Liebe bis ins hohe Alter

Trotz schlimmer Schicksalsschläge: Familie Berlin und das Geheimnis einer glücklichen Ehe

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Martin und Lydia Berlin.

Lüdenscheid - Lydia und Martin haben vor 65 Jahren geheiratet. Das war damals eine andere Zeit. Dennoch sind sie immer noch glücklich verheiratet - trotz schlimmer Schicksalsschläge. Was jüngere Paare von ihnen lernen können. 

„Lydia, schenk mir noch einen Kuss, weil ich dich lieben muss“, singt Martin Berlin seiner Ehefrau Lydia vor. Gerührt freut sich die Lüdenscheiderin über das Ständchen ihres Ehemanns, mit dem sie am Montag Eiserne Hochzeit feierte. Kennen und lieben gelernt haben sich Martin und Lydia Berlin im August 1953. 

Martin Berlin war Soldat in der ehemaligen DDR, stationiert in Glöwen in Mecklenburg-Vorpommern. „Eines Abends haben wir uns im Tanzlokal ,Die Heide‘ kennengelernt. Ich wollte gerade gehen, da sind wir uns über den Weg gelaufen. Er sagte zu mir, dass er mich doch kenne und ließ mich da nicht mehr los“, erzählt Lydia Berlin.

Hochzeitspaar

Sie lebte damals mit ihrer Familie in Kletzke, heute ein Teil der Gemeinde Plattenburg in Brandenburg. Bereits im Oktober 1953 hielt Martin Berlin um die Hand seiner Frau an. „Das war damals so, das waren ganz andere Zeiten. Aber schön war sie“, sagt Martin Berlin. Am 11. März 1954 wurde geheiratet. 

„Um 11 Uhr fand die standesamtliche und um 14 Uhr die kirchliche Hochzeit statt. Es war eine richtige Bauernhochzeit mit 80 Personen. Gratuliert hat uns das ganze Dorf“, strahlt Lydia Berlin. 

Am 11. September 1959 flüchtete dann das Ehepaar mit ihren beiden Söhnen im Alter von drei und vier Jahren in die BRD. Zuerst ging es nach Hahn bei Rastede in ein Flüchtlingslager, dann nach Hattingen, wo Martin Berlin Arbeit bei einem Bauunternehmen fand. 

„Die Bezahlung war sehr schlecht, und so sind wir 1961 zu einer Tante nach Hagen gezogen“, erzählt Lydia Berlin. Dort wurde im selben Jahr die Tochter geboren und Martin Berlin arbeitete bei den Dolomitwerken. 21 Jahre später kaufte sich das Ehepaar zusammen mit dem ältesten Sohn ein Haus in Brügge und hatte jahrelang einen Schrebergarten am Wehberg.

„Meinen Garten habe ich sehr geliebt“, blickt Martin Berlin zurück, der in Lüdenscheid zunächst als Gabelstapelfahrer, später als Friedhofsgärtner beim evangelischen Kreiskirchenamt arbeitete. 

1992 verstarb die Tochter des Ehepaars im Alter von 31 Jahren. Ihre drei Söhne wuchsen fortan bei Lydia und Martin auf. Vor zwei Jahren ereilte die Familie der nächste Schicksalsschlag: Der jüngste Sohn verstarb mit 59 Jahren. 

2018 bezogen Lydia und Martin Berlin ein Doppelzimmer im Johanniter-Stift Oeneking. „Wir haben es uns hier richtig schön gemacht. Die beiden Betten stehen als Ehebett zusammen und wir konnten viel von zuhause mitnehmen“, sagt Martin Berlin.

Lydia Berlin ist auch heute noch sehr aktiv. Sie schreibt Gedichte und eigene Lieder, strickt und häkelt für die Urenkelkinder, ihren Mann und sich selbst. „Ich würde sie immer wieder heiraten. Sie ist eine tolle Frau“, sagt Martin Berlin und schaut seine Lydia ganz verliebt an.

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