Erster Tag

Impfzentrum Lüdenscheid: Ausharren bei minus 8 Grad - Rollatorfahrer stürzt

Erster Tag im Impfzentrum in Lüdenscheid.
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Erster Tag im Impfzentrum in Lüdenscheid.

Der Start in den Impfzentren lief aus Sicht des Märkischen Kreises gut an. Die Senioren, die teils lange Anfahrtswege hinter sich hatten, sehen aber noch Verbesserungsbedarf. Das frostige Wetter machte die Situation für die Über-80-Jährigen nicht leichter - auch weil sie vor der Halle warten mussten.

Lüdenscheid – Eisige Temperaturen, entschlossene Senioren: „Bis 17 Uhr waren 170 geimpft. Neun haben ihre Termine nicht eingehalten“, lautete der erste Zwischenstand nach drei Stunden Impfbetrieb an Tag eins auf dem Loh, der erst um 20 Uhr endete. „Es scheint gut zu laufen“, sagte Kreis-Pressesprecher Hendrik Klein. 264 Impfungen für die Generation 80plus standen auf dem Plan.

Kurz vor 14 Uhr hatte sich vor dem Absperrgitter bereits eine Gruppe Wartender zusammengefunden. Sie kamen aus Menden, Hemer, Iserlohn oder Kierspe und reihten sich, überwiegend geduldig, in die Schlange ein. Begleiter packten Rollstühle aus, Taxifahrer hoben Rollatoren aus dem Kofferraum, manche Senioren stützten sich auf einen Stock oder den Arm eines jüngeren Helfers. „Wir kommen aus Iserlohn-Henne“ erzählte die Tochter von Dieter Erdtmann (83). „Er hat nur darauf gewartet, sich impfen zu lassen,“ sagte sie: „Er fühlt sich dann einfach sicherer.“ Aber: „Beim Hausarzt wär’s einfacher gewesen“, stellte sie angesichts der mehrstündigen Unternehmung fest.

Erst um 14.30 Uhr war der Termin. Doch so heiß ihr Vater auf die Impfung sei, so kalt war’s draußen vor der Halle. Die Wartesituation, so kritisierte Dieter Erdtmanns Tochter, sei nicht gut. Bei minus acht Grad wurde das Ausharren mühsam. „Das sind ja alles Leute mit Vorerkrankungen, die weht ein Windhauch um.“

Der Tipp, bitte pünktlich zu kommen und nicht zu früh, wurde längst nicht immer beachtet. Das Impfteam – 24 sind pro Schicht im Einsatz – reagierte flexibel und beschleunigte den Ablauf wo es ging. Der soll sich weiter einspielen: Ab Montag werde auch vormittags geimpft.

Impfzentrum Lüdenscheid: Erster Tag der Impfung

Impfzentrum Lüdenscheid: Erster Tag der Impfung
Impfzentrum Lüdenscheid: Erster Tag der Impfung
Impfzentrum Lüdenscheid: Erster Tag der Impfung
Impfzentrum Lüdenscheid: Erster Tag der Impfung
Impfzentrum Lüdenscheid: Erster Tag der Impfung

Punkt 14 Uhr gab’s für die Wartenden eine kurze Anweisung, dass nur, wer nicht alleine gehen könne, eine Begleitperson mitnehmen dürfe. Dass zunächst nur die 14-Uhr-Termine vorrücken durften ins Empfangszelt, sorgte direkt für Unmut bei dem einen oder anderen. Schnell kamen auch zwei Männer wieder schimpfend aus dem Zelt: „Wir haben keinen Termin bekommen.“

Dass das Zentrum nicht spontan aufgesucht werden darf, hat einen einfachen Grund, betont der Kreis: „Für nicht angemeldete Personen gibt es keinen Vorrat an Impfstoff. Der wird täglich angeliefert.“ Im Zentrum werden auch keine Termine vergeben. Wer seinen Termin am Montag wegen des Wetters nicht wahrnehmen konnte, kann heute zur angegebenen Impfzeit kommen. Damit erfüllt der Kreis die Vorgabe des Landes.

Erster Tag im Impfzentrum in Lüdenscheid.

Dass pünktlich zum Auftakt noch ein Schneepflug zwischen den Wartenden Parkplatz und Wege freiräumen musste, sei nötig, befand Hendrik Klein. Die Stadt mache das alle zwei Stunden: „Der Wintereinbruch hat uns überrascht. Alle.“

Auch Günter Horst zeigte sich überrascht, besonders über den langen Weg seitlich hinaus aus der Halle. Der 82-Jährige hatte sich mit der Taxe zum Loh fahren lassen. Später bereute er, alle Begleitangebote abgelehnt zu haben, denn auf dem beschwerlichen Rückweg fiel der Rollatorfahrer hin. Auch der Taxifahrer, den er per Handy mühsam herbeilotsen musste, rutschte nochmals mit seinem bejahrten Fahrgast aus auf dem Weg zum Auto. „Warum lässt man die Taxen nicht da hinten vorfahren?“, fragt Günter Horst. „Das ist sehr gefährlich.“

Wie der Kreis mitteilte, hatten Helfer am Montagmorgen die direkte Zuwegung zur Historischen Schützenhalle Loh in Lüdenscheid von Eis und Schnee geräumt. Das zuständige Logistikunternehmen lieferte den Impfstoff von Biontech & Pfizer auf Grund des Wetters zwar leicht verspätet, aber dennoch rechtzeitig. Das Team des Impfzentrums traf sich bereits zwei Stunden vor der ersten Schutzimpfung, um letzte Details abzustimmen.

In unzähligen Probedurchgängen waren die Abläufe vorher immer wieder geübt worden. „Das hat sich bezahlt gemacht, denn auch in der Praxis hat am ersten Tag alles reibungslos funktioniert“, berichtet Dr. Gregor Schmitz. Der ärztliche Leiter des Impfzentrums im Märkischen Kreis zog am Montag eine positive Bilanz vom ersten Tag: „Man kann dem Team und allen Beteiligten des Impfzentrums, aber auch den zu impfenden Menschen ein dickes Kompliment aussprechen: Es ist ruhig und besonnen verlaufen.“

Im Impfzentrum der Historischen Schützenhalle Loh in Lüdenscheid sind zwölf Impfkabinen eingerichtet. Zum Impfstart am Montag wurden fast alle geplanten Impfungen in der Zeit zwischen 14 und 19.30 Uhr durchgeführt. Wer nicht kommen konnte, kann am Dienstag zur gleichen Zeit ohne neue Terminvereinbarung zum Impfzentrum nach Lüdenscheid kommen. Die Geh- und Fahrwege rund um die Schützenhalle werden regelmäßig von Schnee und Eis geräumt.

Ab Montag wird auch vormittags geimpft. Durch die kurzfristige Zuteilung von knapp 3.000 Impfdosen von AstraZeneca können jetzt weitere Personen der höchsten Priorisierungsstufe (zum Beispiel ambulante Pflegedienste, Hozpizmitarbeiter oder Rettungsdienstpersonal) bis Ende Februar geimpft werden. Die Impfberechtigten bzw. ihre Arbeitgeber erhalten in den nächsten Tagen eine entsprechende Information vom Kreis oder direkt vom Impfzentrum. Die Terminbuchung erfolgt nicht über die von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) betriebene Terminsoftware. Die Koordinierungseinheit hat hierfür zusammen mit dem Kreis eine eigene Terminsoftware freigeschaltet.

Fragen und Antworten zum Impfzentrum in Lüdenscheid.

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