Sexueller Missbrauch: 49-Jährigem drohen mehrere Jahre Haft

Lüdenscheid - Zehn Jahre beträgt die Höchststrafe für schweren sexuellen Missbrauch von Kindern. Und fünf Jahre zusätzlich für sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen. Beides wirft die Staatsanwältin dem 49-jährigen Staplerfahrer aus Lüdenscheid vor.

Nur ein schnelles und umfassendes Geständnis kann ihm helfen, das Gefängnis noch in diesem Jahrzehnt zu verlassen.

Strafverteidiger Dirk Löber setzt auf Verfahrensabsprachen. Das Opfer, die zwölfjährige Nichte des Angeklagten, soll geschützt werden. Der Vertreter des Mädchens, Rechtsanwalt Dominik Petereit, sowie die Staatsanwältin und der Verteidiger verhandeln unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit der 1. großen Strafkammer über Modalitäten des Prozesses. Nach den Gesprächen teilt der Vorsitzende Richter Marcus Teich mit, dass im Falle einer Verurteilung ein Strafmaß zwischen dreieinhalb und vier Jahren in Betracht komme. Voraussetzung sei unter anderem, dass er weder aufgehobene noch verminderte Schuldfähigkeit wegen Alkoholgenusses geltend mache. Auch die Staatsanwältin und der Vertreter der Nebenklage hielten dies für „sachgerecht“, so Richter Teich.

Doch der Angeklagte tut sich offenbar schwer, zu seinem Verbrechen zu stehen. Er sei in der fraglichen Nacht von sieben bis acht Flaschen Bier „benebelt“ gewesen und habe zudem unter der Trennung von seiner Frau gelitten, erklärt er. „Ich habe die ganze Zeit meine Frau im Kopf gehabt.“ Auch seine Schilderung der Tat fällt in Details „harmloser“ aus als die Darstellung des Mädchens. „Als sie weinte, habe ich sofort aufgehört.“

Die Zwölfjährige übernachtet häufig bei ihrem Onkel. Ihre Mutter sagt über ihn: „Wir hatten ein gutes Verhältnis.“ Es sei nie was Auffälliges passiert. Doch am Morgen nach der Vergewaltigung auf der Couch im Wohnzimmer sei das Kind in der Schule zusammengebrochen. Vertrauenslehrerin, Klinikum, Polizei heißen ihre nächsten Stationen.

Mehrere SMS-Botschaften, in denen ihr Onkel um Verzeihung fleht, beantwortet sie nicht. Er sagt: „Ich bin gar nicht damit klargekommen, was ich für’n Scheiß gebaut habe.“ Nach weiteren Bieren schneidet er sich in seinem Auto die Pulsadern auf. Vorher tippt er in sein Handy: „Ich kann nicht damit leben. Lebt wohl, vergesst mich nicht!“ Er wird gefunden, verarztet und eingesperrt.

Die Mutter – „Berufskraftfahrerin, derzeit Hausfrau“ – und ihre Ehefrau erzählen über das Mädchen. „Sie ist generell ein schwieriges Kind“, heißt es. Das Jugendamt war schon vorher tätig, etwa wegen Schulschwänzerei. Jetzt ist das Mädchen in einer Einrichtung untergebracht. Eine Polizistin antwortet auf die Frage des Richters nach den Familienverhältnissen: „Ein ziemliches Durcheinander.“

Der Prozess wird am Dienstag um 9 Uhr im Saal 201 des Landgerichts Hagen fortgesetzt.

Von Olaf Moos

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