"Die Lage ist ernst"

Schulstart für 582 i-Männchen, doch der Lehrermangel ist problematisch

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Lüdenscheid - Tausende i-Männchen feierten erst ihren großen Tag – und auch in Lüdenscheid machten sich hunderte Schulanfänger auf den Weg zu ihrer neuen Wirkungsstätte: 530 Mädchen und Jungen werden eine städtische Grundschule besuchen – das sind weniger als noch im Vorjahr.

Denn zum Schuljahresstart 2017/18 hätten noch 575 i-Dötzchen ihre Schullaufbahn gestartet. Hinzukommen jedoch noch jene Schüler, die sich an der Freien christlichen Grundschule angemeldet haben – dort wurden gestern 52 Mädchen und Jungen begrüßt. 

Insgesamt gibt es an allen 13 Grundschulen in Lüdenscheid jeweils zwei Eingangsklassen – und: Der ehemalige Teilstandort Kalve der Grundschule Bierbaum firmiert als Grundschule Wefelshohl erstmals als eigenständiger Schulstandort. Damit verteilen sich die Schulanfänger, trotz kleinerer Abweichungen, nahezu gleichmäßig auf die 13 Lüdenscheider Einrichtungen – nicht zuletzt bedingt durch die Schuleinzugsbezirke. 

Jede dritte freie Stelle bleibt unbesetzt 

Als Problem erweisen sich nach wie vor die fehlenden Lehrer – besonders betroffen sind nach Angaben des Landes die Grundschulen: Hier sei jede zweite freie Stelle nicht besetzt. 

Und das bestätigen auch die Zahlen der Bezirksregierung Arnsberg: Seit Jahresbeginn standen in den Grundschulen im Regierungsbezirk 591 Stellen zur Verfügung, 321 davon wurden bis zum 22. August besetzt. Das entspricht einer Besetzungsquote von 54,31 Prozent. 

Deutlich schlimmer sieht es im Märkischen Kreis aus: Von den seit Jahresbeginn 67 zur Verfügung stehenden Stellen konnten lediglich 21 besetzt werden – eine Quote von 31,34 Prozent. 

Zum Vergleich: An den Gymnasien liegt die Besetzungsquote im Märkischen Kreis bei 82,35 Prozent, an den Berufskollegs sowie den Hauptschulen immerhin noch bei 72,73 Prozent. Zwar wurden der Stadt Lüdenscheid seit Januar vier neue Grundschullehrer zugewiesen, doch weitere fünf Planstellen sind noch unbesetzt. 

Nicht eine Bewerbung für Sonderpädagogen-Stelle

So hätte es beispielsweise für eine Stelle für Sonderpädagogik keine einzige Bewerbung gegeben. „Die Lage ist ernst und wird uns wohl noch einige Zeit begleiten“, weiß Christa Sacher, Schulrätin beim Märkischen Kreis. 

Es gebe viele Kommunen, die bei möglichen Bewerbern nicht gefragt seien, möglicherweise aufgrund ihrer Lage, ihrer Anbindung oder Entfernung zur Uni-Stadt. „Das merken wir auch im Lehrer-Seminar. Viele Anwärter kommen einfach nicht zurück.“ 

Aufgefangen würden die fehlenden Lehrer in erster Linie durch Vertretungskräfte – sei es durch Personen, die das 1. Staatsexamen haben, jene, die aufs Referendariat warten oder Lehramtsstudenten, die bereits Erfahrungen aufweisen können. Letztlich seien es die Schulleiter, die entscheiden, ob ein Kandidat in Frage kommt. „Während der befristeten Zeit kann abgewogen werden, ob der Schule diese Unterstützung hilft.“

Pensionäre helfen ehrenamtlich

Oftmals könnten durch diese Kräfte die Stunden intern umverteilt werden, damit der Unterricht sichergestellt werden kann. Auf Pensionäre habe man bislang nicht zurückgegriffen – einige helfen vielmehr ehrenamtlich bei der Unterstützung von Flüchtlingskindern. 

Dafür sind nach Angaben der Bezirksregierung seit Jahresbeginn 22 Seiteneinsteiger im Regierungsbezirk eingestellt worden. Doch gerade im Primarbereich seien die Voraussetzungen dafür noch schwierig: „Ich würde mir wünschen, dass es für Lehrkräfte der Sekundarstufe die Möglichkeit einer berufsbegleitenden Qualifizierung gibt, um sie fit für den Unterricht an der Grundschule zu machen.“

Die Kinder im Kreis sind gut gerüstet

3622 Jungen und Mädchen wurden im Märkischen Kreis vor Start des neuen Schuljahres vom Kinder- und Jugendärztlichen Dienst auf ihre Schultauglichkeit untersucht – 30 mehr als noch ein Jahr zuvor. Das geht aus einer Pressemitteilung des Kreises hervor. 

Fast alle „i-Männchen“ seien fit für den Schulbesuch. Nur 42 von ihnen mussten aus dringenden medizinischen Gründen noch zurückgestellt werden. Dagegen gebe es 29 Kinder, die auf Antrag ihrer Eltern vorzeitig eingeschult werden können. 

Von den untersuchten 1890 Jungen und 1732 Mädchen haben 1491 einen Migrationshintergrund. Die vorhandenen Sprachdefizite bei den Kindern seien weniger geworden. „85 Prozent der Jungen und Mädchen können sich gut verständigen“, freut sich Fachdienstleiterin Andrea Götz. 

Traumatisierte Schulkinder durch Fluchterfahrung

Leicht gestiegen, nämlich von 9,72 Prozent im Vorjahr auf 10,11 Prozent in diesem Jahr, ist der Anteil der übergewichtigen Kinder. Um hier zu einer sauberen Einschätzung zu kommen, müsse auf Vergleichswerte gewartet werden. 

Auffällig dagegen sei, dass manche Flüchtlingskinder Traumatisierungen aufgrund der Fluchterlebnisse haben. „Sie brauchen einfach ein Jahr mehr Zeit, um bei uns anzukommen. Diese Zeit müssen wir ihnen geben“, sagt die Fachdienstleiterin.

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