Sehr flexible Ersatz-Oma

Lüdenscheid - Als sich Ilona W. dazu entschließt, die Bereitschaftpflege im Rahmen des Pflegekinderdinestes des Jugendamtes zu übernehmen, hat sie sich dies im Vorfeld gut überlegt und mit ihrem Mann und Kindern besprochen. „Mir war es sehr wichtig, dass die gesamte Familie damit einverstanden ist und alle waren begeistert.“

Drei Jahre ist das nun her und die Zwischenbilanz fällt durchweg positiv aus: „Ich bereue keinen Tag“, sagt die 55-Jährige. „Wir geben den Kindern ein Stück Geborgenheit und sie geben uns mit ihrer Dankbarkeit, die in ihren Augen zu sehen ist, so viel zurück. Das macht einfach Spaß und Freude.“

Wenn die Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) erkennen, dass ein Kind akut aus seiner Familie herausgenommen und in einer Bereitschaftspflegefamilie untergebracht werden muss, steht Familie W. sofort bereit. Meistens bleiben die Kinder nicht länger als sechs Monate. Die Bindung soll nicht zu intensiv werden, denn ihre langfristige Zukunft liegt dann entweder in der Ursprungsfamilie oder in Pflegefamilien, die sie dauerhaft aufnehmen oder auch in einer Adoption.

Bei den Ws. ist die Ausstattung des Kinderzimmers komplett auf Kleinkinder bis drei Jahre abgestimmt. „Ich habe ein gewisses Alter erreicht, in dem ich mich nicht mehr um Kindergarten oder Schule kümmern möchte. Ich finde, da brauchen die Kinder jüngere Leute. Ich sehe mich eher als Oma-Ersatz“, sagt Ilona W. und lacht. Ein großes Herz müsse man haben für die Kleinen, Kinder lieben und bereit sein, ihnen Geborgenheit zu schenken und ihnen ein behütetes Umfeld zu bieten.

Die Kinder, die kommen, geben das Tempo vor. Wenn erkennbar ist, dass nun andere Bezugspersonen übernehmen können, erfolgt behutsam die Anbahnung zu einer Pflegefamilie. „Ein erstes Kennenlernen, nach und nach ein längeres Verweilen des Kindes in der neuen Familie – dieser Prozess wird natürlich vom Pflegekinderdienst des Jugendamtes begleitet, der die Hintergründe kennt und immer intensiv einbezogen ist“, sagt Diplomsozialpädagogin Stefanie Dittmar.

„Wenn das Kind sich nach und nach statt der Bereitschaftspflegemutter mehr der Pflegemutter zuwendet, dann nehme ich mich zurück, muss loslassen können. Das klappt auch immer, auch wenn es nicht immer leicht ist. Denn ich habe die Kinder ja auch in der kurzen Zeit liebgewonnen, und wenn sie gehen, nehmen sie ein Stück von meinem Herzen mit. Auch ein paar Tage trauern gehört dazu“, schildert Ilona W. den Ablösungsprozess.

Dann aber freut sie sich auf das nächste Kind, denn jede neue Bereitschaftspflege bedeutet eine neue spannende Herausforderung. „Man muss bereit sein, sich immer wieder auf neue Situationen einzustellen. Auf alles hat uns das Jugendamt supergut vorbereitet und alle Eventualitäten angesprochen.“

Die Umgangskontakte verlaufen in der Regel anonym. Manchmal bleibt aber auch ein Kontakt zu den künftigen Eltern. Das ist von Fall zu Fall verschieden.

Was aber auf jeden Fall bleibt, sind Erinnerungen und Bilder der bisher zwölf liebevoll betreuten Kinder, die auf einer großen Bilderwand im Flur von Ilona W. und ihrer Familie verewigt sind, und es werden mit Sicherheit weitere folgen. „Wir machen das sehr gerne für die Kinder.“

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