Sie halten sich an alle Coronaschutzmaßnahmen, aber...

Lockdown-Paar boykottiert Impfung - wenn es dafür nach Lüdenscheid muss

Die Medizinische Fachangestellte Karin Ulrich zieht eine Spritze mit dem Corona-Impfstoff auf.
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Impfstart in Lüdenscheid: Die Medizinische Fachangestellte Karin Ulrich zieht eine Spritze mit dem Corona-Impfstoff auf.

Sie nehmen jede Lockdown-Maßnahme ernst, bleiben schon seit Monaten zu Hause. Jetzt müssen sie - so ihre Befürchtung - für die Coronaschutzimpfung nach Lüdenscheid fahren. Das werden sie nicht tun. Im Nordkreis wächst der Widerstand.

Märkischer Kreis – Geht es nach den Vorstellungen der Bundes- und Landesregierung verhalten sich Jutta und Manfred Weber im Kampf gegen das Coronavirus geradezu vorbildlich. Aus Angst vor Ansteckung haben sich die beiden Mittsiebziger „einkaserniert“, wie Manfred Weber sagt. Vor der für Dienstag angekündigten Verschärfung der Coronaschutzmaßnahmen ist ihm daher nicht bange: „Wir sind doch sowieso schon seit Monaten im totalen Lockdown.“

Webers befinden sich in totalem Lockdown zuhause - Corona-Impfung könnte das ändern

Die Webers lassen sich nahezu alles liefern. Das Haus verlassen sie nur für Arzttermine. Dann besorgt Manfred Weber FFP2-Masken für sich und seine Frau. „Fünf Euro pro Maske für jeden – also zehn Euro für zehn Minuten im Wartezimmer. Das ist es uns wert“, erklärt Weber. Und natürlich wollen sie sich auch gegen das Virus impfen lassen – wenn, ja wenn sie dafür nicht ins Impfzentrum nach Lüdenscheid fahren müssten.

Die Webers wohnen in Hemer im Norden des Märkischen Kreises. Dass sie ihre Impfung – wenn sie an der Reihe sind – derzeit nur im Impfzentrum in Lüdenscheid bekommen, ist für Jutta und Manfred Weber ein Grund, die Impfung zu boykottieren. „Wir haben mal in Altena gelebt, das war schon damals eine Kreuzfahrt bis nach Lüdenscheid. Jetzt benötigen wir 35 bis 45 Minuten. Das machen wir absolut nicht. Lüdenscheid ist eine schöne Stadt, aber nicht, wenn man in Hemer wohnt“, sagt Manfred Weber.

Corona-Impfung nur im Impfzentrum in Lüdenscheid - Menschen aus dem Nordkreis sind sauer

Wie ihnen ginge es derzeit vielen Menschen aus dem Nordkreis, sagen die Eheleute. Sie wünschen sich dringend eine Alternative zu Lüdenscheid – zur Not auch außerhalb der Kreisgrenzen. „Nach Hagen sind es mit dem Auto von uns nur 15 Minuten. Warum ist das nicht möglich?“, fragt Weber.

Die Antwort kennt Kreissprecherin Ursula Erkens: Die Zuweisung und die Verteilung der Impfstoffe erfolge kreisscharf. Eine Impfung außerhalb der Kreisgrenzen sei nicht vorgesehen, sagt Erkens. Wann das geplante Impfzentrum in Iserlohn-Dröschede an den Start geht ist noch nicht sicher. Los geht es voraussichtlich am 1. Februar im Impfzentrum in Lüdenscheid. Angesichts der derzeit verfügbaren Impfstoffe ist eine Impfung beim Hausarzt oder gar zuhause noch nicht abzusehen, heißt es. Innerhalb der Ärzteschaft gibt es auch Mediziner, die vor der Corona-Impfung warnen.

Fahrt zum Impfzentrum ist für viele Ältere ein großes Problem und eine unüberwindbare Hürde

Die Webers sind mobil, das ist aber längt nicht bei allen Impfberechtigten der Fall. Es gibt sogar Lüdenscheider, für die der Weg zum Impfzentrum in der Schützenhalle am Loh eine Herausforderung darstellt, wenn sie zum Beispiel bettlägerig oder auf einen Rollstuhl angewiesen sind – außerhalb der Bergstadt wird es noch komplizierter. „Wie Impfberechtigte, die nicht mobil sind, zum Impfzentrum kommen, darauf haben wir noch keine schlüssige Antwort“, sagt Kreissprecherin Erkens.

Sie verweist auf eine Empfehlung des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen, der seinen Mitgliedskassen nahelegt, die Fahrtkosten zum Impfzentrum zu übernehmen. Dies gilt aber offenbar nur ab bestimmten Pflegestufen. Noch in dieser Woche sollen alle Über-80-Jährigen, die nicht in einer Pflegeeinrichtung leben, ein Informationsschreiben des Märkischen Kreises zur Coronaimpfung erhalten. Ab dem 25. Januar können dann Termine vereinbart werden – zunächst aber nur für das Impfzentrum in Lüdenscheid. Ein neu entwickeltes Online-Tool errechnet aufgrund einiger persönlicher Angaben, wann auch Personen anderer Prioritätengruppen dran sind.

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