E-Mails von Impfkritikern

Er kritisierte Impf-Warnung eines Kollegen: Ärztesprecher meldet sich erneut zu Wort

Ein Lungenfacharzt kritisiert die Corona-Impfung - ihm wird deutlich widersprochen. Doch der Impfstreit zieht heftige Reaktionen nach sich.

Lüdenscheid – Hohe Wellen schlug die Kritik des Ärztesprechers Dr. Martin Junker an dem Lüdenscheider Lungenfacharzt Dr. Martin Wylicil. Der Mediziner hatte auf seiner Internetseite vor der Coronaschutzimpfung gewarnt. Der Impfstreit löste zahlreiche Reaktionen aus - besonders aus den sozialen Medien gab es Gegenwind für Junker.

StadtLüdenscheid
Landkreis Märkischer Kreis
Einwohnerzahl72.313 (Stand: 31.12.2019)

Kritik an Impfungen: Ärztesprecher erhält E-Mails von

Wie wir bereits berichteten, warnte der Lungenfacharzt aus Lüdenscheid vor Corona-Impfung und erntete für seine Haltung eine Menge Kritik vonseiten Dr. Martin Junkers, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe für den Märkischen Kreis sowie die Kreise Olpe und Siegen-Wittgenstein.

Der Lüdenscheider Impfstreit fand bundesweite Beachtung und löste zahlreiche Reaktionen aus. In den sozialen Medien und in Leserbriefen wird insbesondere Dr. Martin Junker, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe für den Märkischen Kreis sowie die Kreise Olpe und Siegen-Wittgenstein, ins Visier genommen. Er hatte die Aussagen des Lüdenscheider Arztes sowie des Vereins „Ärzte für individuelle Impfentscheidung“ kritisiert, in seiner Olper Praxis gingen daraufhin am Wochenende unzählige E-Mails unter anderem von Impfkritikern ein.

Er kritisierte Impf-Warnung eines Kollegen: „Missverständliche Kürzung“ seines Zitats

Gegenüber come-on.de meldete sich Junker am Montag erneut zu Wort. Seiner Meinung nach wurde sein Zitat „Der Verein ,Ärzte für individuelle Impfentscheidung’ gehört nach meiner Auffassung in die Querdenkerriege. Da sträuben sich einem die Nackenhaare“ in dem Bericht „missverständlich verkürzt“ dargestellt.

Seine gesamte Aussage sei stattdessen folgende gewesen: „Den Verein könnte man nach meiner Auffassung in den Bereich der Querdenkerriege verorten, beziehungsweise er leistet denen Vorschub, wenn man manche Verlautbarungen liest. Und wenn ich manche Gegenargumente zum Impfen (allgemein) lese, dann sträuben sich mir die Nackenhaare“. Das könne er mit seinem ärztlichen Gewissen nicht mehr verantworten.

Er kritisierte Impf-Warnung eines Kollegen: Junker will Impfgegner Wylicil nicht rechtlich verfolgen lassen

„Viele der dort aufgeführten Argumente sind eigentlich schon gegenteilig dargelegt worden“, schreibt der Ärztesprecher in einer Stellungnahme. Natürlich gebe es zur Corona-Impfung aus vielen Gründen noch ungeklärte Informationen, die aber seines Erachtens nicht eine generelle Ablehnung rechtfertigten. Dr. Junker: „Wir haben derzeit eigentlich keine andere Wahl, trotz eventueller Risiken, als dabei mitzumachen.“

Der Familienarzt aus Olpe, der 1318 Ärzte und Psychotherapeuten in der Region vertritt, tritt zudem dem Eindruck entgegen, er wolle den Kollegen Wylicil rechtlich „verfolgen lassen“. Er habe lediglich erwähnt, dass es wohl eine juristische Überprüfung geben könnte, ob die Homepage und diese Impfwarnung berufsrechtlich, mit Verweis auf den „Verein für individuelle Impfentscheidung“, korrekt ist.

Er kritisierte Impf-Warnung eines Kollegen: Junker schätzt Wylicils Arbeit

Dabei greift er eine Debatte auf, die seit mehreren Jahren innerhalb der Ärzteschaft geführt wird. Demnach wurde bereits bei früheren Deutschen Ärztetagen diskutiert, „ob sich öffentliche Warnungen vor Impfungen (im Sinne der freien Meinungsäußerung) mit der Berufsordnung für Ärzte vereinbaren lassen. Keine ganz einfach zu beantwortende Frage, denn Ärzte unterliegen über ihre Berufsordnung auch anderen Restriktionen, zum Beispiel einem Werbeverbot. Vor diesem Hintergrund hätten die juristischen Abteilungen der Ärztekammer Westfalen-Lippe beziehungsweise der KVWL die Impfwarnung des Lüdenscheider Pneumologen zu prüfen, sagt Junker.

„Die ärztliche Tätigkeit des Kollegen Wylicil schätze ich im Übrigen uneingeschränkt als jahrzehntelang tätigen Lungenfacharzt und ich bedaure, wenn ihm diese Diskussion schaden sollte“, betont der Ärztesprecher. Aber die öffentliche Diskussion zu seiner Haltung bezüglich des Impfens sei ja längst schon im Märkischen Kreis weit verbreitet gewesen – auch vor der Veröffentlichung auf come-on.de. Er habe als Ärztesprecher dazu schon vielfache Rückfragen von Kollegen und anderen, die diese Haltung nicht für richtig finden, zu beantworten gehabt, sagt Junker

Rubriklistenbild: © Cedric Nougrigat

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