen verhindert der Einsatz die Eisbildung. So kann Salz gegenüber dem präventiven Verwenden von Streusalz gespart werden.

Bei Schneefall oder Glatteis setzt die STL einen kombinierten Sole-Salzstreuer ein. Die Mischung haftet nach Angaben des STL besser auf der Fahrbahn, und es komme nicht so schnell zu Verwehungen. Dadurch werde eine bessere und gleichmäßigere Tauwirkung erreicht.

Schon Salz auf den Autobahnen

Anders als der STL, vermeldet die Autobahnmeisterei Lüdenscheid bereits das erste Salz in diesem Winter auf den Straßen. Am 24. Oktober wurde vorbeugend auf der A45 zwischen Drolshagen und Hagen Süd gestreut. Auch hier sieht man sich gut vorbereitet: „Wir lagern knapp 1 000 Tonnen Salz in Lüdenscheid, dazu kommen weitere 600 Tonnen in den Außenlagern. Unsere Winterdienstpläne laufen bereits seit Oktober“, sagt der stellvertretende Meistereileiter Uwe Neuhaus. In drei Schichten sollen acht Mitarbeiter der Meisterei für Sicherheit auf den Autobahnen sorgen, drei weitere stehen auf Abruf. „Der Winter kann kommen“, versichert Neuhaus.

Doch trotz aller Vorbereitungen mahnt Fritz, dass der Winterdienst ein reaktives Business und das Wetter unberechenbar bleibe. Daher sieht er auch die Bürger in der Pflicht: „Jeder sollte sich rechtzeitig den Wetterbericht anschauen, um böse Überraschungen auf dem Weg zur Arbeit zu vermeiden. Natürlich sind auch Winterreifen Pflicht – bei einer Straßensperrung durch einen Unfall kommt auch der Winterdienst nicht durch.

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