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Immer mehr Details nach Betrügereien und Korruption am Klinikum

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Von: Olaf Moos

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Klinikum Lüdenscheid
Symbolbild © Cedric Nougrigat

Der Hauptangeklagte (54) im Betrugsprozess rund um Handwerker-Leistungen am Klinikum Hellersen ist dem Rat seines Verteidigers, Rechtsanwalt Dominik Petereit, gefolgt – und hat seine Beteiligung an den lukrativen Machenschaften weitgehend eingeräumt. Sein mutmaßlicher Komplize, ehemals in der technischen Abteilung des Krankenhauses beschäftigt, ist noch zurückhaltender.

Lüdenscheid - Doch nach und nach kommen immer mehr Details ans Tageslicht. So schildert der Installateur auf Fragen des Vorsitzenden Andreas Behrens zum Beispiel, dass er für seine Firma in den Katakomben der Untergeschosse ein eigenes Büro mit Lager unterhielt.

Als der Richter von einem „Geheimbüro“ spricht, an dessen Eingangstür aber ein „Friseur“-Schild hing, erklärt der 54-Jährige: „Alle wussten das, die Techniker des Hauses haben uns sogar Telefon- und Internetzugänge installiert.“

Auch die Frage, ob sich die Kollegen quasi als Gegenleistung für die „freizügige“ Zusammenarbeit mit dem Handwerksbetrieb dem Verdacht der Vorteilsnahme ausgesetzt haben, spielt zunehmend eine Rolle in dem Prozess. Der Installateur schildert, dass „nicht nur bei dem Mitangeklagten zu Hause Leistungen erbracht wurden“.

Teils habe man Bäder „zum Freundschaftspreis“ saniert, jedoch „ordnungsgemäß abgerechnet“. Teils habe es sich auch um Schwarzarbeit gehandelt. „Einmal habe ich das unmoralische Angebot bekommen, die Kosten für ein privates Bad über die Klinik abzurechnen, das habe ich erst mal abgelehnt.“

Doch dass er dem Mitangeklagten, verteidigt von Rechtsanwalt Karl-Werner Lohmann, für 16 000 Euro ein Bad gebaut habe und zum Teil über dessen Arbeitgeber abrechnen sollte – „den Rest wollte er so bezahlen“ – bestreitet der 40-Jährige. Es seien „nur“ 5000 Euro gewesen, und er habe lange auf die Rechnung gewartet.

Die Chat-Protokolle in seinem Dienstcomputer, den die Polizei ausgewertet hat, liefern andere Erkenntnisse. Der Beisitzer der Kammer warnt den Lüdenscheider eindringlich, bei der Wahrheit zu bleiben. Weitere Zeugen aus dem Klinikum, gegen die ebenfalls Ermittlungsverfahren liefen, aber eingestellt wurden, sind vorgeladen. Der Installateur sagt: „Es kann mir keiner erzählen, dass die nichts gewusst haben.“

Der Prozess wird am Montag, 9 Uhr, im Saal 101 des Landgerichts fortgesetzt.

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