August: Karin Löhr

Karin Löhr. ▪

LÜDENSCHEID ▪ „Als ich mich mit 30 Jahren zum Studium eingeschrieben habe, da war das für mich wie ein Geschenk.“ Bescheidenheit und Bodenständigkeit sprechen aus diesem Satz, und damit kommt man wesentlichen Charaktereigenschaften von Karin Löhr schon sehr nahe. Von Martin Messy

Nach dem Realschulabschluss und einer Lehre zur Bäckereifachverkäuferin machte sie über den zweiten Bildungsweg den Fachhochschulabschluss und studierte schließlich Sozialarbeit in Dortmund. „Nach der Schule war ich erst einmal schulmüde. Um so begeisterter habe ich dann studiert.“ Die Begeisterungsfähigkeit hat sich die heute 64-Jährige erhalten und damit eine Menge erreicht und bewegt. Die LN haben Karin Löhr zur Lüdenscheiderin des Monats August gewählt.

Zum 61. und letzten Mal präsentierte sie am Mittwoch das Kursprogramm der Awo-Familienbildungsstätte. 30 Jahre stellte sie die Angebote zusammen, in denen sich auch die gesellschaftliche Entwicklung widerspiegelte. „Anfangs gab’s Gesprächskreise zur Persönlichkeitsbildung, Veranstaltungen zum sauren Regen, Frauenseminare zur Sexualität. Heute hat vieles den Hintergrund, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren, was sehr wichtig ist. Es geht um Erziehungsfragen, Mutter-Kind-Kurse. Aber auch die Väter müssten viel mehr mit einbezogen werden oder Großeltern“, sagt sie. „Ich bin jeden Tag gerne zur Arbeit gegangen“, fügt sie hinzu. „Das Programm stand immer da, wo ich stehe.“ Ab dem 1. Oktober ist dieses Kapitel zu Ende. „Ich werde danach nicht als graue Eminenz am Duisbergweg herumspuken. So etwas mache ich nicht.“

Aber sie wird auch im Ruhestand ein wenig ruhelos bleiben. „Menschen zu motivieren, sich zu engagieren für die Gemeinschaft, ist so wichtig. Ich lass’ mich gern begeistern und muss mich manchmal selbst bremsen.“ Davon profitierte die Awo als Arbeitgeber, aber auch die SPD. In einem sehr evangelisch-christlichen Elternhaus in Bochum aufgewachsen, wurde der Opa, der auf der Zeche arbeitete, zum Vorbild. „Der war zwar nie in der SPD, aber bekennender Gewerkschafter. Ich bin 1972 in die SPD eingetreten, weil ich Willy Brandt unterstützen wollte.“ Nie hat sie sich später in einen Posten gedrängt, sondern wurde immer gefragt: „Ich bin da dann reingewachsen.“ SPD-Orts- und Stadtverbandsvorsitzende war sie und nach wie vor ist sie im Jugendhilfe-, Sozial- und Senioren- sowie im Bauausschuss aktiv. „Ich gebe ja nicht nur, ich bekomme auch viel zurück“, betont Karin Löhr, die seit 40 Jahren ihren Lebensgefährten Klaus Wieber zuverlässig an ihrer Seite weiß.

Ehrenamtlich will sie in der Awo aktiv bleiben, ebenso in der SPD. Aber über mehr Zeit für den Garten und fürs vernachlässigte Klavierspielen freut sie sich schon. „In Hektik geraten will ich jedoch nicht. Der Spruch ‚Rentner haben keine Zeit‘ lasse ich nicht gelten“, lacht sie. Wir sind gespannt.

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