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Impf-Diskussion: Schulleiter im MK wehrt sich gegen Vorwurf, Druck auszuüben 

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Von: Thomas Machatzke

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Schulgebäude bei Sonnenschein
Wer darf mit auf Klassenfahrt? Die Frage polarisiert dieser Tage an der Adolf-Reichwein-Gesamtschule am Lüdenscheider Wehberg. © Cedric Nougrigat

Impfdruck oder Risikoabwägung? Die Meinungen gehen auseinander, auch an der Adolf-Reichwein-Gesamtschule in Lüdenscheid.

Lüdenscheid - Dort hatte Schulleiter Frank Bisterfeld seinen Standpunkt zu einer möglichen 2G-Regelung bei Klassenfahrten ausführlich dargelegt, die Risikoabwägung, an der ein Schulleiter in Zeiten der Pandemie nicht vorbeikommt, eindrücklich beschrieben. Die Einschätzung der „anderen Seite“, also jener Eltern, die diese Risikoabwägung als Impfdruck auf ihre Kinder verstehen und dies so auch ohne Nennung von Namen der Zeitung zum Ausdruck gebracht hatten, hat den Schulleiter der Gesamtschule vom Wehberg dann aber doch enttäuscht.

„Wenn jemand anonym bleiben möchte, weil er für sein Kind Repressalien befürchtet, dann trifft mich das ganz besonders“, sagt Bisterfeld. „Wir sind eine tolerante Schule, an der es so etwas nie gegeben hat. Hier wird niemand in Sippenhaft genommen. Hier wird auch auf niemanden Druck ausgeübt. Ich verstehe nicht, warum man nicht ganz offen das Gespräch suchen kann. Ich habe die Schule nun eineinhalb Jahre gut durch die Pandemie geführt, aber so etwas habe ich noch nicht erlebt.“

Fragebogen auf Initiative der Elternschaft

Bisterfeld stößt sich dazu noch an zwei anderen Punkten. Zum einen möchte er klarstellen, dass der bei den Siebtklässlern verteilte Fragebogen auf Initiative der Elternschaft vom Klassenlehrer erstellt worden ist und keineswegs von der Schulleitung. In diesem Fragebogen war bei den Eltern abgefragt worden, ob man das eigene Kind geimpft zur Klassenfahrt mitschicken oder es zumindest im Infektionsfall auf Amrum abholen wolle. „Hier ist ein falscher Eindruck entstanden. Damit hat die Schulleitung nichts zu tun,“ sagt Bisterfeld, „dies ist ausdrücklich ein Wunsch der Eltern in dieser Klasse gewesen.“

Daneben stößt sich der Schulleiter an der generellen Einschätzung, das 2G-Thema bei Klassenfahrten würde an seiner Schule polarisieren. „Ich habe zuletzt eine Elternpflegschaftssitzung gehabt, bei der Klassenfahrten auch ein Thema waren,“ erklärt Bisterfeld, „aber da gab es keine einzige Rückmeldung dieser Art.“ So wertet Bisterfeld die Klage der zitierten Eltern doch eher als Meinung einer Minderheit. Beim Gros der Rückmeldungen, die er erhalten habe, hätten die Beteiligten ganz im Gegenteil Verständnis für die vorsichtige Haltung der Schule gezeigt.

Der Schulleiter will nun nach vorne schauen. Mit Blick auf andere Schulen, die derzeit auch Klassenfahrten planen, will er auch für seine Gesamtschule nach Lösungen besuchen. Das dreimalige Testen aller Schülerinnen und Schüler ab der nächsten Woche könne, so Bisterfeld, dabei hilfreich sein. Er begrüßt diesen Schritt sehr. Es könne auch Sicherheit für neue Fahrten geben.

Und dann wünscht sich Frank Bisterfeld noch etwas: Klare, verbindliche Vorgaben vom Land NRW, um bei Klassenfahrten Rechtssicherheit zu haben. „Von der Landesregierung“, sagt Bisterfeld, „sind wir bei diesem Thema viel zu lange im Regen stehen gelassen worden.“

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