Immer noch keine Klarheit in Sachen Zivildienst

Bald Geschichte: Zivis sind eine aussterbende Art.

LÜDENSCHEID ▪ Mit dem Ende des Wehrdienstes endet auch für Kriegsdienstverweigerer der Zivildienst. Am 31. Dezember sollen die letzten Zivis endgültig aus ihrem Dienst entlassen werden, an seine Stelle tritt dann der Bundesfreiwilligendienst (BFD). In vielen sozialen Einrichtungen in Lüdenscheid wird der Wegfall der helfenden Hände Spuren hinterlassen.

Zehn Zivildienstleistende beschäftigt momentan das Deutsche Rote Kreuz Lüdenscheid. Zur Zeit gebe es noch keine personellen Konsequenzen, da die Zivis noch bis Mitte des Jahres bleiben, erklärt Geschäftsführer Gerd Tolksdorf. Vom BFD hält er aber gar nichts und glaubt nicht, das sich dafür überhaupt jemand melden werde: „Wozu? Wenn man stattdessen eine Ausbildung oder ein Studium beginnen kann“, so Tolksdorf. Um den jungen Menschen den Dienst beim DRK dennoch schmackhaft zu machen, wird eine Ausbildung zum staatlich geprüften Rettungssanitäter angeboten, die vom DRK finanziert wird. Die Aufgaben der Zivis können aber auch auf diesem Weg nicht komplett übernommen werden. Für den Transport von Schwerbehinderten, die gerne am öffentlichen und kulturellen Leben teilnehmen möchten, müssen für die Abendstunden zusätzliche Kräfte auf 400-Euro-Basis eingestellt werden.

Dass der BFD keine vergleichbare Alternative für den Zivildienst ist, glaubt auch Ingrid Weirich vom Seniorenwohnheim an der Weststraße. Während sie normalerweise acht Zivis beschäftigt, sind es derzeit nur noch zwei. „Bewerbungen für den BFD und auch für den Zivildienst hätte ich schon im Januar bekommen müssen, bis jetzt ist keine einzige da“. Hoffnung, dass da noch welche reinkommen werden, macht sich Weirich auch nicht. Die Zivis im Seniorenheim haben vor allem handwerkliche und technische Aufgaben erledigt, die jetzt komplett von den Hausmeistern übernommen werden müssen. Um den BFD für junge Leute attraktiver zu gestalten, müsse ihnen schon mehr Geld geboten werden, glaubt sie.

„Noch nicht in Zugzwang“ sieht sich dagegen Thomas Köppelmann, Leiter für Presse und Öffentlichkeitsarbeit am Klinikum Lüdenscheid. Die Verträge der über 60 Zivis laufen in unterschiedlichen Zeitabständen dieses Jahr aus. „Den Bundesfreiwilligendienst wollen wir gerne nutzen, die Gesetze sind aber noch nicht in trockenen Tüchern“.

Tatsächlich in Kraft treten soll das Gesetz zum BFD erst am 1. Juli diesen Jahres, zu diesem Zeitpunkt beginnt auch die finanzielle Förderung. Wie die Resonanz dann wirklich sein wird, weiß Köppelmann daher noch nicht.

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