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 Immobilien-Markt in Lüdenscheid: Preise für Häuser fallen

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Von: Leon Malte Cilsik

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Es kommt Bewegung in den Immobilienmarkt: Heimische Makler berichten von steigenden Bauzinsen und sinkender Nachfrage. Dennoch seien Immobilien nach wie vor eine sichere Geldanlage.
Es kommt Bewegung in den Immobilienmarkt: Heimische Makler berichten von steigenden Bauzinsen und sinkender Nachfrage. Dennoch seien Immobilien nach wie vor eine sichere Geldanlage. © Cedric Nougrigat

Lokalen Maklern zufolge bestimmen die steigenden Zinsen, Inflation und Brückensperrung den Lüdenscheider Immobilienmarkt.

Lüdenscheid – Den Traum vom Eigenheim träumen anscheinend wieder weniger Menschen: Die seit etwa einem Jahrzehnt durch niedrige Zinsen und knappen Wohnraum konstant gestiegene Nachfrage nach Immobilien ist auch in Lüdenscheid seit etwa vier Monaten leicht rückläufig.

Die drei von den LN befragten Makler sind sich einig, dass steigende Zinsen, die Inflation und speziell in Lüdenscheid die Brückensperrung und die absehbare Kostal-Schließung eine Trendumkehr unwahrscheinlich machen. Von einer platzenden Immobilienblase spricht dennoch niemand.

Die Bauzinsen haben sich innerhalb weniger Monate verdreifacht.

Michael Bruchhage, Immobilienmakler

Steigende Zinsen, sinkende Nachfrage

„Im Dezember lagen die Bauzinsen teilweise noch unter einem Prozent, das Interesse an Immobilien war ungebrochen hoch – während der Pandemie hat die schon seit zehn Jahren steigende Nachfrage sogar noch einmal zugenommen“, erinnert sich der Lüdenscheider Immobilienmakler Michael Bruchhage. Daran habe auch die Brückensperrung zunächst wenig verändert, zumindest im privaten Bereich.

„Gewerbliche Objekte ließen sich zunehmend schlechter vermarkten, je mehr Details zur Dauer des Neubaus bekannt wurden“, ergänzt Ann Christin Ehrendorf, die mit ihrem Maklerbüro an der Werdohler Straße ansässig ist. Beide sind sich einig: Richtig Bewegung in den Lüdenscheider Immobilienmarkt kam – wie auch bundesweit – erst im März, als im Zuge der Inflation und des Krieges in der Ukraine die Zinsen stiegen.

„Ab März zogen die Zinsen merklich an und haben sich mittlerweile verdreifacht“, sagt Bruchhage, „Zudem verlangen die Banken auch immer mehr Eigenkapital für die Baufinanzierung.“ Das habe sich direkt in der Nachfrage bemerkbar gemacht: „Es ist oft nicht mehr eine Frage des Wollens, sondern des Könnens. Weite Teile der Mittelschicht können sich zu den heutigen Konditionen und Lebenserhaltungskosten kein Einfamilienhaus mehr leisten.“

Ehrendorf fügt an: „Es wird sogar zu vermehrten Zwangsversteigerungen kommen, wenn die Zinsbindungen für Darlehen auslaufen und sich die Betroffenen eine Erhöhung nicht leisten können. Das könnte über die nächsten Jahre für kontinuierlichen Nachschub auf dem Immobilienmarkt sorgen.“ Von diesen Entwicklungen seien sowohl Ein- und Mehrfamilienhäuser – auch Investoren würden immer vorsichtiger – als auch im kleineren Maßstab Eigentumswohnungen betroffen.

Viele Hausbesitzer werden zur Versteigerung gezwungen sein.

Ann-Christin Ehrendorf, Immobilienmaklerin

Die Folge: Die Immobilienpreise sinken, finanzieren können sie trotzdem immer weniger. „Wir beobachten in Lüdenscheid aktuell die Verlagerung von einem Verkäufermarkt, in welchem die Immobilien teilweise weit über ihrem eigentlichen Wert verkauft wurden, hin zu einem Käufermarkt, in welchem Faktoren wie die energetische Sanierung einen viel höheren Stellenwert einnehmen“, sagt Bruchhage.

„Früher ist es für uns schwierig gewesen, Objekte zum Vermarkten zu bekommen, aber es war einfach, sie zu verkaufen. Nun ist es andersherum“, pflichtet Ehrendorf bei. Sie verweist jedoch in diesem Kontext darauf, dass die Nachfrage in beliebten Stadtteilen wie Oeneking, Othlinghausen und Buckesfeld ungebrochen hoch sei.

Wie sich die angekündigte Schließung der Kostal-Standorte auf den Immobilienmarkt auswirken wird, wagen weder Bruchhage noch Ehrendorf zu prognostizieren – sicherlich aber nicht positiv.

„In Lüdenscheid kommen neben den bundesweiten Dynamiken noch einige Faktoren hinzu. Hier die Entwicklung des Immobilienmarktes vorherzusagen, ist wie der Blick in die Glaskugel“, sagt Bruchhage. Beide Makler gehen davon aus, dass die Immobilienpreise zunächst weiter fallen werden, sich dann aber auf einem etwas niedrigeren Niveau – Ehrendorf verortet dieses knapp über dem Verkehrswert – stabilisieren werden.

An eine Immobilienblase glauben beide nicht, die Nachfrage sei noch immer vorhanden, wenn auch von einer leicht veränderten Klientel.

Lohnt sich der Immobilienkauf?

Doch welche Schlüsse sollten Kaufinteressenten nun aus diesen Entwicklungen ziehen? Wenn es nach Osman Cilingir geht, schaffe die Investition in Immobilien nach wie vor finanzielle Sicherheit. „Ein abbezahltes Objekt ist Gold wert“, sagt der Makler, der mit seinem Büro an der Werdohler Straße auf mehr als 30 Jahre Erfahrung in der Branche zurückblickt.

„Ich habe schon einige Immobilienkrisen miterlebt, die wohl schlimmste 2008. Das, was aktuell passiert, zähle ich noch nicht dazu.“ Dabei habe er gelernt: „Selbst bei acht Prozent Zinsen kann man Immobilien verkaufen und außerdem sinkt die Kauflust stets nur zeitweilig.“ Doch müsse ein Kauf gerade in diesen Zeiten solide finanziert sein: „Ich glaube zwar nicht, dass die Bauzinsen durch die angekündigte Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank weiter steigen werden, aber ausschließen kann man dies nicht und sollte für diesen Fall vorbereitet sein.“

Ich habe einige Immobilienkrisen erlebt, das aktuell zähle ich nicht dazu.

Osman Cilingir, Immobilienmakler

Dies gelte – so der Konsens unter den befragten Maklern – aber sowieso für diejenigen, die sich aktuell noch ernsthaft für einen Immobilienkauf interessieren. „Die Kunden sind stets gut informiert und wissen genau, was sie finanzieren können. Dass sie sich in den aktuellen Zeiten trotzdem für einen Kauf entscheiden, spricht, denke ich, für sich“, fasst es Bruchhage zusammen.

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