„Ich habe so viel Blödsinn gemacht“

LÜDENSCHEID ▪ Mit brachialer Gewalt und einem Gullydeckel waren am 11. August ‘11 mehrere Männer in eine Tankstelle in Werdohl eingebrochen. Ausbeute: vier Stangen Zigaretten. Einer der Täter, ein 26-jähriger Maler aus Lüdenscheid, musste sich wegen Bandendiebstahls gestern Morgen am Amtsgericht in Altena verantworten.

Im Grunde war der Lüdenscheider aus Geldnot in diese Bande hineingeschlittert. „Zu der Zeit hat mich meine Freundin des Öfteren vor die Tür gesetzt. Ich habe getrunken, hing in einer Spielhalle herum“, gab sich der Angeklagte vor Richter Dirk Reckschmidt zerknirscht. In dieser Spielhalle habe er auch Kontakt zu der Bande bekommen. „Ich kannte die, wusste, was sie in etwa machen. Und denen ging es gut.“ Mit der Aussicht auf 500 Euro willigte er ein, beim nächsten „Bruch“ mitzumachen.

Der Angeklagte hebelte den schweren Kanaldeckel aus einem Schacht. Dann verließ ihn aber nach eigener Einlassung der Mut. Ein anderer Täter warf den Gullydeckel in ein Schaufenster der Tankstelle, der Angeklagte verbreiterte das Loch, durch das die Bande ins Innere gelangte. Er selbst ging nicht mit. Als dann ein Polizist auftauchte, nahm der 26-Jährige die Beine in die Hand. Und erlitt einen heftigen Schrecken, im Grunde den für ihn sprichwörtlichen „Warnschuss“, denn der Beamte feuerte einmal in die Luft. Dennoch floh der 26-Jährige weiter, versteckte sich unter Gestrüpp vor den Polizisten, die nach ihm suchten. „Ich habe die ganze Nacht überlegt. Ich habe so viel Blödsinn gemacht. Unter Büschen habe ich gelegen, die Helikopter über mir. Da habe ich gedacht: Das brauche ich doch echt nicht!“

Trotz seiner zwölf Vorstrafen und einer zur Tatzeit laufenden Bewährung begann der 26-Jährige, sein Leben umzukrempeln, wechselte sein soziales Umfeld, macht derzeit eine Entzugs- und Antiaggressionstherapie und hat Arbeit in Aussicht. Ein Start in ein neues Leben stand auf der Kippe, doch Richter Reckschmidt setzte die Freiheitsstrafe von zehn Monaten letztmalig zur Bewährung aus. Zudem muss er als Bewährungsauflage 1000 Euro zahlen. „Sie haben einen exorbitanten Schaden angerichtet für vier Stangen Zigaretten. Die Kosten des Polizeieinsatzes möchte ich nicht ausrechnen. Es steckt sehr viel Hoffnung in dieser Bewährungsentscheidung“.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare