Illhardt verabschiedet sich aus der Altstadt

Jost Illhardt geht mit dem Modellbau-Zweig aus der Altstadt fort. Der Bastelbereich steht, weil ein Nachfolger fehlt, vor dem Aus.

Lüdenscheid - „Wo kriege ich das bloß?“ – „Bei Illhardt.“ Ob Karton im Zebradesign, passende Perlen fürs Sommerkleid-Kettchen oder das Chippendale-Sofa für die Puppenstube – die Bastelabteilung des Fachgeschäfts in der Altstadt hält seit 30 Jahren die ganze Bandbreite der Selbstmach-Trends bereit. Am 30. September gibt Jost Illhardt mit dem Standort auch diesen Geschäftszweig auf.

Wie es aussieht, ist der Umzug auch das Ende für das in Lüdenscheid in Umfang und Vielfalt einzigartige Angebot. Drei Aushilfen und eine Vollzeitkraft sind davon betroffen. Den Modellbau-Bereich, der das Untergeschoss des Gebäudes an der Ringmauerstraße belegt, führt er jedoch mit seinem Mitarbeiter weiter. Derzeit sucht der 52-Jährige Räume am Stadtrand, wo die Kunden problemlos mal eben den Modellhubschrauber oder den Miniatur-Straßenflitzer ausprobieren können. Auch Parkplätze am Geschäft sind wichtig, denn wer eine komplette Rennbahn kauft, „der will die nicht durch die Stadt schleppen“.

„Das Kernproblem ist: Mir fehlt ein Nachfolger“, sagt der Lüdenscheider. Den Bastelbereich zusätzlich auf Dauer weiterzuführen, überfordere ihn zeitlich. Dazu kommt, dass das Gebäude an der Ringmauerstraße vor zwei Jahren an einen Investor verkauft wurde und eine Mieterhöhung ins Haus steht. Daher sei es Zeit für einen Schnitt. Dass er den nun ausgerechnet im Jubiläumsjahr machen muss, schmerzt: „Am 1. Oktober haben wir eröffnet.“ Ob es nach dem Umzug nahtlos weitergehen kann, hängt auch davon ab, ob es rechtzeitig mit neuen Räumen klappt.

Noch hat er zudem die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es mit einem Nachfolger für die Bastelabteilung klappt. Zwar habe er Gespräche geführt, aber konkret ergeben habe sich nichts. Das Sortiment weiter zu pflegen und auch auszubauen, sei sicherlich erforderlich. Zudem könne man die Kurse wieder aufleben lassen, in denen die Kunden das ausprobieren könnten, was sie interessiert.

Die Perspektive für ein Bastelgeschäft in Lüdenscheid sei sicher da, zumal das Internet in diesem Bereich nach seiner Erfahrung keine wirkliche Konkurrenz sei. „Ich würde das auch weiter unter meine Fittiche nehmen“, sichert Illhardt zu. Ein Nachfolger wäre also nicht auf sich alleine gestellt.

Von der Altstadt verabschiedet er sich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Sie ist sehr schön“, sagt er, aber die Aussicht, im Falle einer EU-Förderung in einer Großbaustelle zu agieren, ist für den Einzelhändler erst einmal nicht verlockend. Auch sei der Standort zwar für Stammkunden kein Problem, aber mehr Laufkundschaft sei wichtig. Und was wird aus seinen derzeitigen Geschäftsräumen? „Eventuell“, so vermutet er, „kommen hier Wohnungen rein.“

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