Ein „imposantes“ Vorstrafenregister

LÜDENSCHEID ▪ Er ist in Lüdenscheid geboren und aufgewachsen. Aber wenn’s schlecht läuft für den 28-Jährigen, wird er seine Zukunft in Marokko verbringen. Zum 16. Mal wurde er gestern verurteilt, diesmal wegen versuchten Diebstahls mit Waffen und Nötigung. Neun Monate ohne Bewährung. Nach Justiz und Strafvollzug ist dann ist die Ausländerbehörde am Zuge.

Es ist der Abend des 5. März 2009. „Ich war ein bisschen in Geldnot“, berichtete er gestern dem Schöffengericht. Arbeitslos, unter Drogeneinfluss und den Termin für den nächsten Haftantritt schon wieder in der Tasche, strolcht der Mann durch die Straßen. Sein Blick bleibt an einer offenen Tür hängen, hinter der eine Treppe in die Sozialräume über einer Metzgerei führt. Im Aufenthaltsraum nimmt er ein „Butterschmiermesser“ vom Tisch, wie er sagt, und macht sich damit an einem Spindschloss zu schaffen. „Und dann kam der.“

„Der“ ist ein 26 Jahre junger Metzgermeister mit breiten Schultern und dicken Armen. Er erzählt dem Richter, wie er Geräusche gehört hat und vorsichtig nach oben gegangen ist. „Auf dem Weg habe ich mir eine Kehrschaufel gegriffen.“ Er überrascht den Dieb in flagranti. Der will raus, muss aber an dem Fleischer vorbei. Der kräftige Handwerker erinnert sich: „Und dann habe ich mit der Schüppe draufgehauen.“ Ob er denn verletzt worden sei, will Amtsrichter Thomas Kabus von dem Angeklagten wissen. „Nicht so richtig. Aber so’ne Beule hatte ich.“

Bis dahin: versuchter Diebstahl. Als der Metzgermeister den Dieb im Schwitzkasten hat, hört er die Worte: „Wenn du mich nicht gehen lässt, steche ich dich ab.“ Da wird’s dann zu versuchtem Diebstahl mit Waffen und Nötigung. Der Metzger sagt: „Da ist die Tür. Hau ab!“ Im Gerichtssaal sagt der Dieb: „Da wäre nix passiert, ich hätte niemals zugestochen.“ Und bittet um Entschuldigung.

Strafverteidiger Heribert Golumbeck aus Dortmund startet noch einen Versuch. Sein Mandant wirke etwas „seltsam“, sagt er. Und kommt auf Medikamente zu sprechen, die gegen Psychosen helfen sollen. „Die habe ich in der Haft genommen, aber wieder abgesetzt“, sagt der 28-Jährige.

Das Gericht kommt Golumbecks Bitte um eine Bewährung nicht nach. Kabus nennt das Vorstrafenregister „imposant“. Der Rechtsanwalt wird der Ausländerbehörde über das Urteil berichten müssen. Der Richter wünscht trotzdem „ein schönes Wochenende“.

Olaf Moos

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