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Lungenfacharzt aus Lüdenscheid warnt vor Corona-Impfung und erntet Kritik

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Von: Jutta Rudewig

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Dr. Martin Junker steht als Bezirksstellenleiter an der Spitze der 1.318 Ärzte und Psychotherapeuten im Märkischen Kreis sowie in den Kreisen Siegen und Olpe. Er kritisiert einen Lungenfacharzt aus Lüdenscheid vor, der auf seiner Homepage vor der Corona-Impfung warnt.

„Der Verein ,Ärzte für individuelle Impfentscheidung’ gehört nach meiner Auffassung in die Querdenkerriege. Da sträuben sich einem die Nackenhaare.“ Dr. Martin Junker, Facharzt für Allgemeinmedizin in Olpe, steht als Bezirksstellenleiter an der Spitze der 1.318 Ärzte und Psychotherapeuten, die im Märkischen Kreis sowie in den Kreisen Siegen und Olpe niedergelassen sind. Für die Aussagen eines Mediziners aus Lüdenscheid, der sich mit Bezug auf den umstrittenen Verein offen gegen die Coronaschutzimpfung ausspricht, hat Junker kein Verständnis. Er will die Aussagen seines Kollegen nun juristisch prüfen lassen. (News zum Coronavirus im MK)

StadtLüdenscheid
LandkreisMärkischer Kreis
BundeslandNordrhein-Westfalen

Lungenfacharzt aus Lüdenscheid warnt vor Corona-Impfung und erntet Kritik

Es geht um den Lüdenscheider Lungenfacharzt Dr. Martin Wylicil. Der Pneumologe warnt auf seiner Homepage vor den Risiken einer Coronaschutzimpfung. „Aktuell werden sogenannte ,Impfzentren’ aus dem Boden gestampft, um bei einer möglichen Zulassung eines Corona-Impfstoffes in rascher Folge massenweise impfen zu können“, schreibt er auf seinem Internetauftritt.

Und an seine Patienten gewandt fährt er fort: „Sie wissen, dass ich in meiner Praxis durchweg zu den etablierten Impfungen rate und sie täglich durchführe – sei es die Kombinationsimpfung Tetanus/Diptherie/Keuchhusten/Polio, seien es Indikationsimpfungen (Influenza, Pneumokokken), Reiseimpfungen (Hepatitis), Impfungen gegen FSME (Zeckenübertragbare Erkrankung).“ Er selbst sei „aus schulmedizinischen Gründen natürlich absoluter Befürworter von Impfungen und selbstverständlich selber gegen diese Erkrankungen geimpft.“

Coronaschutzimpfung: Arzt aus Lüdenscheid übt Kritik am Verfahren

Dennoch beurteile er „die Entwicklung eines Coronaimpfstoffes mit ,verkürztem Zulassungsverfahren’ als riskant und nicht zielführend. Es handelt sich um eine völlig neue Impftechnik, die bisher so am Menschen noch nicht zugelassen wurde“. Um Langzeitschäden zu beurteilen, seien im Rahmen der Zulassungsbestimmungen Beobachtungszeiten von acht bis zehn Jahren vorgegeben und auch absolut notwendig:

„Die Verkürzung dieses Zeitraumes bei der Entwicklung von Corona-Impfstoffen auf weniger als ein Jahr ist riskant im Hinblick auf mögliche Spätschäden. Dazu kommt, dass das eigentliche Ziel, das vorgegeben wird – nämlich die Verbreitung des Coronavirus zu verhindern – in den jetzigen Studien gar nicht nachgewiesen wird.“ Er empfiehlt seinen Patienten auch in den sozialen Medien dringlichst, sich anhand eines Positionspapieres des Vereins „Ärzte für individuelle Impfentscheidung“ selbst zu informieren. Der Verein und seine Positionen sind allerdings umstritten.

Das Positionspapier wirft Fragen auf nach Profiteuren der Impfung, und auch, welche wissenschaftliche Evidenz es dafür gibt. Die Nebenwirkungen sind ein Thema, ebenso die Frage danach, wie lange eine durch den Impfstoff induzierte Immunität anhält. Man warne daher eindringlich davor, in der Pandemie einen möglichen Impfstoff zum zentralen Lösungsansatz zu machen, der die Ausbreitung des Virus eindämmt und die Wiederherstellung rechtsstaatlicher Verhältnisse an die Verfügbarkeit eines solchen Impfstoffes zu koppeln.

Verein „Ärzte für individuelle Impfentscheidung“

Der umstrittene Verein „Ärzte für individuelle Impfentscheidung“ ist nach eigenen Angaben eine gemeinnützige Organisation von Ärzten, die Schutzimpfungen grundsätzlich als einen Bestandteil ärztlicher Vorsorge ansehen, aber den Erhalt einer freien, individuellen und verantwortungsvollen Impfentscheidung nach differenzierter, umfassender und ergebnisoffener Beratung für alle Menschen einfordern. Der Verein hat seinen Sitz in Herdecke. Polarisierende Positionen sowohl auf fachlicher als auch auf gesellschaftspolitischer Ebene würden abgelehnt. Im November 2020 veröffentlichte die Organisation ein Positionspapier, in dem sie sich sowohl gegen eine Impfung gegen COVID-19 als auch gegen etwaige damit einhergehende Privilegien positionierte, und erntete dafür Kritik. 

Eine flächendeckende Anwendung oder allgemeine Coronavirus-Impfempfehlungen hält man bei dem Verein für unverantwortlich. Das Gewähren oder Versagen grundgesetzlich verbriefter Menschenrechte dürfe in keinem Fall an eine Impfentscheidung oder den Nachweis von Antikörpern gegen bestimmte Erreger geknüpft werden, heißt es seitens des Vereins. Und eine Pandemiebekämpfungsstrategie, die sich im Wesentlichen auf die Verfügbarkeit und Wirksamkeit zwangsläufig noch unzureichend geprüfter Impfstoffe gründe, werde abgelehnt.

Coronaschutzimpfung: Mediziner aus Lüdenscheid in der Kritik

Der Lüdenscheider Pneumologe will mit der örtlichen Tageszeitung nicht persönlich sprechen. „Leider bin ich beruflich dermaßen ausgebucht, dass es zurzeit nicht möglich ist, noch zusätzliche Termine wahrzunehmen“, heißt es in einer E-Mail von Dr. Martin Wylicil. Er verweist auf das Positionspapier der ,Ärzte für individuelle Impfentscheidung e.V.“ und seine Stellungnahme auf seiner Homepage.

Den Verweis auf den Verein und sein Positionspapier, den der Lüdenscheider Pneumologe als Informationsquelle bezüglich der Corona-Schutzimpfung anrät, hält Dr. Martin Junker für bedenklich: „Ich impfe seit 43 Jahren, rund 1.100 Mal pro Jahr.“ Er sei selbst geimpft und habe keine Probleme damit: „Ich akzeptiere Skepsis, aber Leute aufgrund von unausgegorenen Halbwahrheiten zu verunsichern, halte ich für fahrlässig – oder auch vorsätzlich.“

Coronaschutzimpfung: Haltung des Arztes bei Kassenärztlicher Vereinigung bekannt

Eine Anfrage in der Pressestelle des Klinikums Lüdenscheid zum Impf-Thema blieb trotz mehrfacher Zusage über drei Tage unbeantwortet. Bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) hingegen war man sofort sprachfähig. Die Haltung des Lüdenscheider Mediziners ist dort bekannt. Die Aussagen Junkers lösten im Zuge des Impfstreits zahlreiche Reaktionen aus - besonders aus den sozialen Medien gab es Gegenwind für den Bezirksstellenleiter.

Bezirksstellenleiter Dr. Junker hat bereits den Verwaltungsvorsitzenden der KVWL informiert und darum gebeten, bei der Ärztekammer in Münster nachzufragen, wie die öffentliche Haltung des Arztes gegebenenfalls juristisch zu bewerten ist: „Da denken Ärzte und Juristen mitunter unterschiedlich. Wir haben als Ärzte die Grundverpflichtung, zu helfen und zu heilen.

Die Argumente dieses Vereins sind weder bewiesen noch belegt. Sie stammen aus einem Zeitraum, in dem es noch keine Belege gab. Vieles ist inzwischen tiefer gegenbelegt. Ich finde das unverantwortlich. Selbst wenn Impfungen nur einen Teilschutz geben, so ist es immerhin ein Teilschutz. Jeder mag denken, was er will, aber das sollte man dann für sich behalten.“

Die Aussagen Junkers lösten im Zuge des Impfstreits zahlreiche Reaktionen aus - besonders aus den sozialen Medien gab es Gegenwind für den Bezirksstellenleiter.

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