An den Husareneichen: mysteriöse „Stinkbombe“

LÜDENSCHEID ▪ Ein „furchtbarer Krach“ hat am Dienstagmittag die ruhige Sackgassen-Idylle An den Husareneichen gestört. Ilka Steinweg erinnert sich an ein Geräusch „wie eine riesige Dachlawine“.

Im Fanggitter über der Dachrinne und vor dem Haus lagen mehrere Eisbrocken, der schwerste von ihnen etwa fußballgroß. „Und dann habe ich geguckt und gedacht: Das Zeug ist ja gelb.“ Im Polizeiprotokoll ist von einem „Urinbrocken“ die Rede.

Das Phänomen ist bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) nicht unbekannt und wird „Blue Ice“ genannt, weil sich in Rückständen von Bordtoiletten neben Exkrementen blaue Desinfektionsmittel befinden können. Eine DFS-Sprecherin sagte zu dem Vorfall, das könne „in dieser Jahreszeit mal vorkommen“.

Wie durch ein Wunder: Viel ist an dem steilen Schieferdach offenbar nicht kaputtgegangen. Ein Dachdecker will in den nächsten Tagen genau nachschauen, wie Ilka Steinweg im LN-Gespräch sagte. „Aber da hätte ja wer weiß was passieren können.“ Die Polizisten vor Ort hätten auch keine andere Erklärung gehabt als „Kann nur von oben gekommen sein“. Und setzten ein Fragezeichen hinter das Wort „Flugzeug“.

Die Frage, wer für den entstandenen Schaden – auf den ersten Blick ist nur das Fanggitter gebrochen – aufkommt, beschäftigt nun die DFS-Fachleute. Die Sprecherin sagte: „Verursacher sind die Fluglinien. Wir können aber zur Aufklärung beitragen. Der Fall ist in Bearbeitung.“ Am besten sei es, wenn man zeitlich genau eingrenzen könne, wann es eingeschlagen hat.

Auch der Pressesprecher des Düsseldorfer Flughafens, Christian Hinkel, sieht die Fluggesellschaften in der Haftungspflicht. „Wir nehmen das sehr ernst und schicken im Bedarfsfall auch Untersuchungsteams raus.“ Doch meistens bestätige sich der Verdacht nicht. Vermeintliche „Stinkbomben“ aus großer Höhe entpuppen sich demnach allzu häufig als Eisbruch „von einem Kamin oder so“, wie Hinkel sagte. „Wichtig ist für uns, dass Betroffenen schnell geholfen wird.“

Dass aber ein Pilot oder eine Stewardess im falschen Moment auf den Knopf gedrückt und die Ladung aus Versehen über bewohntem Gebiet verklappt hat, schließt Christian Hinkel aus. „Bordtoiletten, das sind hermetisch geschlossene Systeme. Dass da was abgelassen wird, ist eine Mär.“ Möglich könne aber ein technischer Defekt sein, so Hinkel weiter. „Eventuell eine undichte Dichtung.“ Schon deshalb müsse der Flug ermittelt werden, um die Wiederholungsgefahr zu bannen. Normalerweise würden aber auch Dichtungen regelmäßig gewartet.

Ilka Steinweg wartet nun auf den Rückruf der DFS. Und ist froh, dass ihr Dach noch dicht ist.

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